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ZdK-Präsident Alois Glück über ein gesprächsintensives Jahr 2012

"Es ist Vertrauen gewachsen"

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ZdK-Präsident Alois Glück.
Bonn - Der Dialogprozess, die Zulassung von Frauen zum Diakonat, der Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen - Gesprächsstoff und heiße Eisen gab es auch im Jahr 2012 genügend beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). Im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Bonn blickt ZdK-Präsident Alois Glück auf die vergangenen zwölf Monate zurück und wagt einen Ausblick in das neue Jahr 2013.

Frage: Herr Glück, wie war 2012 für die Kirche in Deutschland?

Glück: Es gab einen guten Prozess, was die innere Lebendigkeit angeht und das Aufeinanderhören. Es ist Vertrauen untereinander gewachsen; das ist eine wichtige und gute Etappe im Dialogprozess.

Frage: Vielen reicht das aber nicht. Sie wollen konkrete Fortschritte sehen, etwa beim Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen oder beim Thema Frauen und Kirche. Sehen Sie die?

Glück: Ja, insbesondere mit den Selbstverpflichtungen der Bischöfe und Laiengruppen beim Abschluss des Dialogtreffens in Hannover. Dadurch ist Vertrauen gewachsen, dass Dinge konkret angepackt werden. Wer die Komplexität und die Geschichte vieler Problemstellungen in der Kirche kennt, weiß, dass das nicht von heute auf morgen geht. Aber wir spüren die Ernsthaftigkeit, auch von Seiten der Bischofskonferenz, bei drängenden Fragen Lösungen zu finden. Doch wir müssen gleichzeitig unseren eigenen Beitrag leisten - etwa auf Basis der gemeinsam erarbeiteten Papiere bei der Umstellung der Seelsorgestrukturen. Als außerordentlich positiv sehe ich den Brief der deutschen Bischöfe an die Priester in Deutschland, in dem sie auf die Rolle der Priester und Laien hinweisen. Diese Entwicklungen waren vor zwei, drei Jahren noch undenkbar.

Frage: Wird es das Diakonat der Frau geben?

Glück: Wir werden beim Diakonat der Frau auf absehbare Zeit wohl nicht das Ergebnis haben, das wir für notwendig halten. Dennoch werden wir das Thema auf der Tagesordnung halten. Zu den wichtigen Botschaften von Hannover zählt, dass die Bischöfe in ihrer Selbstverpflichtung die Frauenförderung benannt haben. Und natürlich beginnt das in Leitungsämtern, etwa in Ordinariaten und Bistumsleitungen. Das muss quer durch alle Ebenen und alle Aufgabenfelder der Kirche gehen. Dass die Bischöfe dieses Anliegen zum Programm erhoben haben und sich ihm bei der nächsten Vollversammlung der Bischofskonferenz besonders annehmen werden, das sind schon Früchte des Dialogprozesses

Wir werden beim Diakonat der Frau auf absehbare Zeit wohl nicht das Ergebnis haben, das wir für notwendig halten.

Alois Glück

Frage: Wie müsste es mit Blick auf wiederverheiratete Geschiedene weitergehen?

Glück: Es geht uns nicht darum, den Grundsatz der Unauflöslichkeit der Ehe infrage zu stellen. Aber es gilt, einen Weg zu gestalten, wenn sich eine zweite Beziehung zu einer stabilen menschlichen Beziehung entwickelt hat, wo auch wechselseitig Verantwortung übernommen wird. Hier muss ein Weg gefunden werden, dass sich diese Menschen in unserer Kirche nicht ausgegrenzt fühlen und auch Zugang zu den Sakramenten bekommen. Vielleicht findet man einen ähnlichen Weg wie in den Ostkirchen, in denen nicht eine zweite Ehe eingegangen, die zweite Beziehung als Verantwortungsgemeinschaft aber gesegnet wird.

Frage: In der Öffentlichkeit scheint zugleich die Sensibilität für religiöses Empfinden immer mehr abzunehmen, wie jüngst auch das Thema Beschneidung gezeigt hat. Sehen Sie da eine Gefahr?

Glück: Durchaus. Bei solchen Debatten stellen wir immer mehr fest: Es gibt eine zahlenmäßig nicht besonders große, aber durchaus aktive Gruppe, der nicht nur das Gespür für die Dimension des Religiösen und der Respekt dafür fehlt. Und es gibt auch fundamentale Atheisten, die ihrerseits quasi einen religionsfreien Raum fordern und die die Bedeutung der Religion für andere Menschen nicht respektieren. Das ist spürbar in der Bandbreite von Fremdheit, Nichtverstehen bis zu aggressiver Gegnerschaft. Darauf müssen wir uns einstellen im Sinne einer guten, überzeugenden Argumentation, aber auch mit gesundem Selbstbewusstsein.

Frage: Gehören in diesen Kontext auch das Titanic-Titelblatt, das Mohammed-Schmähvideo und Ähnliches aus diesem Jahr?

Glück: Ja, alle diese Dinge sind Ausdruck einer solchen Entwicklung. Wenn sich dann sogar ein bekannter deutscher Schriftsteller dazu versteigt, dass er als Demonstration vermeintlicher Freiheit dazu auffordert, die Redaktionen mit provokativen Aussagen unterschiedlichster Art zur Religion zu überschwemmen, dann ist das eine geradezu absurde Vorstellung einer freien Gesellschaft. Zu deren kulturellen Qualitäten gehört gerade der Respekt vor dem anderen. Auf reiner Provokation können wir unser Zusammenleben nicht gestalten.

Frage: Ist solch ein Gegenwind auch ein Zeichen dafür, dass sich aktive Christen kaum noch in der Politik engagieren?

Glück: Diese aggressive Gegnerschaft liegt nicht daran, dass es zu wenig Christen gäbe, die im öffentlichen Leben engagiert sind. Aber wir haben durchaus Sorgen, dass zu wenig Menschen aus dem kirchlichen Bereich in das öffentliche Leben nachwachsen, die sich dort trotz aller Reibungspunkte profilieren. Hier müssen wir Menschen aus dem kirchlichen Raum heraus wieder mehr ermutigen und unterstützen.

Frage: Wo sehen Sie für 2013 weitere Herausforderungen für die Kirche und jeden einzelnen Christen?

Glück: Wir haben viele Themen, die uns herausfordern werden. Da sind die ganzen bioethischen Fragen, die die Gefahr von Manipulation und Missbrauch bergen. Auch ist in den nächsten Jahren mit schwierigeren wirtschaftlichen Entwicklungen zu rechnen, verbunden mit verschärften Verteilungskämpfen. Zudem gibt es die Herausforderung Europa, die über die Finanzkrise hinaus Gestaltung braucht, auch mit Blick auf die Sicherheits- und Außenpolitik. Und ein weiteres großes Thema ist eine nachhaltigere Lebensweise. Darüber hinaus gibt es konkrete Fragen wie die Situation von Kirche und Religion insgesamt in unserer Gesellschaft.

Frage: Ihre Amtszeit endet 2013. Auch bei den Bischöfen steht ein Generationswechsel ins Haus oder ist schon im Gange. Was wünschen Sie sich für das Miteinander von Laien und Kirchenoberen in Deutschland?

Glück: Ich wünsche mir vor allem, dass immer wieder aufs Neue das Vertrauen wächst. Und das kann nur wachsen, wenn man miteinander spricht, sich aufeinander einlässt und Vertrauen fasst. Mit Blick auf die Bischöfe wünsche ich mir, dass Seelsorger in das Amt berufen werden, die die Lebenswelt der heutigen Menschen verstehen und die Verkündigung als Dienst für die Menschen sehen. Ich wünsche mir aber auch, dass Menschen wieder mehr Zugang zur Kirche finden, dass sie zuhörende und dienende Kirche erleben sowie Menschen in Leitungsämtern, die als Person in jeweils unterschiedlicher Weise auch diese Spiritualität verkörpern.

Das Interview führte Gottfried Bohl

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