Suche
Kardinal Karl Lehmann wurde mir dem Romano Guardini-Preis ausgezeichnet

Für das Abenteuer seines Lebens

Dieser Inhalt ist nur erlaubt, wenn Sie Cookies vom Typ "readspeaker" zulassen.

Kardinal Karl Lehmann.
München - Kardinal Karl Lehmann (78), Bischof von Mainz, ist am Dienstagabend mit dem Romano-Guardini-Preis der Katholischen Akademie in Bayern ausgezeichnet worden. Der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz habe das "Lebensabenteuer" praktiziert, sich unermüdlich den geistigen Erfahrungen der Menschen auszusetzen, sagte der französische Philosoph Jean Greisch in seiner Laudatio. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert.

Seine lange Amtszeit als Konferenzvorsitzender von 1987 bis 2008 habe Lehmann den Ruf eingebracht, das "katholische Gesicht Deutschlands" zu sein, so der Laudator. Greisch, der von 2009 bis 2012 Inhaber der Guardini-Professur für Religionsphilosophie und Katholische Weltanschauung an der Humboldt-Universität in Berlin war, verwies darauf, dass Lehmann ohne Rücksicht auf seine Gesundheit das Amt des Vorsitzenden ausgeführt habe. Dabei machte er auf die Leistungen des Kardinals in der Kommunikation aufmerksam. Lehmann habe es geschafft, seine Ansichten und Stellungnahmen in einigen prägnanten Sätzen zusammenzufassen, ohne dabei zu stark zu vereinfachen. "Was für viele Kirchenleute und Intellektuelle ein Stolperstein ist - unter uns gesagt: auch für mich! - wird als Herausforderung verstanden und praktiziert."

Marx dankt Lehmann für Einsatz

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, dankte Lehmann für seinen Einsatz für die Kirche. Seinem Vorvorgänger sei es stets ein Anliegen gewesen, dass Kirche und Theologie miteinander verbunden seien.

Marx plädierte dafür, wissenschaftliche Erkenntnisse stärker in das kirchliche Leben sowie in die Weiterentwicklung von Glaubenssätzen aufzunehmen. "Nicht Veränderung, sondern Weiterentwicklung, Weiterfragen, Weitersuchen. Das scheint mir ausbaufähig."

Eine Kirche, die die Erkenntnisse der Theologie vergesse, auch die neuen Erkenntnisse, und sie nicht aufnehme, "die würde ihre eigene Zukunftsfähigkeit abschneiden", erklärte Marx, auch mit Blick auf die jüngste Bischofssynode, weiter. Die Wissenschaft müsse jedoch auch in das kirchliche Leben hineinhorchen. Zudem hob der Bischofskonferenz-Vorsitzende die Notwendigkeit der Theologie an den Universitäten hervor. Sie sei keinesfalls eine Wissenschaft, die überholt sei.

Nachdenklicher Christ, fundierter Theologe

Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) würdigte Lehmann als "prägende Gestalt des deutschen Katholizismus". Er habe sich als Bischofskonferenz-Vorsitzender auf vielfältige Weise in den innerkirchlichen Dialog, in die Ökumene und gegenüber Staat und Gesellschaft eingebracht, "und zwar als nachdenklicher Christ, als dem Menschen zugewandter Seelsorger und als fundiert argumentierender Theologe", betonte Spaenle.

In seinem Dankeswort sagte Lehmann, Romano Guardini (1885 bis 1968) habe vom Glauben her die Wirklichkeit der Welt verstehen wollen. "Er suchte so das Menschliche im Christlichen und das Christliche im Menschlichen." In einem Brief, in dem Guardini Papst Paul VI. für die Glückwünsche zum 80. Geburtstag dankte, habe er geschrieben, dass es Aufgabe des Lehrenden sei, die christliche Botschaft mit den Problemen und Nöten der Zeit in Beziehung zu setzen.

Nicht Veränderung, sondern Weiterentwicklung, Weiterfragen, Weitersuchen. Das scheint mir ausbaufähig.

Kardinal Reinhard Marx über wissenschaftliche Erkenntnisse und das kirchliche Leben

Der heutige Mensch wünsche, die volle und reine christliche Botschaft zu hören. "Vielleicht sagt er dann nein zu ihr; aber weiß wenigstens, worum es geht", zitierte der Kardinal.

Der Preis wird seit 1970 in Erinnerung an Guardini als einen der bedeutendsten Religionsphilosophen, Theologen, Pädagogen und Literaturinterpreten des 20. Jahrhunderts verliehen. Gewürdigt werden damit «hervorragende Verdienste um die Interpretation von Zeit und Welt auf allen Gebieten des geistigen Lebens». Bisherige Preisträger waren unter anderen der Jesuit Karl Rahner, der Physiker Werner Heisenberg, der Komponist Carl Orff oder der frühere Bundespräsident Richard von Weizsäcker sowie zuletzt der österreichische Dirigent Nikolaus Harnoncourt. (KNA)

kna-katholisch-swarm-node2 (0.013s)