Glaube, Mission und gute Bücher
Es gelte, die Christen zu einer Wiederentdeckung des "missionarischen Geistes" des Bonifatius anzuhalten, sagt der Bischof. Er wünscht sich, Menschen durch die Botschaft Jesu so befreien zu können, dass sie wirklich einsähen: "Dieser Glaube ist der einzige Halt, ist die einzige Stütze." Für Algermissen steht fest, dass sich Reformen in der Kirche nicht nach dem Zeitgeist richten dürfen. Reformen hin zu einer "heiligen" Kirche könnten nur gelingen, wenn jeder einzelne Katholik seinen Glauben intensiver lebe.
"Erschrecken und Entsetzen" löste beim Fuldaer Bischof der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche aus. Auch in seinem Bistum gab es Missbrauchsfälle. Was dabei an Abgründen ans Licht gekommen sei, rufe in ihm Ekel und Abscheu hervor, so Algermissen. Die Kirche müsse alles in ihrer Macht Stehende tun, damit künftig Kinder und Jugendliche besser geschützt würden.
Nie nach Ämtern gestrebt
Algermissen, 1943 in Hermeskeil bei Trier geboren, wurde nach einem Theologie- und Philosophiestudium 1969 zum Priester und 1996 zum Bischof geweiht. Er war Paderborner Weihbischof, bevor er Bischof von Fulda wurde. Algermissen versichert, nie habe er seine Hand nach Ämtern ausgestreckt, sie seien immer zu ihm gekommen. Und es sind neben dem Fuldaer Bischofsamt einige weitere Aufgaben auf ihn zugekommen: Präsident der deutschen Sektion der katholischen Friedensbewegung Pax Christi ist Algermissen beispielsweise, auch stellvertretender Vorsitzender der Ökumene-Kommission der Bischofskonferenz.
Nach eigener Aussage ist für Algermissen das ökumenische Gespräch von großer Bedeutung. Er plädiert für eine "geistliche Ökumene" des Gebets und der Hoffnung. Ein wesentlicher Schritt zur Versöhnung und Gemeinschaft der Christen sei dann getan, wenn jeder einzelne Christ die Spaltung der Kirche als eine schmerzliche Wunde empfinde. Besorgt äußert sich der Bischof darüber, dass sich die katholische und die evangelische Kirche in manchen bioethischen Fragen weit voneinander entfernt hätten. Das schwäche das Zeugnis der Christen und mache es politisch zunehmend bedeutungslos.
Der das sagt, meldet sich selbst immer wieder entschieden zu Wort, wo es um den Schutz menschlichen Lebens geht, gerade auch an dessen Anfang und an dessen Ende. Es dürfe keine Abstufung beim Schutz menschlichen embryonalen Lebens geben, so der Bischof. Wer den Schutz des Lebens an seinem Anfang unter Konditionen stelle, der tue das auch am Ende des Lebens. Und wer menschliches Leben an seinem Anfang und an seinem Ende nur graduell schütze, der werde dies auch in extremen Situationen in der Spanne des Lebens zwischen Zeugung und Tod tun, warnt Algermissen.
Kein Leben ohne Bücher
Für eine seiner größten Stärken hält er es, zuhören zu können, "bei allem Temperament, das ich sicher habe". Und die größte Schwäche? "Dass ich kein sehr geduldiger Mensch bin in Arbeitsprozessen." Aber natürlich müsse man schon auch Geduld haben im Bischofsamt. "Sonst geht es gar nicht." Was er besonders verabscheue? Heimtücke und Lüge, sagt Algermissen, und "eine Art Denunziantentum, das mitunter auch in der Kirche anzutreffen ist".
Freizeit? Ein Hobby? Algermissen mag klassische Musik, und vor allem mag er Bücher. Ein Leben ohne Bücher, sagt er, könne er sich nicht vorstellen. Beileibe nicht nur Theologisches. Es fallen Namen: Hilde Domin, Camus, Max Frisch, Tucholsky, Sartre, Dostojewski, Dürrenmatt... "Gute Bücher, gute Worte", sagt Algermissen, "und dazu dann, auch wenn das heute schon etwas anrüchig ist, eine gute qualmende Pfeife."
Von Peter de Groot (KNA)