Frischer Wind an der Waterkant
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Marx, gratuliert Heße und wünscht ihm Gottes Segen: "Wenn Sie künftig zwischen Nord- und Ostsee unterwegs sind, wird Ihnen ein frischer Wind entgegenwehen. Ich wünsche Ihnen sehr, dass Sie dieser Wind und das Engagement Ihrer künftigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie der Gläubigen beflügeln werden", schreibt Marx. "Als in Köln geborener Rheinländer wird Ihnen das Erzbistum an der Elbe sicherlich bald ans Herz wachsen." Heße bringe aufgrund seiner bisherigen Aufgaben – von der Arbeit in der Priesterausbildung am Bonner Collegium Albertinum bis hin zu seinen Jahren als Kölner Generalvikar – gute Voraussetzungen für das neue Amt mit.
Mit einem fröhlichen und einem weinenden Auge sieht man im Erzbistum Köln die Entscheidung. Er freue sich für die Menschen in Hamburg, erklärte Erzbischof Rainer Maria Woelki: Sie bekämen einen "sehr guten neuen Erzbischof", der ein Herz für die Menschen habe. Mit Heße verbindet den Kardinal seit Studienzeiten eine enge Freundschaft. "Ich weiß, was er kann, ich weiß, dass er ein Herz für die Menschen hat, dass er ein wirklich treuer und guter Priester und Seelsorger ist und die Nähe zu den Menschen sucht", erklärte Woelki, der sich nun einen neuen Mitarbeiter suchen muss. "Für Köln und für mich persönlich tut es mir leid, dass ich nach so kurzer Zeit einen sehr zuverlässigen und sehr guten Mitarbeiter, meinen Generalvikar verliere".
Auch der Diözesanrat der Katholiken im Erzbistum Köln ist davon überzeugt, dass Hamburg nun einen "exzellenten neuen Erzbischof" bekommt und betonte Heßes "Nähe zu den Menschen". Als Generalvikar in Köln sei Heße für den Diözesanrat eine Vertrauensperson gewesen, die stets auf die Belange der Laien geschaut habe, sagte Tim-O. Kurzbach, Vorsitzender des Diözesanrats.
Heße: Eine Gegend, die mir bisher nur aus dem Urlaub bekannt ist
In einem ersten Statement gab Stefan Heße zu, von der neuen Aufgabe überrascht worden zu sein. Die Ernennung habe ihn "innerlich sehr aufgewühlt", erklärte er. Nach einiger Zeit des Nachdenkens habe er das Amt aber gern angenommen. "Ich bin Kölner und bis auf meine Studienzeit in Regensburg dem Rheinland treu geblieben. Jetzt gilt es aufzubrechen in den Norden Deutschlands, in eine Gegend, die mir bisher nur aus Urlaubszeiten bekannt ist", so Heße.
Er freue sich darauf, die Menschen an seiner neuen Wirkungsstätte kennenzulernen: "Ich bin gespannt auf die Gespräche, natürlich auch auf Gottesdienst und Gebet und den Einsatz in der Caritas zugunsten der Benachteiligten", so Heße.
Vom mitgliederstärksten wechselt er nun in das flächenmäßig größte Bistum in Deutschland, wo aber nur rund zehn Prozent der Bevölkerung katholisch ist. Er sei "gespannt auf die Situation der Kirche in Hamburg" und hoffe, "dass ich Erfahrungen aus dem Rheinland einbringen kann", sagte Heße. Auch erste inhaltliche Linien kündigte er an. So will er den Weg fortsetzen, den der frühere Hamburger Erzbischof Werner Thissen 2011 mit seinen "Leitlinien für die Pastoral" eingeschlagen hat. Sie beschäftigen sich mit künftigen Orten und Weisen kirchlichen Lebens. Bei seiner Arbeit will sich Heße sich den Bistumspatron zum Vorbild nehmen: "Der heilige Ansgar war ein Mann mit Innerlichkeit und Mut zum Aufbruch. Beides wünsche ich mir für meinen Dienst als Bischof von Hamburg". Heße bat auch um Gottes Segen und die Unterstützung aller Gläubigen.
Hamburger Weihbischof Jaschke: Bin froh, dass junger Erzbischof kommt
In Hamburg läuteten am Mittag die Glocken des Mariendoms, um den neuen Erzbischof willkommen zu heißen. Dompropst Franz-Peter Spiza verkündete die Personalie, die zeitgleich auch im Vatikan bekannt gegeben wurde. Hamburg bekomme einen Erzbischof mit dialogischem Führungsstil, erklärte Spiza. Der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke sagte: "Ich freue mich, dass so ein junger Erzbischof kommt. Der Heilige Ansgar war allerdings erst 31 Jahre alt, als er nach Hamburg kam, mit 48 Jahren ist Stefan Heße etwas älter. Ich hoffe, dass er mit viel Schwung seine neue Aufgabe angeht."
Auch aus den Nachbarbistümern kommen Gratulationen und Willkommensgrüße. Als "besonnenen, kompetenten und offenen Priester" bezeichnete Franz-Josef Bode, Bischof von Osnabrück, den neuen Oberhirten. Heße weise eine "solide Mischung" von Erfahrungen in der Gemeindepastoral, in der Personalführung, in der Wissenschaft und in der Administration auf. "Dass ein rheinisch-katholisch geprägter Priester in den Norden kommt, wird uns auch gut tun. Wir heißen ihn herzlich willkommen", so Bode wörtlich. Ähnlich reagierte Norbert Trelle, Bischof von Hildesheim: "Ich freue mich, dass Stefan Heße als Erzbischof zu uns in den Norden kommt. So wie ich ihn erlebt habe, passt er mit seiner kommunikativen Art und seinem aufgeschlossenen Wesen sehr gut in das Erzbistum Hamburg".
Das katholische Bonifatiuswerk, das sich für Katholiken in der Diaspora einsetzt, erinnert an die Minderheitensituation der Christen in Norddeutschland. Das Hilfswerk freue sich "auf die weitere fruchtbare Kooperation mit Stefan Heße und wolle auch zukünftig viele wichtige Projekte im Erzbistum Hamburg unterstützen", so Generalsekretär des Bonifatiuswerkes, Monsignore Georg Austen. Das Bonifatiuswerk wünsche "ihm für die vor ihm liegenden Aufgaben viel Kraft, die nötige Freude am Bischofsdienst und an der Verkündigung und vor allem Gottes reichen Segen".
Evangelische Bischöfin Fehrs: "Wir dienen gemeinsam den Menschen dieser Stadt"
Die Bedeutung der Ökumene heben Gratulanten von evangelischer Seite wie der Landesbischof der Nordkirche, Gerhard Ulrich hervor. "Ich freue mich auf eine gute Zusammenarbeit mit dem neuen Erzbischof Dr. Stefan Heße. In der Amtsnachfolge des ersten Bischofs Ansgar dienen wir künftig gemeinsam den Menschen dieser Stadt", sagte Kirsten Fehrs, Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck. (mit Material von KNA)
Von Gabriele Höfling
Der 48-jährige Heße wurde im August 1966 in Köln geboren. Nach der Priesterweihe 1993 war er zunächst als Kaplan, dann in der Ausbildung am Bonner Theologenkonvikt Collegium Albertinum tätig. 2003 wechselte Stefan Heße in die Personalabteilung des Kölner Generalvikariats, deren Leitung er 2006 übernahm. Seit 2012 ist er Generalvikar des Erzbischofs von Köln. Nach dem Rücktritt von Kardinal Joachim Meisner und bis zur Amtseinführung von Kardinal Rainer Maria Woelki war Prälat Stefan Heße Diözesanadministrator des Erzbistums Köln. Im Amt des Hamburger Erzbischofs folgt er auf Werner Thissen, der das Amt vor zehn Monaten aus Altersgründen aufgegeben hatte. nNch der Wiederrichtung des Erzbistums Hamburg im Jahre 1994 ist Heße der dritte Erzbischof der nördlichen Metropolie. Im Erzbistum Hamburg leben rund 400.000 Katholiken. (gho)