Hamburger Alterzbischof Thissen würdigt verstorbenen Uwe Seeler
Der Hamburger Alterzbischof Werner Thissen hat die verstorbene Fußballlegende Uwe Seeler gewürdigt. Er habe das Idol des Hamburger SV, der am Donnerstag im Alter von 85 Jahren in Norderstedt gestorben war, als "nachdenklich, gradlinig, nicht nur an sich selbst denkend, offen und ehrlich" erlebt, sagte Thissen am Freitag in Hamburg. Seeler sei ein Mensch gewesen, der selbst beim Ansturm auf seine Autogramme und bei Lobeshymnen in den Medien nicht abgehoben sei, sondern auf dem Teppich geblieben sei "wie ein guter Kamerad". Zugleich habe Seeler gewusst, was er wollte und habe dafür vollen Einsatz gezeigt – "auf dem Fußballplatz und weit darüber hinaus". Er sei sich sicher, so Thissen, dass Gott dem Verstorbenen "jetzt nicht die Rote Karte zeigt".
Thissen betonte, dass er seit der Todesnachricht, "voller Dankbarkeit" an Uwe Seeler denke, "auch in Gebet und Gottesdienst". Der Fußballer habe ihm einmal gesagt, dass er zwar kein großer Kirchgänger sei, er aber versuche, zu helfen, wo er helfen könne. "Und dann haben wir uns ausgetauscht über Werte, vor allem im Sport, über Teamgeist und Fairness. Ich spürte, wie sehr ihm das ein Anliegen ist", so der Alterzbischof.
Gespräche über die "Hand Gottes" und das "Wembley-Tor"
Er berichtete weiter, dass er Seeler immer wieder getroffen und dabei mit ihm viel über Fußball gesprochen habe. Unter anderem habe er den Ehrenspielführer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft einmal nach der "Hand Gottes" gefragt – dem berühmten Tor des argentinischen Fußballers Diego Maradona im Viertelfinale bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1986 in Mexiko. Maradona hatte das von ihm irregulär per Hand erzielte Tor nach dem Spiel damit gerechtfertigt, dass dabei die Hand Gottes im Spiel gewesen sei. Seeler dagegen habe ihm gesagt, dass er selbst zugegeben hätte, wenn er ein Tor per Hand erzielt hätte, so Thissen. Gleichwohl habe der Fußballer betont, dass man im Leben aber manchmal spüre, "dass noch ein anderer seine Hand im Spiel hat".
Auch über das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft 1966 in England und das berühmte "Wembley-Tor" des englischen Nationalspielers Geoff Hurst zum zwischenzeitlichen 3:2 für England habe er mit Seeler gesprochen, so Thissen. Für den Fußballer, der damals als Kapitän der deutschen Mannschaft selbst auf dem Feld stand, sei ganz klar gewesen, dass es kein Tor gewesen sei. "Auch wenn er über die Fehlentscheidung des Schiedsrichters jetzt noch schimpft, meint er, es war bitter, aber wir haben es mit Anstand getragen. So gehört es sich im Sport: Gewinnen wollen, aber verlieren können", so der Alterzbischof rückblickend. (stz)