Würzburg
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Viktoria van Evert ist Fotografin. Mit ihrer Kamera war sie im Kloster Vierzehnheiligen, bei Ritaschwestern, Dominikanerinnen und Erlöserschwestern zu Gast und hat Bilder aus dem Alltag der Schwestern mitgebracht.
6.30 Uhr
Das nächtliche Schweigen wird mit den Worten "Herr öffne meine Lippen" gebrochen. Die Laudes, das Morgengebet der Kirche, beginnt.
Durch die Fenster scheint die aufgehende Sonne: Ein Bild für Christus – deshalb beginnt die Laudes so früh am morgen.
Nach dem gemeinsamen Frühstück beginnt die erste Arbeitszeit. Brote werden gebacken, Flüchtlinge versorgt, das Gemüse für das Mittagsessen geschält und geschnitten – alles mit einer unglaublichen Hingabe. Jede Schwester hat ihre eigene Aufgabe.
"Schenk uns heute unser tägliches Brot" (Mt 6, 11)
"Wenn bei dir ein Fremder in eurem Land lebt, sollt ihr ihn nicht unterdrücken. Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten, und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid selbst Fremde gewesen. Ich bin der Herr, euer Gott." (Lev 19,33–34)
Nach einer kleinen Mittagspause beginnt die zweite Arbeitszeit. Das war meine Chance, die Schwestern ganz persönlich kennenzulernen und ins Gespräch zu kommen.
Sie erinnert sich genau in diesen Augenblick an einen Traum aus ihrer Kindheit. Was für ein Glücksmoment, denn diese Schwester leidet an Demenz.
Die Kirchenglocken läuten die "Stunde der Stille" ein. Diese Stunde bietet Zeit zur Anbetung und Rekreation. Denn "erst wenn der Lärm verstummt, kommt die innere Stimme zu Gehör".
"Ich unterweise dich und zeige dir den Weg, den du gehen sollst, ich will dir raten, über dir wacht mein Auge." (Ps 32,8) Dieser Vers hat Schwester Gundegard auf ihrem Weg ins Kloster begleitet.
Die Komplet bildet den Abschluss des Tages, das Nachtgebet der Kirche. Sie rundet den Tag ab und eröffnet das "große" Schweigen. Die Gänge sind nun leer, es herrscht eine ganz eigene Stimmung im Haus.
Sei unser Heil, o Herr, wenn wir wachen und unser Schutz, wenn wir schlafen; damit wir wachen mit Christus und ruhen in seinem Frieden. Mit der Antiphon des Nunc Dimittis endet der Tag.
Viktoria van Evert wohnt im Bistum Würzburg. Innerhalb eines Jahres hat sie vier verschiedene Ordensgemeinschaften besucht und je genau einen Tag fotografisch begleitet. Unter dem Namen Luma Photography arbeitet sie hauptsächlich als Portraitfotografin.