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Evangelischer Theologe wirft EKD "revolutionären Bruch" im Familienbild vor

"Heillose Verwirrung"

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Ein Scherenschnitt einer Familie
Frankfurt - Als "revolutionären Bruch in der Kontinuität evangelischer Lehre und gemeinchristlicher Überzeugungen" wertet der evangelische Theologe Hartmut Löwe die Orientierungshilfe des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zum Thema Familie. Der Text biete keine Orientierung, sondern sorge eher für eine heillose Verwirrung.

Ebenso markiere das Papier einen radikalen Bruch mit der in der Christenheit bislang gültigen Lehre von Ehe und Familie, erklärte der frühere Bevollmächtigte der EKD bei der Bundesrepublik Deutschland und der EU und ehemalige evangelische Militärbischof in einem Beitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Freitag).

Alle früheren Veröffentlichungen seien von Ehe und Familie als Leitbildern ausgegangen; in dem Dokument werde die Familie aber aus ihrem Zusammenhang mit der Ehe gelöst und unbegrenzt auf unterschiedliche "Gesellungsformen" ausgeweitet, in der verschiedene Generationen zusammenlebten, so Löwe in seinem Gastbeitrag. Es sei "abenteuerlich", diesen "Gleichheitsfuror" mit dem Alten und Neuen Testament zu begründen.

In der Orientierungshilfe formuliert die EKD unter anderem ein neues Verständnis von Familie, das sich nicht auf die Ehe von Mann und Frau beschränkt, sondern Familie als "generationenübergreifenden Lebensraum" versteht.

Schneider weist Kritik zurück

"Unterschiedliches muss heilsam unterschieden und darf nicht heillos vermischt werden", schreibt Löwe. Dabei müsse das Wohl des Kindes oberstes Gebot haben, nicht die Autonomie von Vater oder Mutter. Es bleibe unbegreiflich, wie der Rat der EKD von allen seinen früheren Äußerungen zu Ehe, Familie und Homosexualität abweiche, "ohne auch nur einen einzigen diskutablen theologischen Grund anzugeben".

Zuvor hatte der EKD-Vorsitzende Nikolaus Schneider die Kritik an der Orientierungshilfe zurückgewiesen. Die "traditionelle lebenslange Ehe und Familie" bleibe das Leitbild der evangelischen Kirche, "aber nicht mehr die einzige Form, die auf den Segen Gottes hoffen kann", sagte er am Donnerstagabend in Berlin beim traditionellen Johannisempfang der EKD.

Unterschiedliches muss heilsam unterschieden und darf nicht heillos vermischt werden.

Hartmut Löwe

"Wir haben daher bewusst eine Ausweitung und einen Wechsel der Perspektive vorgenommen, aber keinen Kurswechsel", fügte Schneider hinzu. Er freue sich über die "rege Diskussion", die der Text "in allen Bereichen der Öffentlichkeit ausgelöst hat".

Kritik von katholischer Seite

Das Papier war auf heftige Kritik sowohl innerhalb der evangelischen Kirche als auch von katholischer Seite und säkularer Medien gestoßen. Gegenüber katholisch.de hatte beispielsweise Dorothea Sattler, katholische Theologin und Direktorin des Ökumenischen Instituts an der Universität Münster, das Dokument als "Belastung" für die ökumenischen Beziehungen bezeichnet.

Der Limburger Bischof und Vorsitzende der Familienkommission der Deutschen Bischofskonferenz, Franz-Peter Tebartz-van Elst, hatte zuvor der evangelischen Kirche eine "Relativierung" der lebenslangen Ehe vorgeworfen. (meu/KNA)

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