Gegen Expertenrat: Kardinal-Faulhaber-Platz in Würzburg wird umbenannt
Der Kardinal-Faulhaber-Platz in Würzburg wird umbenannt. Das beschloss der Stadtrat am Donnerstagabend nach langer Debatte mit 27 zu 14 Stimmen. Die dritte Bürgermeisterin Judith Jörg (CSU) stellte den Antrag, den Platz gegenüber dem Mainfranken-Theater nach der kürzlich in Würzburg verstorbenen CSU-Politikerin und einstigen Landtagspräsidentin Barbara Stamm zu benennen. Abgestimmt werden kann darüber erst in einer späteren Sitzung.
Für die Umbenennung des Faulhaber-Platzes gab die umstrittene Haltung des Kirchenmanns während der NS-Zeit den Ausschlag. Der Rat setzte sich mit seiner Entscheidung über das Ergebnis eines von der Stadt selbst ausgerichteten Expertengesprächs im vergangenen Sommer hinweg. Dort hatten sich alle geladenen Historiker gegen eine Umbenennung ausgesprochen und stattdessen eine historische Einordnung in Form einer zusätzlichen öffentlichen Information vorgeschlagen.
Bischof Jung hält Entscheidung für falsch
Der Würzburger Bischof Franz Jung bedauerte die Entscheidung des Würzburger Stadtrats und hält sie für falsch. "Das einstimmige Votum ausgewiesener Experten wurde so nivelliert und letztlich für irrelevant erklärt", sagte Jung laut Mitteilung seiner Diözese am Freitag. Ein solcher "Umgang mit historischer Wissenschaft ist ausgerechnet in einer Universitätsstadt sehr fragwürdig". Kritische Urteile über Personen und ihr Handeln seien berechtigt und notwendig, "aber immer nur unter Berücksichtigung der jeweiligen Umstände". Das Bistum Würzburg werde Faulhaber "als einer der bedeutendsten Persönlichkeiten der katholischen Kirche in Deutschland im 20. Jahrhundert auch weiterhin ein ehrendes Gedenken bewahren", so Jung.
Der langjährige Münchner Kardinal Michael von Faulhaber (1869-1952) stammte aus Unterfranken und erhielt in Würzburg seine theologische Ausbildung. Er gilt als eine der markantesten Persönlichkeiten unter den deutschen Bischöfen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Seine Haltung zu Adolf Hitler und der NS-Bewegung wird von vielen Forschern als "zwiespältig" beschrieben. Der Platz in Würzburg erhielt auf Beschluss des Stadtrats ein Vierteljahr nach Faulhabers Tod seinen Namen.
Umbenennungen von nach Bischöfen benannten Straßen und Plätzen waren zuletzt keine Seltenheit. Häufig geschieht dies im Zusammenhang mit der Missbrauchsaufarbeitung in der katholischen Kirche. Die westfälischen Städte Oelde und Vreden entscheiden in der kommenden Woche über die Umbenennung von Straßen, die früheren Münsteraner Bischöfen gewidmet sind. Auch andere Städte und Gemeinden haben Straßenumwidmungen beschlossen, etwa Kevelaer, Hildesheim und Duderstadt. In diesen drei Städten waren Straßen nach dem ehemaligen Hildesheimer Bischof Heinrich Maria Janssen (Amtszeit 1957-1982) benannt. Er ist der einzige deutsche Bischof, dem selbst sexueller Missbrauch von Minderjährigen angelastet wird. Die Vorwürfe konnten bislang jedoch nicht sicher bestätigt werden. (tmg/KNA)
21.10., 12:35 Uhr: Ergänzt um Jung.