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Bischof Wiesemann über die Lehren der Kirche aus der Krise

"Grundlegender Haltungswechsel" nach Skandalen

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Bischof Karl-Heinz Wiesemann.
Speyer - Für den Speyrer Bischof Karl-Heinz Wiesemann haben der sexuelle Missbrauch und die Baukosten des Limburger Bischofshauses eine andere Haltung in der Kirche angestoßen. Eine wichtige Rolle spielten dabei die Medien.

Dort sprach er mit ZDF-Chefredakteur Peter Frey über das Verhältnis von Kirche und Medien. Eine Konsequenz der Skandale sei eine heute deutlich höhere Transparenz beim Umgang mit Geld. Den Bischöfen sei bewusst geworden, wie wichtig beim Thema Finanzen Öffentlichkeit sei. Dies wertete Wiesemann als "Lernerfolg". Er wandte sich entschieden gegen "eine Hermeneutik des Misstrauens" zwischen Kirche und Medien.

Frey, der auch Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) ist, bezeichnete die Berichterstattung über Religionen und Glaubensfragen als besonders sensibel. Man müsse zur Kenntnis nehmen, dass sich Menschen bei kritischer Berichterstattung im Kern ihres Menschseins verletzt fühlen könnten. Frey räumte ein, dass häufig eigene Erfahrungen mit Glauben und Kirche die Berichterstattung über Religion prägten. Allerdings sollten Journalisten "Berichterstatter und keine Akteure" sein.

Frey: Kirchen sollen ihre Institution besser erklären

Insgesamt haben Christen nach Freys Einschätzung keinen Grund, über die Präsenz der Kirchen in den Medien zu klagen. Als Beispiele nannte er Texte der vergangenen Tage etwa im "Spiegel", der "Süddeutschen Zeitung" oder der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Frey ermunterte die Kirchen, Berichterstattern zu erklären, was die Institution ausmache. Es gelte, Journalisten "zu qualifizieren". Dazu reichten aber Pressekonferenzen oder Pressemitteilungen nicht aus. Allerdings seien "Journalisten nicht zum Kuscheln in der Welt". Sie richteten ihren Blick mehr auf Missstände als auf das, was funktioniere.

Der ZDF-Chefredakteur nimmt die katholische Kirche derzeit "eher defensiv" wahr. Sie dürfe aber nicht den Weg "ins selbst gewählte Ghetto" gehen. Nur wenige verträten ihre Position "mit Mut zum offenen Visier". Nach seiner Einschätzung müssen Kirchenvertreter mehr in Talkshows gehen; "das gehört zum Geschäft". Allerdings sei nicht notwendig, dass dort Bischöfe aufträten. Die Kirche habe "viele fachkundige Laien, auch Frauen". Es gelte, Fachleute zu identifizieren, die man für bestimmte Themen "ins Rennen schicken" könne. (KNA)

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