Gesegnetes Land
Der spätere König Ludwig I. aber ermöglichte Mitte des 19. Jahrhunderts vielen einen Neuanfang. Gerade die Benediktiner stabilisierten sich, so dass dieses Jahr gleich zwei bedeutende Klöster ein Jubiläum feiern können.
Auf seine Wiedererhebung zur Abtei vor 100 Jahren blickt am 1. September das Kloster Weltenburg am Donaudurchbruch zurück. Der Gemeinschaft, die sich rühmt im Besitz der ältesten Klosterbrauerei der Welt zu sein, gehören heute mit ihrem Abt Thomas Freihart sieben Mönche im Alter von 30 bis 53 Jahren sowie ein 87-Jähriger Mitbruder an. Ebenfalls 1913 war es, dass sich im unterfränkischen Münsterschwarzach Missionsbenediktiner erneut niederließen. Diese Ereignis begehen das Kloster am 8. September, der Abtei-Titel folgte aber erst 1914.
Meisterwerk des bayerischen Hochbarocks
Jedes der Klöster hat seine Bedeutung. In Weltenburg ist es die wildromantische Lage, die jährlich rund 500.000 Touristen dorthin zieht, viele von ihnen per Schiff. Sie schätzen die Gastfreundschaft der Hausherrn in der Klosterschenke oder als Seminarteilnehmer im Gästehaus. Dazu kommt die prachtvolle Asam-Kirche. Das zwischen 1716 und 1739 erbaute Gotteshaus gilt als Meisterwerk des bayerischen Hochbarocks. Prunkstück ist der wie eine Bühne gestaltete Hochaltar, auf dem die Geschichte des Kirchenpatrons Sankt Georg erzählt wird.
Vom einst prunkvollen Barock ist in Münsterschwarzach nichts mehr übriggeblieben. Die im 18. Jahrhundert von dem berühmten Baumeister Balthasar Neumann errichtete Basilika diente ab 1810 nach einem Blitzeinschlag und Brand nur noch als Steinbruch. Abt Michael Reepen nennt das heutige Kloster aber einen "Gnadenort". Tatsächlich kann man von einer Erfolgsgeschichte sprechen. Das gilt nicht nur, weil mit Anselm Grün einer der erfolgreichsten christlichen Buchautoren dort betet und arbeitet. Das Kloster ist vielmehr ein großer Arbeitgeber, hat ein Gymnasium und darf als Musterbeispiel in Sachen Energiewende bezeichnet werden.
Damit wieder benediktinisches Leben erblühen konnte, war man in Franken und Niederbayern auf die Mithilfe anderer Klöster angewiesen. In Weltenburg sorgten Ordensleute aus Metten dafür, dass im eigentlich ältesten bayerischen Kloster, wo sich schon um 600 nach Christus eine Niederlassung geistlichen Lebens befand, wieder Gebet und Arbeit den Rhythmus vorgaben. Geburtshilfe für Münsterschwarzach leisteten die Missionsbenediktiner aus der oberbayerischen Abtei Sankt Ottilien. Der Einsatz hat sich gelohnt: 163 Ordensleute zählt die Gemeinschaft heute, von denen 44 in Missionsklöstern leben.
Energiewende bereits vollzogen
Die Geschichte mönchischen Lebens mitten im fränkischen Weinland reicht ebenfalls länger zurück. Um 780 wurde Münsterschwarzach von Fastrada, der dritten Gattin Karls des Großen als Frauenkloster gegründet. Als 877 die letzte karolingische Äbtissin starb, zogen die Benediktiner ein, die 1803 wieder gehen mussten. Doch das ist Vergangenheit. Längst schauen die Ordensleute in die Zukunft. Vor gut zehn Jahren beschlossen sie die Energiewende, vor gut einem Jahr war das Ziel erreicht. Heute kommen mehr als 90 Prozent der Energie aus Wasserkraft, Windpark, Photovoltaik-Zellen, Biogas-Anlage und einer Holzhackschnitzelheizung.
Auch die Weltenburger haben sich nie unterkriegen lassen. Erst im Juni stand das Kloster im Mittelpunkt der Medien: Die Anlage hatte einmal mehr dem Hochwasser zu trotzen. Doch dieses Mal konnte Entwarnung gegeben werden. "Der Herrgott hat seine schützende Hand über uns gehalten", schrieb Abt Thomas Freihart am 5. Juni in einer Rundmail an Freunde und Unterstützer. Der neue Hochwasserschutz hatte seine erste "große Bewährungsprobe" bestanden - und einem Pegel von 7,15 Meter standgehalten.
Von Barbara Just und Christian Wölfel (KNA)