Führungszeugnis? Ohne mich!
Hintergrund ist das neue Bundeskinderschutzgesetz. Dieses soll Kinder und Jugendliche aktiv schützen und fordert daher von jedem Ehrenamtlichen ein polizeiliches Führungszeugnis. "Daraus ergeben sich besonders in den Jugendverbänden eine Vielzahl von Problemen, die das Ehrenamt erschweren", erklärt Michael Kreuzfelder vom Bundesvorstand des "Bundes der Deutschen Katholischen Jugend" (BDKJ). "Ganze Jugendfreizeiten mussten schon ausfallen. Leidtragende sind die Kinder und Jugendliche."
Führungszeugnispflicht belastet junge Ortsgruppenleiter
Mit dem Gesetz muss bei vielen ehrenamtlichen Tätigkeiten ein erweitertes Führungszeugnis vorliegen, mit dem private Daten bekannt und aufgedeckt werden. "Viele ehrenamtliche Helferinnen und Helfer sehen sich sofort in eine Schublade gesteckt", sagt Kreuzfelder. Dies erschwere den Zugang zum Ehrenamt, denn viele Freiwillige fühlten sich angegriffen. "Das hat wiederum erhebliche Folgen. Uns bleiben die Ehrenamtlichen einfach weg."
Nach Angaben des BDKJ werde auch die emotionale Belastbarkeit von jungen Menschen überschritten. Beispielsweise wird ein minderjähriger Vorsitzender einer Ortsgruppe durch das örtliche Jugendamt schriftlich dazu aufgefordert, die Führungszeugnispflicht in seinem Verband umzusetzen. Tut er dies nicht, droht der Ausschluss von der Förderung für seine Ortsgruppe. "Nun muss sich der 17-Jährige von den anderen Mitgliedern des Verbandes das Dokument vorlegen lassen. Oftmals sind es seine Freunde", erklärt Kreuzfelder. Dabei komme er mit vertraulichen und privaten Daten in Berührung, die ihn schnell belasten könnten. "Angenommen sein bester Kumpel ist vorbestragt, wie soll ein 17-Jähriger damit umgehen?"
Diskussion mit Politikern
Die Umsetzung des Gesetzes ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich weit fortgeschritten. In Nordrhein-Westfalen herrscht jedenfalls Gesprächsbedarf bei den Jugendlichen. Und deshalb hat der BDKJ Münster Landtagsabgeordnete zu einer jugendpolitischen Diskussion am Montagabend eingeladen. Unter dem Motto "Wir mischen mit! Katholische Jugendverbände machen Politik" stellen rund 40 Verantwortliche aus den katholischen Jugendverbänden des Bistums Münster in Haltern am See den Politkern ihre Fragen.
Seit dem Bekanntwerden von Missbrauchsfällen in den vergangenen Jahren ist auch in der Jugendverbandsarbeit sexuelle Gewalt ein Thema. Vor diesem Hintergrund soll ein Führungszeugnis von Ehrenamtlichen solche Übergriffe verhindern. Doch ein Führungszeugnis allein hebe solche Probleme nicht auf, betont Kreuzfelder. Innerhalb des BDKJ organisierte Jugendverbände bildeten ihre Gruppenleiter ohnehin seit Jahren in Qualifizierungs- und Präventionskursen aus. Von der Politik fordert Kreuzfelder deshalb, dass sie diese selbst organisierten Kurse zur Vorbeugung von Missbrauch anerkennt und unterstützt. Welche Möglichkeiten und Forderungen seitens der jungen Menschen an den Tag kommen, soll auch die Diskussion am Montagabend zeigen.
Von Anna Eckart
Katholisch.de streamt die gesamte Diskussion am Montag ab 19 Uhr live. Interessierte, die den Abend zu Hause am Computer verfolgen wollen, können sich über den Twitter-Hashtag #wmm14 direkt an der Debatte beteiligen und Fragen an die Politiker richten. An der Diskussion nehmen die Landtagsabgeordneten Josefine Paul (Bündnis 90/Die Grünen) und Bernhard Schemmer (CDU), der Warendorfer FDP-Kreisverbandsvorsitzende Markus Diekhoff sowie die Ratsherren Dominik Pichler (Kevelaer, SPD) und Pascal Powroznik (Münster, Piratenpartei) teil. Die Moderation übernimmt Sarah Schortemeyer von katholisch.de.
In einer Serie zu den bevorstehenden Europa- und Kommunalwahlen in vielen Bundesländern, beschäftigt sich katholisch.de mit dem politischen Engagement katholischer Jugendlicher und Jugendverbände. Hier finden Sie die bisherigen Themen der Serie: "Führungszeugnis? Ohne mich!" Podiumsdiskussion in Haltern am See"Schüler brauchen eine 35-Stunden-Woche" Interview mit Lisi Maier"Kolping im Herzen" Porträt von Florin Liening-Ewert