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Pfingsten lädt ein zu einem mutigen "Sowohl als auch"

Fruchtbare Spannung

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Ein Feuer.
Bonn - Sowohl als auch" - das klingt leicht nach Unentschiedenheit oder Opportunismus. Der Wunsch, es allen zu Recht machen, führt oft zu einem nichtssagenden Einheitsbrei. Dann statt "sowohl als auch" doch lieber "entweder oder". Darin steckt Entschlossenheit und der Mut zur klaren Position, der Fronten klärt.

Pfingsten ist das Hochfest des "Sowohl als auch". Jedenfalls steht derselbe Geist Gottes für ganz Unterschiedliches, das sich auszuschließen scheint: Er schenkt persönliche Charismen und ist doch Garant einer alle umfassenden Einheit. Er bewirkt dynamische Veränderung, bewahrt aber zugleich in der Gemeinschaft mit Christus. Er bindet bleibend an ihn und ermöglicht gerade so Freiheit. Er erinnert an die Geschichte Jesu und drängt in neue Zukunft. Er schafft Kirche, weht aber dort, wo er will (nicht nur in der Kirche!) und erneuert das Angesicht der Erde. Er ist also sowohl progressiv als auch konservativ, bindet und befreit, verankert in der Vergangenheit und eröffnet Zukunft, garantiert Individualität und Einheit, lässt Kirche Jesu Christi entstehen und schafft zugleich eine universale Ökumene, die über alle religiösen und kulturellen Grenzen hinweg Reich Gottes erfahrbar macht.

Unsere Hochfeste verbieten uns jedes einfache "Entweder oder". Liegt in der Krippe ein Menschenkind oder der Gottessohn? Steht im Zentrum des Paschamysteriums der Gekreuzigte oder der Auferstandene? Führt der Pfingstgeist zur Einheit der Kirche, oder lädt er ein zu immer neuer Inkulturation? Eindeutige Antworten führen hier treffsicher am Geheimnis vorbei. Das Mysterium eröffnet sich nur im "Sowohl als auch". Immer sind beide Pole notwendig, unvermischt und ungetrennt. Das Zusammendenken und Zusammenfühlen dessen, was sich auszuschließen scheint, erzeugt jene fruchtbare Spannung, in der erst der Dreieinige Gott gegenwärtig wird.

Cornelius Bohl OFM ist Provinzleiter der Franziskaner in Deutschland.

Weisheit und Stärke als Gaben des Geistes

Das klingt sehr theoretisch. Ist es aber nicht. Die praktischen Konsequenzen drängen sich auf: Wer an Gottes Geist glaubt, braucht gerade in der Kirche keine Angst zu haben vor einem offenen Dialog, denn die Wahrheit liegt nicht genau in der Mitte, sondern offenbart sich im Aushalten von Spannungen. Individualität und Freiheit gefährden die Einheit nicht, sondern ermöglichen sie. Bindung an Geschichte, Freiheit und der stetige Überstieg in bisher noch undenkbare Zukunft sind keine Alternativen, sie bedingen einander. Konservatives Bewahren und progressiver Neuentwurf schließen sich nicht aus, sind vielmehr zwei Seiten einer Medaille. Darum auch sind Weisheit und Stärke Gaben des Geistes, nicht aber Ängstlichkeit und Enge.

Pfingsten lädt ein zu einem mutigen "Sowohl als auch", statt sich vorschnell mit einem müden "Entweder oder" zu begnügen, das sich zwar gerne entschlossen gibt, oft aber aus einer tiefen Angst kommt, die Spannungen nicht aushält. Ein bisschen etwas von Pfingsten war dieses Jahr mitten in der Fastenzeit zu erleben. "Papst Franziskus" - diese Wortverbindung lässt immer noch aufhorchen.

Eine provozierende Vision

Gewohnt war man eher eine andere Formulierung: "Franziskus und der Papst". Als der Arme aus Assisi 1209 in Rom auf Innozenz III. trifft, begegnen sich Charisma und Hierarchie. Auch diese unverzichtbaren Strukturelemente der Kirche werden oft als "Entweder Oder" gegeneinander ausgespielt. Ein Papst Franziskus, der zudem noch Ordenschrist ist, könnte zeigen, dass beides zusammen gehört, Charisma und Amt, Freiheit und hierarchische Struktur, Assisi und Rom.

Dieser Innozenz übrigens hatte in der Nacht zuvor einen Alptraum: Er sah seine Kirche einstürzen! Da habe sie ein kleiner Mann mit seinen Schultern gestützt. Das ist eine provozierende Vision. Arme sind oft lästig und werden gerne vergessen. Hier aber stützt und erneuert ein Armer die Kirche. Ein reicher und mächtiger Papst, der seine Ängste eingesteht und dennoch seinen Träumen traut, und ein kleiner Armer, der auf Christus hört und aus einer ins Schwanken gekommenen Kirche nicht aussteigt, sondern anpackt - was für eine Vision, wenn das zusammen kommt! Da geschieht Pfingsten: Nicht entweder oder, sondern sowohl als auch.

Von Cornelius Bohl OFM

Zur Person

Cornelius Bohl OFM (51) ist seit März 2012 Provinzleiter der Franziskaner in Deutschland.

Pfingsten

Pfingsten ist ein wichtiges und zugleich schwer zu fassendes Kirchenfest. So ganz anders als Weihnachten mit dem Kind in der Krippe, so ganz anders als Ostern, an dem das Licht die Nacht erhellt. Hier geht es um den Heiligen Geist. Weitere Informationen:Pfingsten: Ein frischer Geist weht

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