Grund zur Freude
Alkohol
Rückblick, vergangener Dienstag: Mein Eintrag für unseren Fasten-Blog für den folgenden Tag war bereits verfasst. Überschwänglich beschrieb ich darin, dass ich all den Versuchungen in den unterschiedlichsten Situationen bisher widerstanden habe. Und dass es mir auch gar nichts ausmacht, auf Alkohol zu verzichten. Das war aber nur die halbe Wahrheit, wie mir noch am selben Abend bewusst werden sollte.
Denn ich habe den heiligen Patrick von Irland vergessen, dessen Gedenktag an diesem Tag begangen wurde. Ich habe vergessen, dass ich ihn mitbegehen würde – in einem netten irischen Pub. Und schließlich habe ich auch vergessen, dass ich das mit Freunden tue, die ich aufgrund zahlreicher anderer Verpflichtungen nur selten sehe.
Und da wurde mir klar, dass ich die Frage, worauf ich mich am meisten freue, wenn die Fastenzeit vorbei ist, nicht mit einer bestimmten Sorte Bier oder Wein beantworten kann (Was nicht heißt, dass ich da keine Favoriten hätte). Ich muss sie eher damit beantworten, dass das "wann", das "wo" und vor allem das "mit wem" ausschlaggebend ist. Ja, ich freue mich auf ein Glas Bier, wenn die Fastenzeit vorbei ist – in netter Runde, mit netten Leuten.
Süßigkeiten
Es gibt da diese eine Schokoladensorte – die liebe ich. Sie ist pro Stück mit einer Haselnuss und Toffeecreme gefühlt. Lecker! Ja, auf diese Schokolade freue ich mich, wenn nächste Woche Sonntag die Fastenzeit endet.
Oh, dann gibt es ja auch Kuchen! Ein selbstgebackenes Osterlamm auf dem Frühstückstisch. Das wird herrlich! Und in einem hübschen Körbchen werden allerlei Süßigkeiten liegen, bunt gemischt und eines leckerer als das andere. Und dann wird meine Mutter bestimmt auf jeden Frühstücksteller ein kleines Schoko-Osterei legen, wie jedes Jahr.
Moment. Habe ich denn gar nichts gelernt? Freue ich mich wirklich so sehr darauf, wieder Süßigkeiten zu essen, dass ich alles, was mir in den vergangenen Woche so bewusst geworden ist, wieder vergesse? Nein. Ich habe gemerkt, dass Süßigkeiten gar nicht so wichtig sind, wie ich dachte. Dass ich auch ziemlich gut ohne sie auskomme, auch wenn es sicher schwierige Situationen gibt. Ich habe gemerkt, dass es Wichtigeres gibt, als dass ich zu meiner Schokoladenration komme. Zum Beispiel ein gutes Gespräch mit Freunden. Oder ein tolles Frühstück mit der Familie. Wenn da dann Schokolade und Kuchen auf dem Tisch stehen, freue ich mich natürlich. Aber dass ich das mit anderen zusammen genieße, ist dann doch wichtiger.
Fleisch
Die Frage, worauf ich mich nach der Fastenzeit am meisten freue, ist einfach zu beantworten: Die Feier der Osternacht! Ja, es ist die wichtigste Nacht des Kirchenjahres und ja, diese drei Tage vor Ostern haben auch eine große spirituelle Bedeutung. Aber am Ende ist es ganz profan die große Gemeinde-Fete nach der Ostermette, die in mir jedes Jahr wieder die Vorfreude wachsen lässt.
Dass ich in dieser Nacht dann auch mit einem einfachen, aber so lange ersehnten Wurstbrot mein Fasten breche, ist dann gar nicht mehr so wichtig; der große Fleisch-Genuss folgt in Ruhe an den Feiertagen danach. Viel wichtiger ist, dass ich das Fasten im Kreis meiner Freunde breche.
Kein anderer Festtag im Jahr ist in meiner Heimatpfarrei so sehr ein Fest der Gemeinde wie die Osternacht. Da spürt man richtig, wie unbeschwert die Leute gerade nach den düstren Kartagen feiern. Da herrscht eine ausgelassene Stimmung über alle Generationen hinweg.
Vergangenes Jahr haben wir bis zum nächsten Vormittag gefeiert: Zwei meiner besten Freunde hatten sich in der Osternacht verlobt. Mit der Erinnerung an diese rauschende Nacht werde ich mich jedes Jahr aufs Neue auf die Nacht des Karsamstags freuen. Denn ich weiß: Nach der Auferstehung ist einfach alles möglich. Und: Es gibt endlich wieder Wurstbrot.