Erzbischof auf Wohnungssuche
"Große Aufmerksamkeit, Spannung und Freude" empfinde er bei dem, was vor ihm liegt, sagt Koch. Zunächst seien erst einmal ganz weltliche Probleme zu lösen, berichtet Bistumssprecher Stefan Förner: Der Erzbischof sucht eine Wohnung. Das Bernhard-Lichtenberg-Haus an der Kathedrale sei dringend sanierungsbedürftig, da sei für den neuen Oberhirten derzeit kein Platz. Deshalb treffe man sich auch hier in den neuen leeren Büroräumen. "Ich hoffe, heute Abend sind wir da einen Schritt weiter", sagt Koch. Ob er denn schon ein Lieblingskiez in Berlin habe, will einer der Journalisten wissen. "Nein", sagt Koch. Da wolle er sich nicht festlegen.
Deutlicher erklärt er aber, worum es ihm als Erzbischof geht: "Wenn die Kirche nur ein schöner Schrebergarten ist, dann ist sie überflüssig. Dafür ist unsere Botschaft zu schade. Entweder wir fragen, was Gott von uns will oder es wird eine bürokratische Veranstaltung", sagt Koch mit Blick auf die pastorale Raumordnung, die im Erzbistum Berlin den Titel "Wo Glauben Raum gewinnt" trägt. Es könne nicht sein, dass Menschen niemals in ihrem Leben von Gott gehört hätten. "Erfüllen wir unseren Auftrag als Kirche in dieser Zeit", fragt Koch. Seine Erfahrungen aus dem "Erkundungsprozess", wie die pastorale Raumordnung im Bistum Dresden-Meißen genannt wird, will er in Berlin einbringen. Hier seien vor allem kommunikative Probleme zu lösen, hat Koch beobachtet. Ein solcher Umgestaltungsprozess müsse da als geistliche Herausforderung verstanden werden. Diese betreffe nicht nur die Gemeinden, sondern auch katholische Schulen, Altenheime, Krankenhäuser und Caritaseinrichtungen.
Bei der viel diskutierten Sanierung der St. Hedwigskathedrale, der Hauptkirche der Katholiken in der Erzdiözese, müsse ebenfalls mehr kommuniziert werden. Es sei ihm klar, dass Räume wichtig sind, so Koch. Ein Kirchenraum sei ein Ort der Begegnung mit Gott. Niemals dürfe die Kathedrale aber ein "Zerissenheitsgrund" sein. "Der Bau soll nicht spalten. Sonst wird die Renovierung ein Fiasko", sagt er. "Dringenden Handlungsbedarf" sieht Koch daher in Sachen Kathedrale: Es müssten Entscheidungen gefällt werden.
Das zeigten auch die vielen Briefe, die er inzwischen jeden Tag erhalte, einige davon mit drohendem Unterton. "Das ist jeden Tag eine dreistellige Zahl". Ein Teil der Absender sei für den Erhalt des viel diskutieren Lochs vor dem Altar der Kathedrale. Der andere Teil sei dafür, dass das Loch bei der Sanierung verschwinde. Um zu einer für alle tragbaren Lösung zu kommen, werde er "mit vielen sprechen", sagt Koch zu. Denn die Frage nach der Gestaltung der Kathedrale sei offensichtlich keine architektonische Frage.
"Für den Frieden in der Stadt"
Den interreligiösen Dialog will Koch ebenfalls forcieren. "Da kann auch die Initiative von mir ausgehen", so Koch. In Berlin sei das Gespräch mit den Muslimen besonders wichtig. "Für den Frieden, für den Frieden in der Stadt" sei das Miteinander von großer Bedeutung. Auch die bestehenden ökumenischen Kontakte will Koch pflegen und ausbauen. Noch vor seiner Amtseinführung im September werde er deshalb einen Antrittsbesuch bei seinem evangelischen Amtsbruder Markus Dröge absolvieren. Das bevorstehende Reformationsjubiläum sei auch für die katholische Kirche von Bedeutung, erläutert Koch. "Das kann eine Bereicherung des Glaubens sein", sagt er mit Blick auf das Jahr 2017.
Gebangt und gehofft hatte man im Bistum Dresden-Meißen: Bischof Heiner Koch möge nicht neuer Oberhirte von Berlin werden. Nun ist es doch passiert. Der neue Erzbischof ist ein Seelsorger, dem sein volksnahes Naturell viele Türen öffnet. Als Workaholic legt er ein strammes Arbeitspensum vor und nimmt seine "Schäfchen" in die Pflicht.
Die unterschiedliche Haltung der katholischen Kirche und der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische-Oberlausitz (EKBO) zur Ehe sieht er dabei nicht als Hindernis. "Gegensätze sind Chancen zur Profilierung", sagt Koch zur beabsichtigten Gleichstellung homosexueller Partnerschaften in der EKBO. "Wir werden unsere Auffassung vertreten – in aller Klarheit und Bescheidenheit." Die respektvolle Diskussion dürfe nicht in Vergessenheit geraten: "Es ist mir ein großes Anliegen, dass bei dieser Debatte niemand diskriminiert wird. Niemand sollte das Gefühl haben, er müsse um seinen Wert und seine Werthaftigkeit kämpfen." Ihm seien gerade auch die homosexuellen Menschen wichtig, die sich zum katholischen Glauben bekennen. Er wisse aus Gesprächen, dass diese sich vielfach gegenüber anderen Homosexuellen für ihre Kirchenzugehörigkeit rechtfertigen müssten.
Wie bereits in Dresden-Meißen will Koch im Erzbistum Berlin auch den Dialog mit den Nicht-Glaubenden in den Blick nehmen: "Ich weiß, das diese Gruppe nicht homogen ist. Aber es sind viele darunter, die suchen", erläutert er. Auch das Engagement seines Amtsvorgängers, Kardinal Rainer Maria Woelki, in der Flüchtlingsarbeit will Koch fortführen. Schon in Dresden-Meißen hatte er sich für die Aufnahme von Flüchtlingen ausgesprochen und sich damit auch gegen die Position von Pegida gestellt.
Den Abschied aus Dresden-Meißen versuchen ihm die Katholiken in Sachsen leicht zu machen, erzählt er. "In Ebersbach war ich zur Firmung. Dort hat mich die Gemeinde zur Quelle der Spree geführt, die hier durch Berlin fließt", sagt Koch. Er deutet es als ein gutes Zeichen für seine zukünftige Arbeit im Erzbistum.