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Full House

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Gläubige in einem Weihnachtsgottesdienst.
Bonn - In deutschen Kneipen sind Stammtische eine Institution. Ihre Mitte wird meist von überdimensionalen Aschenbechern markiert, die aussehen, als wären sie noch weit vor den Zeiten der Rohstoffknappheit aus schweren Blöcken nichtrostenden Stahls gefräst worden. Und noch immer gilt es als geradezu flegelhaft, sich ungebeten an einen von ihnen zu setzen und damit den Stammtischbrüdern den angestammten Platz streitig zu machen.

In deutschen Kirchen ist das mit den Stammplätzen nicht ganz so eindeutig. Zwar gibt es auch hier manchmal mit den Namen edler Wohltäterfamilien namentlich gekennzeichnete Kirchenbänke. In der Regel gehört die Sorge um einen festen Sitzplatz beim Gottesdienst aber nicht zu den zentralen Beschwernissen im Leben eines Christenmenschen. Im Vaterhaus Christi sind nach dessen verlässlichen Angaben nicht nur viele Wohnungen frei, auch die irdischen Dependancen dieser himmlischen Herberge leiden normalerweise nicht unter Platzmangel. Normalerweise.

Gottesdienstbesuch als Traditionsritual?

Einmal im Jahr wird es in Deutschlands Kirchen aber so eng, dass selbst der Raum zum Stehen knapp wird. Zu Weihnachten gehört der Besuch eines Gottesdienstes anscheinend selbst für fortgeschrittene Agnostiker zum Traditionsritual eines Festes, das Christfest zu nennen sie sich aus Gründen der politischen Korrektheit und mit Rücksicht auf die religiösen Gefühle Andersgläubiger nie erlauben würden.

Für die treuen Ganzjahresgläubigen kann dieses Faktum einiges an Ärger bedeuten. Sie sehen sich plötzlich gezwungen, schon geraume Zeit vor dem Beginn von Christvesper oder Mitternachtsmesse ins Kirchenschiff zu drängen, wollen sie nicht Gefahr laufen, der Liturgie nur hinter einer Säule folgen zu können. Die Feiertagschristen machen sich breit.

"Geht hinaus in die ganze Welt"

Wie aber nun umgehen mit dem untypischen Ansturm? Hatte nicht Jesus den Seinen damals den Auftrag gegeben "Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!" Und jetzt? Jetzt kommt diese Welt plötzlich von selbst, und sie ist zumindest für wenige Augenblicke offen, etwas von dem zu erfahren, was sonst zwischen Karriere und Konsum nur zu leicht verloren geht.

Liefern wie es ihnen doch! Der nächste Sonntag, an dem sich wieder nur die üblichen wenigen Auserwählten vor dem Altar versammeln werden, kommt ohnehin wie das berühmte Amen in der Kirche. Bis dahin sollten Hirten wie Herden die Chance nutzen, christliche Gemeinden als lebendige Gemeinschaften zu präsentieren, die etwas zu sagen und zu bieten haben. Und zwar weit über die sattsam bekannten und kaum erträglichen Skandale hinaus.

Von Uwe Bork

Zur Person

Uwe Bork ist Leiter der Fernsehredaktion "Religion, Kirche und Gesellschaft" des Südwestrundfunks (SWR).

Weihnachten: Jeder zweite will zur Kirche gehen

Jeder zweite Deutsche will Weihnachten einen Gottesdienst besuchen. Das hat eine aktuelle Emnid-Umfrage ergeben, über die "Bild am Sonntag" berichtet. Insgesamt planen danach 48 Prozent einen Gottesdienstbesuch, im Westen sind es 50, im Osten Deutschlands 38 Prozent. Allerdings sehen nur 31 Prozent Weihnachten in erster Linie als christliches Fest an - bei den jüngeren Deutschen sogar nur 13 Prozent. Für die meisten ist das Fest vielmehr ein Familienereignis: 64 Prozent der Deutschen sehen das so, bei den jungen Deutschen sogar 80 Prozent. (KNA)

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