Für ein gutes Miteinander
Das Dokument beschreibt den Spannungsbogen von der Zeit der Vorbereitung über das Fest der Geburt Christi bis zur Zeit der Nachfeier. Dabei wird erkennbar, dass in Ost und West verschiedene Akzente gesetzt werden und die Liturgie in unterschiedlichen Formen gefeiert wird, dass aber beide Traditionen im Glauben an den menschgewordenen Gottessohn zutiefst miteinander verbunden sind.
Die Gemeinsame Kommission möchte mit ihren Dokumenten dazu beitragen, dass Katholiken und Orthodoxe mehr übereinander erfahren. Metropolit Augoustinos, orthodoxer Vorsitzender der Gemeinsamen Kommission, unterstrich bei der Vorstellung, dass der Text eine über die konkrete Thematik hinausgehende Bedeutung im guten Miteinander der beiden Kirchen habe. "Er ist ein Konjunktiv-Text, wenn wir darunter die ursprüngliche Bedeutung des Wortes 'con-iungere', nämlich 'zusammenbinden' verstehen: Er verbindet uns, und noch mehr: Er ruft uns in Erinnerung, dass und wie wir bereits verbunden sind."
Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige, katholischer Vorsitzender der Gemeinsamen Kommission, betonte die Hoffnung, "dass das neue Dokument - wie schon die Texte über den Sonntag und über Ostern - eine gute Resonanz findet und wir so möglichst viele Menschen in den Prozess des wechselseitigen Kennenlernens mitnehmen können. Nur wo man einander kennt, können Verständnis füreinander und Vertrauen ineinander wachsen". Deshalb sollte das Thema orthodoxe Kirche im Katholischen Theologiestudium mehr Raum einnehmen.
Feige: Papstbesuch in der Türkei ist Zeichen der Solidarität
Bischof Feige und Metropolit Augoustinos äußerten sich auch über die bevorstehende Reise von Papst Franziskus in die Türkei. Der Besuch von Papst Franziskus bei Patriarch Bartholomaios sei ein schöner Ausdruck der guten ökumenischen Beziehungen zwischen beiden Kirchen und auch der Wertschätzung, die beide füreinander haben. Für Feige ist die Reise von Papst Franziskus zum Andreasfest auch als ein Zeichen der Solidarität zu sehen. "Die Deutsche Bischofskonferenz beobachtet seit Langem aufmerksam die Situation in der Türkei und erhebt immer wieder mahnend ihre Stimme. Ich hoffe sehr und ich wünsche es unseren christlichen Geschwistern in der Türkei, dass der Papstbesuch weitere Verbesserungen im Bereich der Religionsfreiheit bringt", so Feige.
Die Gemeinsame Kommission besteht seit 2007. Sie ist ein katholisch-orthodoxes Dialoggremium, das sich mit theologischen Fragestellungen in pastoraler Perspektive befasst. Zu ihr gehören Bischöfe der Deutschen Bischofskonferenz und der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland sowie weitere Experten beider Kirchen. Die Gemeinsame Kommission hat sich zum Ziel gesetzt, das Kirchenjahr in der Tradition des Ostens und des Westens für orthodoxe und katholische Gemeinden und ihre Gläubigen sowie für die interessierte Öffentlichkeit zu erschließen.
Von Steffen Zimmermann