Suche
Neu bei "So gesehen"

Glaube in 70 Sekunden: Ein junger Kaplan geht bei Sat.1 auf Sendung

Dieser Inhalt ist nur erlaubt, wenn Sie Cookies vom Typ "readspeaker" zulassen.

Kaplan Benedikt Kellermann auf einer Brücke. Vor ihm steht ein Kamerateam.
Düsseldorf - Benedikt Kellermann ist das neue Gesicht beim TV-Format "So gesehen". Ein Interview über seine Herangehensweise – und seinen Weg zum Priesterberuf.

Ein junger Priester steht vor der Kamera und vermittelt Glauben in 70 Sekunden: Kaplan Benedikt Kellermann (35) moderiert seit kurzem das Verkündigungsformat "So gesehen" in Sat.1. Dabei will er auf persönliche Erfahrungen statt fertige Antworten setzen. Er erzählt, wie er seinen Weg zum Priesteramt gefunden hat, warum ihn einfache Fragen des Lebens beschäftigen und weshalb Kirche dort präsent sein sollte, wo Menschen ihre Zeit verbringen: in den Medien.

Frage: Herr Kellermann, Sie sind der neue Host der TV-Sendung "So gesehen" in Sat.1. Wie viel Anläufe hat es denn beim ersten Dreh gebraucht, bis die erste Folge saß?

Kellermann: Der Text war gar nicht das Problem, sondern sich daran zu gewöhnen, dass man nicht mit einem Menschen spricht, sondern in eine Kamera hinein. Den ersten Dreh hatten wir auf einer Brücke, dem Eisernen Steg in Frankfurt, und da sind natürlich ganz viele Passanten vorbeigekommen. Den ersten Take mussten wir etwa zehn bis 15 Mal machen, bis ich wusste, wie das funktioniert.

Frage: Wie sind Sie denn für das Format ausgesucht worden?

Kellermann: Die Produktionsfirma hatte sich bei mir gemeldet, weil mein Vorgänger, Pater Max Cappabianca, aufgehört hat und sie auf der Suche nach einem Nachfolger waren. Sie sind über Instagram zunächst auf einen Kollegen von mir aufmerksam geworden. Aber er hat aus Zeitgründen abgesagt und auf mich verwiesen. Anfangs war ich etwas kritisch, weil ich auch schon schlechte Erfahrungen mit Medien gemacht habe. Ich habe das dann ausführlich mit meinem Pfarrer besprochen. Er muss das ja auch genehmigen, dass ich dafür frei bekomme. Er war aber davon begeistert.

Ich habe mir dann gedacht: Ich habe mir das nicht ausgesucht, aber ich kann mir das gut vorstellen. Ich habe das ein bisschen als göttliche Fügung wahrgenommen, dass ich gefragt wurde. Videos aufzunehmen hat mir früher schon Spaß gemacht, als wir in der Corona-Zeit zusammen mit dem Kölner Weihbischof Ansgar Puff schon eine Social-Media-Aktion gemacht haben. Also habe ich gesagt: Ich probiere das jetzt einfach mal.

Beim ersten Dreh war ich noch ein wenig skeptisch, aber es hat super viel Spaß gemacht, auch wenn es anstrengend war und wir etwa von 10 bis 18 Uhr gedreht haben. Manchmal muss man einfach neue Sachen ausprobieren. Gerade auch in den Medien ist die Kirche nicht sehr präsent. Inwiefern ich da auch weiterhelfen kann, das ist eine Sache, die mich beschäftigt.

Benedikt Kellermann bei der Preisterweihe durch den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki.
2020 wurde Benedikt Kellermann durch den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki zum Priester geweiht.

Frage: Sie haben ja schon erzählt, dass Sie anfangs etwas skeptisch waren. Welche Gedanken gingen Ihnen denn noch durch den Kopf, als sie gefragt wurden, ob Sie dieses TV-Format übernehmen: Sorgen, Freude, Aufregung?

Kellermann: Aufregung war natürlich auch dabei, weil man sehr im Fokus steht. Sorgen eher weniger. Ich hatte vielmehr die Frage: Wie schaffe ich es, das alles gut unter einen Hut zu kriegen? Ich bin ja als Kaplan in Vollzeit in einer Gemeinde im Düsseldorfer Süden tätig und wenn ich an den Drehtagen weg bin, fehlt die Zeit natürlich dann an anderer Stelle. Aber natürlich gab es auch die Freude, etwas ganz Neues auszuprobieren und Leute zu erreichen, zu denen ich, glaube ich, sonst nie kommen würde.

Frage: Das Format ist recht kurz, nur eine gute Minute lang. Welche Botschaften wollen Sie den Zuschauerinnen und Zuschauern in dieser kurzen Zeit mit auf den Weg geben?

Kellermann: Wir sind gerade noch im Austausch darüber, wie wir die Themen finden. Es gibt ein paar Themen, die mich natürlich immer wieder beschäftigen in meinem eigenen Glaubensleben. Die Kirche ist ganz groß darin, einfache Sachen sehr komplex darzustellen. Aber in dieser Zeit muss man es ganz anders machen, finde ich. Ich habe nur eine Minute und zehn Sekunden Zeit und muss einen komplexen Sachverhalt möglichst einfach darstellen. Das ist auch die Challenge für mich, viele Sachen zu vereinfachen.

Mich beschäftigen auch ganz banale Themen wie Freundschaft oder Vertrauen: Wie funktioniert das eigentlich? Wie erlebe ich das? Was hat das auch mit Gott zu tun? Wie reagiere ich in schwierigen Situationen? Was hat mir geholfen? Was kann ich da weitergeben? Wie hilft mir da meine Gottesbeziehung? Das sind Themen, die für mich erstmal im Vordergrund stehen. Natürlich versuchen wir auch, aktuelle Themen aufzugreifen oder interessante Tage.

Wenn ich einen Text entwickle, ist immer eine zentrale Frage: Wo bin ich diesem Thema schon mal begegnet? Das ist mir auch in meinen Predigten immer wichtig. Ich versuche, nicht zu sagen: "Es ist so", sondern ich sage immer nur: "Ich habe das so erlebt", als Angebot für jemanden, dass er das auch so erleben oder wahrnehmen kann. Das finde ich lebensnäher und so ist es auch meine Erfahrung: Wenn mir Freunde etwas erzählen, wie sie es erlebt haben, dann kann ich das besser annehmen, als wenn sie sagen: So musst du es machen.

"Die Kirche ist ganz groß darin, einfache Sachen sehr komplex darzustellen. Aber in dieser Zeit muss man es ganz anders machen, finde ich."

Kaplan Benedikt Kellermann

Frage: Gab es denn bei Ihren ersten Drehs schon lustige Erlebnisse oder sogar Pannen?

Kellermann: Ja. In einer Folge ist die Szene, dass ich in einer Wohnung bin, einen Kaffee trinke und dann mit einem Rucksack nach draußen gehe, um in den Tag zu starten. Man sieht, dass ich in der Wohnung nur Socken anhabe. Und dann sollte ich beim Dreh aus der Wohnung hinausgehen. Erst am Ende ist mir aufgefallen, dass das gar keinen Sinn macht, dass ich in Socken und ohne Schuhe aus der Tür gehe.

Bei einem anderen Dreh zum Thema Zivilcourage mussten wir immer ganz schnell in eine Tram und wieder heraushüpfen. Das war auch lustig, weil ich fast überrannt wurde.

Frage: Die Sendung "So gesehen" ist ja eine sogenannte kirchliche Verkündigungssendung, sie wird im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz produziert. Inwiefern ist Verkündigung in den Medien wichtig aus Ihrer Sicht?

Kellermann: Ich habe mal von einem Freund einen Satz gehört, der mich sehr zum Nachdenken angeregt hat. Er hat gesagt: Wir müssen dort präsent sein, wo die Menschen sind. Auch wenn das viel in den Medien und Social Media ist. Man kann sich ja mal seine eigene Bildschirmzeit anschauen, wie viel Zeit man dort verbringt.

Dann sollte man vielleicht nicht direkt mit dem Wort Verkündigung um die Ecke kommen. Es klingt dann immer so: Ich sage, wie das Leben läuft. Ich glaube nicht, dass das der richtige Anspruch ist. Mit der Sendung "So gesehen" sind wir einfach in den Medien präsent und vielleicht merken die Leute: "Hey, die sind nicht von vorgestern." Natürlich weiß ich, dass mein großes Kapital ist, dass ich erst 35 Jahre alt bin. Das wirft bei vielen Menschen Fragen auf und ich kann darüber gut ins Gespräch kommen mit den Menschen. Wenn jemand die Sendung sieht und sagt: "Da ist ein junger Priester", dann öffnet das den Raum für vieles, was da noch folgen kann.

Frage: Haben Sie schon Rückmeldungen auf Ihre Sendungen erhalten?

Kellermann: Bisher nur von Familie und meinem Freundeskreis. Sie finden das sehr interessant. Meine Geschwister ziehen mich ein bisschen auf damit, aber sie sagen auch, dass ich das ganz gut mache. Meine Mutter hat mich schon darauf hingewiesen, dass ich meine Denkfalte zwischen den Augen abschalten muss. Sie hat gesagt, ich schaue immer so grimmig.

Frage: Neben Ihrer Arbeit haben Sie ein interessantes Hobby: Sie betreiben Crossfit. Wie kam es denn dazu?

Kellermann: Ich habe schon immer gern Sport gemacht. Mit sechs Jahren habe ich angefangen, Fußball zu spielen, mit etwa zwölf Jahren bin ich zu Basketball gewechselt. Auf meiner ersten Stelle in Köln habe ich auch noch zum Teil Basketball gespielt. Aber wie das eben so ist bei Priestern, wir haben oft Abendtermine und die meisten Leute treffen sich eben am Abend zum Basketballspielen. Deswegen habe ich etwas anderes gesucht und bin auf Crossfit gestoßen, über einen befreundeten Priester. Eine Zeit lang habe ich das sehr intensiv betrieben, etwa fünf bis sechs Mal die Woche. Jetzt habe ich nicht mehr so viel Zeit dafür, ich versuche es etwa vier Mal pro Woche.

Benedikt Kellermann in Wanderklamotten und mit Rucksack. Im Hintergrund ein See und Berge.
In seiner Freizeit ist Benedikt Kellermann gerne sportlich unterwegs.

Frage: Ist das ein guter Ausgleich für Sie?

Kellermann: Ja, zuerst einmal die körperliche Anstrengung, aber es hilft mir auch dabei, den Kopf abzuschalten. Der hört bei mir nie auf zu rattern. Wenn ich dann einfach stupide ein Gewicht von A nach B bewege, dann brauche ich meinen Kopf dafür nicht. Wenn ich das für eine Stunde mache, fühle ich mich wieder gut, das hilft mir.

Frage: Im Jahr 2020 sind Sie zum Priester geweiht worden. Wie haben Sie den Ruf dazu gespürt?

Kellermann: Ich bin in einer katholischen Familie groß geworden, ich habe einen Hintergrund im neokatechumenalen Weg. Als Jugendlicher gab es eine Zeit, in der ich in der Kirche war und eine Zeit, in der ich nicht in der Kirche war. Irgendwann hatte ich die Frage: Hat Gott einen Plan für mein Leben, der mich wirklich glücklich machen kann? Auf einer Pilgerfahrt habe ich die Erfahrung gemacht: Gott liebt mich einfach, ohne dass ich irgendetwas dafür tun muss. Das war für mich eine große Sache, denn in unserer Gesellschaft ist es einfach so: Wir müssen immer irgendetwas leisten, damit wir gemocht werden. Das war für mich sehr befreiend, diese Erfahrung. Aber dann musste Gott mich noch überzeugen, dass ich als Priester glücklich werden kann.

Ich habe immer gedacht: Ich brauche ein Haus, ich brauche eine Frau, ich brauche zwei Kinder, einen Garten und einen Porsche Panamera – und dann bin ich glücklich. Aber dann war ich auf Missionspraktikum in Brasilien und da hat mir Gott diese Frage beantwortet im Sinne von: Ja, ich kann dich auch als Priester glücklich machen. Auf dieses Versprechen habe ich mich eingelassen und habe darauf vertraut

Frage: Welche Momente machen Sie denn am glücklichsten als Priester?

Kellermann: Es gibt wirklich ab und an in der Messe, auch in der Wochentagsmesse, einen Moment, wenn ich die Wandlungsworte spreche, der mich wirklich bewegt. Ich kann das nicht erklären, ich weiß nicht warum. Was mich außerdem sehr froh macht, ist, wenn ich helfen kann, dass Menschen eine Gotteserfahrung haben. Wenn ich Leute über einen gewissen Zeitraum begleite und sie sagen, dass sie eine Gotteserfahrung gemacht haben, das finde ich immer am schönsten.

Hinweis

Das Format "So gesehen" läuft immer samstags um kurz vor 17 Uhr auf Sat.1. Abrufbar sind die Videos auch auf dem Instagram-Kanal @kirche_tv.

kna-katholisch-swarm-node3 (0.002s)