Glaube, Liebe, Kapital
Hier gab es für Nina Behlendorf und Nicolai Piechota 30 Minuten Zeit für den Beitrag "Glaube, Liebe, Kapital - Die katholische Kirche und ihre Finanzen" auf dem Sendeplatz "ZDFzoom". Wahrscheinlich ein eher zufälliges Zusammentreffen. Aber es zeigt: Das Thema interessiert spätestens seit den Baukapriolen des früheren Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst. Es ist, als habe er eine Lawine losgetreten. Ungezählt in den letzten zwölf Monaten die Beiträge in allen Medien zur finanziellen Situation der Kirche; bevorzugt ist die katholische Kirche Gegenstand von Berichterstattung, Analyse und Kommentierung.
Dabei werden im Grunde die immer gleichen Fakten beschrieben, so auch das als "investigative Recherche" angetretene Format ZDFzoom, das "hinter die Kulissen von Politik und Wirtschaft" blicken will. Das Problem bei der Betrachtung der Kirchenfinanzen: die Kirche selber versteht sich als Glaubens- und Dienstgemeinschaft, die in Teilen wirtschaftlich arbeitet und die zudem Steuern und Staatsleistungen einnimmt. Die Autoren betrachten gerade deswegen die Kirche als einen Konzern und können nicht nachvollziehen, dass etwa Bilanzen oder Haushaltspläne gar nicht oder nur zögerlich offengelegt werden.
Alle Beispiele beeindruckend - die wenigsten aber nachvollziehbar
Dabei ähneln sich in den verschiedenen Beiträgen sowohl die Beispiele als auch die Zeugen. Das Bischofshaus in Limburg wird auch hier zerpflückt, kann aber nun wirklich nicht mehr dazu dienen, daraus argumentative neue Funken zu schlagen. Nachvollziehbar wird es allerdings im Kontrast zu der Pfarrei in Frankfurt (im Bistum Limburg), die ihre Kirche nicht sanieren kann. Und auch bei der Restaurierung der Gemeinderäume müssen die Mitglieder zur Selbsthilfe greifen, weil die Zentrale seit fünf Jahren die Bezuschussung verweigert – mit der Erklärung "weil nicht absehbar ist, wie sich die Größe der Gemeine entwickelt".
Die angeführten Beispiele sind zunächst beeindruckend: Kirchensteuereinzug durch den Staat und Immobilienkauf beim Kölner Dom. Aber was ist falsch daran, dass der Staat gegen einen dreistelligen Millionenbetrag für die Kirchen die Kirchensteuer einzieht? Vielleicht spart sie dadurch Geld, das sie an anderer Stelle einsetzen kann? Und wenn das Erzbistum Köln bei einem Immobiliengeschäft die bestehende Gesetzeslage nutzt, um Grunderwerbssteuer zu sparen: Wäre da nicht die Frage angebracht, was mit den gesparten zwei Millionen Euro geschehen ist? Schließlich wolle die Kirche Geld einsetzen, um Gutes zu tun, heißt es an anderer Stelle des Beitrags.
Zum wiederholten Mal wird auf die Staatsleistungen verwiesen, deren Ursprung im 19. Jahrhundert liegen. Eine Diskussion auf politischer Ebene ist dringend notwendig, weil dies kaum noch zu vermitteln ist, selbst wenn es Gesetzeskraft hat. Aufgabe eines Fernsehbeitrags zu den Kirchenfinanzen könnte doch sein, bei den Parteien in Berlin nachzufragen, wie sie sich dazu stellen und welche Lösungsmöglichkeiten sie sehen. Stattdessen wird erneut auf dieses Überbleibsel des Reichdeputationshauptschlusses von 1803 verwiesen. Und das mit einem Unterton, als handle es sich um etwas Unanständiges und nicht um geltendes Recht.
Bischofskonferenz sagt mehr Transparenz zu
So konnte diese zoom-Recherche nichts wirklich Neues hervorbringen. Denn der Umstand, dass nur 16 der 27 Bistümer ihre Vermögensverhältnisse, vor allem der Schattenetats der sogenannten Bischöflichen Stühle, offenlegen, kann nicht wirklich überraschen. Zu lange lebten die Verantwortlichen in dem Glauben, sie hätten ein gutes Recht, hier Transparenz zu verweigern. Der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, Pater Hans Langendörfer, sprach von einem Plan, dass diese Transparenz in zwei Jahren erreicht werde. Immerhin.
Die katholische Kirche in Deutschland hat Glaubwürdigkeit verloren, nicht zuletzt durch die Limburger Ereignisse. Fast 180.000 Austritte allein im vergangenen Jahr sind eine Abstimmung mit den Füßen. Und auch ein Einnahmeverlust. Die Kirche sagt, Vertrauen solle zurückgewonnen werden. Bei einem TV-Beitrag könnte das gelingen, indem sie kompetente Gesprächspartner zur Verfügung stellt, die das komplexe Thema erklären können.
Von Martin Thull