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Deutsche Laien suchen Ansätze für mehr Synodalität

Gemeinsamen Weg noch nicht gefunden

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Mitglieder des Zentralkomitees der deutschen Katholiken bei einer Abstimmung.
Bonn - Nach dem Willen deutscher Laien soll das Gottesvolk stärker an kirchlichen Entscheidungen beteiligt werden. Wie genau das aussehen kann, will das Zentralkomitee der deutschen Katholiken noch herausfinden.

Deutsche Laien wollen mehr bei kirchlichen Entscheidungen mitreden – sie wissen nur noch nicht, wie. Bei der zurückliegenden Herbstvollversammlung fasste das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) nach langer Debatte zwar einen Beschluss, doch Konkretes findet sich im Papier "Synodalität – Strukturprinzip kirchlichen Handelns" kaum.

"Wir sind nicht sehr konkret in den Forderungen, weil erst einmal auszuloten sein wird, was überhaupt möglich erscheint", sagt die Direktorin des Ökumenischen Instituts an der Uni Münster, Dorothea Sattler, gegenüber katholisch.de. Als Sprecherin des Sachbereichs für Pastorale Grundfragen hatte sie den Text vorbereitet. Dabei sei es vorrangig ihr Anliegen gewesen, offene Fragen zu formulieren. Synodalität bedeute schließlich, einen gemeinsamen Weg zu gehen und dieser müsse erst gesucht werden.

Neu ist die Frage nach einer stärkeren Beteiligung des Volkes an kirchlichen Entscheidungen nicht, doch sie habe in zurückliegenden Jahren eine neue Aktualität erhalten, erklärte Sattler am vergangenen Freitag vor der Vollversammlung. Die Beschlussvorlage greife eine "Möglichkeit auf, sich klar zu positionieren", die sich speziell im Pontifikat von Franziskus biete. Damit erinnerte sie an ein berühmt gewordenes Zitat des Pontifex aus dem vergangenen Jahr. "Der Weg der Synodalität ist das, was Gott sich von der Kirche des dritten Jahrtausends erwartet", sagte Franziskus zum 50. Jubiläum der Weltbischofssynode im Oktober 2015. Die Synode, "eines der kostbarsten Vermächtnisse der letzten Konzilssitzung", solle aufgewertet werden, sagte der Papst damals, ohne jedoch die Befugnisse der Bischofssynode wesentlich zu reformieren.

Dorothea Sattler ist Leiterin des Ökumenischen Instituts an der Universität Münster.
Dorothea Sattler ist Leiterin des Ökumenischen Instituts an der Universität Münster.

Und auch das ZdK stellte mit dem nun gefällten Beschluss keine direkten Forderungen auf. Dabei hatten manche Vertreter sich genau das gewünscht, berichtet Sattler: "Ein Streitpunkt war, ob der Text weit genug geht, oder ob er zu harmlos, zu ängstlich formuliert ist und wir mehr fordern sollten." Sattler hielt diesen Stimmen schon bei der Vorstellung des Textes entgegen: "Der Duktus ist bewusst einladend, werbend und moderat in den Forderungen gehalten. Die Türen sollen offen bleiben."

Eine offene Tür sieht das ZdK bereits seit Längerem bei der Auswahl von Bischofskandidaten. Als Wunsch formulierten die Laien in ihrem Beschluss nun ein größeres Gewicht in diesem Prozess. Es müssten "verlässliche Formen der Partizipation an der Auswahl geeigneter Kandidaten" gefunden werden. Damit knüpft das Zentralkomitee an eine Forderung an, die es bereits im Jahr 2007 aufgestellt hat. Damals hatten die Laien Möglichkeiten ausgelotet, neben Bischöfen und Domkapitularen weitere Personen am Auswahlprozess zu beteiligen. Ohne die betreffenden Regelungen des Kirchenrechts zu ändern, könnte dies etwa in Form von Befragungen vor der Erstellung der sogenannten Dreierlisten geschehen, aus denen der Papst letztlich den neuen Bischof auswählt. Bereits in der Vergangenheit gab es in deutschen Diözesen Ansätze für ein solches Verfahren, etwa im Erzbistum Berlin. Dort hatte der Diözesanrat alle Gläubigen aufgerufen, geeignete Kandidaten zu nennen. Welchen Einfluss die Aktion auf die Ernennung von Heiner Koch hatte, ist jedoch nicht bekannt.

Laien wollen "Doppelstrukturen" abbauen

Eine stärkere synodale Ausrichtung müsse darüber hinaus strukturelle Folgen für die Kirche in Deutschland haben, sagen die Laien. So sollte laut ZdK-Beschluss geprüft werden, auf welche "Doppelstrukturen" zukünftig verzichtet werden könnte. Sattler erklärt: "Es gibt beispielsweise den Sachbereich Pastorale Grundfragen im ZdK und es gibt eine Pastoralkommission in der Deutschen Bischofskonferenz." Wie auch in anderen Fachbereichen würden beide Gremien sich zwar mit sehr ähnlichen Fragen befassen, jedoch ohne nennenswerte Kooperation. "Man könnte hier überlegen, eine Neustrukturierung vorzunehmen oder wenigstens eine stärkere Zusammenarbeit anzustreben", so die Professorin.

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Mitsprache von Laien, Rente und ein großes Christentreffen: Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken hatte sich viel vorgenommen. Doch oft war auch ein Thema präsent, das nicht auf der Tagesordnung stand.

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Auch selbstkritische Töne klingen im ZdK-Papier an. So findet sich im Forderungskatalog die Aufforderung, die synodalen Prinzipien müssten auch im Zentralkomitee "zum Tragen kommen". Dies sei als Teil einer größeren Reflexion des eigenen Wirkens zu verstehen, erklärt Komitee-Mitglied Sattler: "Das soll ein Hinweis sein, dass wir nicht nur auf die anderen schauen, sondern uns selbst kritisch hinterfragen." So gebe es etwa Klagen über eine Dominanz des Präsidiums, insbesondere gegenüber den Sprechern der Sachbereiche. "Es gibt vielfältigen Anlass über die innere Struktur im Zentralkomitee nachzudenken."

Sattler: Es wird zu wenig über Glaubensfragen gesprochen

Und im einleitenden Teil der Beschlussvorlage findet sich noch eine weitere kritische Mahnung an die Kirche: Synodale Prozesse würden sich zu oft mehr um die Institution Kirche drehen als um tatsächliche Fragen des Glaubens. "Es ist mein Grundanliegen, wenigstens darauf hinzuweisen", erklärt Sattler ihren Text. Man dürfe sich nicht "mit der Frage 'wer darf was und warum' aufhalten, sondern muss gemeinsam nach Antworten auf die wirklich existenziellen Fragen von Menschen suchen". Langwierige Debatten über nachgeordnete Fragen habe sie etwa beim Gesprächsprozess der Bischofskonferenz erlebt, aber auch ausgerechnet bei der zurückliegenden ZdK-Vollversammlung: "Wir haben uns trefflich über die Frage unterhalten, ob die Beschlussvorlage zu spät versandt wurde, aber die Inhalte haben wir nur zum Teil besprochen. Das finde ich einfach beklagenswert."

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