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"Alles, was nicht notwendig ist, muss reduziert werden"

Finanziell angeschlagene Abtei Marienthal durchläuft harten Sparkurs

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Barockes Kloster vor bewölktem Kloster
Ostritz - Seit Jahren hat das Zisterzienserinnenkloster St. Marienthal große finanzielle Probleme, 2022 sollten zur Rettung sogar wertvolle Handschriften verkauft werden. Nun durchläuft die Abtei einen harten Sparkurs. Doch viel Spielraum gibt es nicht.

Das finanziell angeschlagene Zisterzienserinnenkloster St. Marienthal im sächsischen Ostritz durchläuft derzeit einen harten Sparkurs. "Das ist hier kein Fass ohne Boden. Aber alles, was nicht notwendig ist, muss reduziert werden", sagte der wirtschaftliche Berater des Klosters, Richard Nobis, am Donnerstag der "Sächsischen Zeitung". Er und die seit Februar amtierende Administratorin des traditionsreichen Klosters, Sr. M. Petra Articus, seien um "fünf vor Zwölf" in das Kloster gekommen.

Laut Nobis, der früher unter anderem als Filialleiter der Pax-Pank tätig war, leidet das Kloster vor allem unter zwei Grundproblemen: Zum einen sei der Konvent zuletzt nicht mehr in der Lage gewesen, den laufenden Lebensunterhalt für die Nonnen zu erwirtschaften. Zum anderen belasteten der Unterhalt der riesigen Gebäude und einige Entscheidungen, die bei Sanierungsarbeiten in den vergangenen Jahren getroffen worden seien, das Kloster. "Bei den laufenden Kosten sind die Zahlen noch ein bisschen rot, aber da haben wir schon einiges erreicht. Beim Thema Abschreibungen ist die Bilanz hoch-rot", betonte der Volkswirt gegenüber der Zeitung.

Hohe Personalkosten

Eigentlich sei der Plan gewesen, die laufenden Kosten des Klosters über eigene Wirtschaftsbetriebe zu finanzieren. Konkret hätte eine Betriebs-GmbH mit Klosterschenke, Schneiderei, Wäscherei, Gästebetrieb und Wasserkraftwerk den Konvent unterstützen sollen. "Hier war das aber andersherum", so Articus. Ursächlich dafür seien vor allem die Personalkosten gewesen. Da die immer älter und immer weniger werdenden Schwestern nur wenig hätten mitarbeiten können, sei für viele Aufgaben Personal angestellt worden. Dies alles seit jetzt aber neu sortiert worden, so Berater Nobis. Die Klosterschenke etwa werde künftig von dem auf dem Klostergelände ansässigen Internationalen Begegnungszentrum (IBZ) gepachtet und betrieben. Das IBZ werde zudem auch beim Gästeempfang, in der Vermarktung und in anderen Projekten wieder stärker mit dem Kloster zusammenarbeiten.

Seiten einer mittelalterlichen Handschrift
Der geplante Verkauf des wertvollen "Marienthaler Psalter" brachte dem Kloster 2022 bundesweite Aufmerksamkeit und Ärger.

Laut der Administratorin war den verbliebenen Schwestern im Kloster "gar nicht bewusst, dass sie das, was sie zum Leben brauchen, derzeit nicht erwirtschaften". Es gehe ihnen jetzt darum, das Kloster zu erhalten. Dafür versuchten sie nach Kräften Geld zu verdienen und zugleich zu sparen. Dies sei jedoch nicht leicht, da der Konvent auch vorher nicht üppig gelebt habe. Hinzu komme, dass naheliegende Einsparmöglichkeiten kaum umzusetzen seien. So sei nach dem verheerenden Hochwasser im Jahr 2010 eine hochkomplexe Heizungs- und Beleuchtungsanlage installiert worden, die digital gesteuert werde. Einfach mal die Heizung runterdrehen oder das Licht ausschalten, könne man nicht, so Nobis.

"Jeder Euro tut uns weh"

Articus kündigte an, die Klosterkirche und das Refektorium im Winter nicht heizen zu wollen. "Wir werden für unsere Mahlzeiten einen kleineren Raum nutzen." Dies werde zumindest bei den laufenden Kosten Entlastung bringen, bei der Frage nach dem Gebäudeerhalt aber kaum. "Wir können die Abschreibungen derzeit nicht erwirtschaften, es gibt einen Reparaturstau, jeder Euro tut uns weh, weil wir ihn nicht haben", sagte Nobis. Laut der Zeitung bröckeln unter anderem an mehreren Stellen Farbe und Putz, außerdem gebe es ein Nässeproblem.

Das Kloster St. Marienthal liegt an der deutsch-polnischen Grenze und ist Deutschlands ältestes Zisterzienserinnenkloster, das seit seiner Gründung ununterbrochen besteht. Das Kloster wurde in seiner Geschichte mehrfach von Katastrophen heimgesucht, zuletzt richtete ein verheerendes Hochwasser im Jahr 2010 erhebliche Schäden an. Laut der bis vergangenen Februar amtierenden Äbtissin Sr. M. Elisabeth Vaterodt führten das Hochwasser und die folgenden Sanierungskosten zu einer dramatischen finanziellen Lage der Abtei. 2022 erregte das Kloster überregionale Aufmerksamkeit, weil es zur Linderung seiner Finanzprobleme wertvolle Handschriften verkaufen wollte, darunter den "Marienthaler Psalter". Später erwarb der Freistaat Sachsen – unterstützt von der Ernst-von-Siemens-Kunststiftung – für 5,5 Millionen Euro die historisch bedeutsame Bibliothek des Klosters. (stz)

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