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Zum Abschluss der EKD-Synode in Bonn

"Ich habe erlebt, dass Priester zum Abendmahl gehen"

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Nachaufnahme von Hostien in einem Korb und Hände, in denen eine Hostie liegt.
Bonn - Katholisches Desinteresse am Reformationsjubiläum? Klaus Eberl, Vizepräses der EKD-Synode spricht mit katholisch.de über Ökumene an der Basis und "Schnuppermitgliedschaften" bei der Kirche.

Frage: Herr Eberl, während der Synode wurde von einer Delegierten der Vorwurf erhoben, die katholische Basis habe sich nicht hinreichend für ein ökumenisches Reformationsjubiläum engagiert. Wie war das Stimmungsbild insgesamt?

Eberl: Positiv war, dass das Jubiläum ein Christus-Fest war, das wir ökumenisch begangen haben, etwa mit dem ökumenischen Gottesdienst in Hildesheim und anderen zentralen Veranstaltungen. Natürlich soll das auch Folgen für die Gemeindeebene haben. Ein vom Präsidium beauftragter Scout für das Reformationsjubiläum hat in der Tat berichtet, dass das Gelingen der Ökumene in der Leitungsebene nicht immer auf die Gemeindeebene durchgeschlagen sei. Sie hat das so erlebt. Es gibt aber auch Fälle, in denen es genau andersherum ist: Gemeinden, die miteinander eine ökumenische Praxis haben, die nicht durch den Stand der Vereinbarungen gedeckt sind. So wird etwa in einigen Gemeinden die eucharistische Gastfreundschaft praktiziert, Katholiken gehen zum Abendmahl und Protestanten zur Eucharistie. Ich habe auch schon erlebt, dass Priester am Abendmahl teilnehmen und evangelische Pfarrer zur Kommunion gehen.

Frage: Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hat sich darüber beklagt, dass im ökumenischen Dialog immer nur erwartet werde, dass sich die katholische Kirche auf die evangelische Position zubewege. Müsste die evangelische Kirche nicht auch der katholischen Position entgegenkommen?

Eberl: Ich habe vom verstorbenen Aachener Bischof Klaus Hemmerle gelernt, dass der Kompromiss oft kein Fortschritt ist. Ein Fortschritt ist der Konsens. Der Unterschied zwischen Kompromiss und Konsens ist der, dass beim Kompromiss oft beide Seiten nicht ganz zufrieden sind. Der Kompromiss hat manchmal etwas Halbherziges. Beim Konsens geht es hingegen geht es um kreative Lösungen, um etwas Drittes, das wir vielleicht noch gar nicht kennen. Bezogen auf die Ökumene bedeutet das: Wir suchen miteinander nach einer christusgemäßen Gestalt der Kirche. Vielleicht ist das, was die beiden Kirchen am meisten verbindet, die Tatsache, dass sie als Teil der Welt genau diesem Anspruch noch nicht entsprechen. Der biblische Leitvers der Synode war deshalb "Es ist noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden." (1.Joh 3,2) Darüber hinaus wissen wir: Die zentralen Unterschiede, die bestehen, liegen im Amtsverständnis. Und daraus folgen dann die Unterschiede im Kirchenverständnis. An diesen Fragen werden wir in Zukunft arbeiten.

Klaus Eberl ist Vizepräses der EKD-Synode
Klaus Eberl ist Vizepräses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Frage: Für großes Aufsehen hat ein Vortrag auf der Synode gesorgt, in dem es hieß, die Gottesdienste seien zu lang, eine Stunde sei das höchste der Gefühle… Müssen sich die evangelischen Pfarrer künftig mehr am Riemen reißen?

Eberl: Ich glaube, dass die Länge des Gottesdienstes nicht entscheidend ist. Mich haben auch schon Gottesdienste in den Bann gezogen, die zwei und mehr Stunden gedauert haben - und kurze haben mich gelangweilt. Die Länge des Gottesdienstes ist sicher kein Kriterium für Qualität. Hier sehe ich derzeit auch keinen Diskussionsbedarf. Denn ein durchschnittlicher Gemeindegottesdienst dauert heute ohnehin ca. 60 Minuten.

Frage: Eine Forderung war auch, die Gottesdienste müssten besser werden. Wie geht das? 

Eberl: Darüber haben wir nicht im Detail gesprochen. Aus meiner persönlichen Sicht können wir hier von der angelsächsischen Tradition lernen. Predigt ist keine "Lese", sondern ein lebendiger Dialog mit dem biblischen Text und der Gemeinde, eine Vergegenwärtigung. Da hilft das Papier, das man vor sich liegen hat, oft wenig. Wir haben die Kultur der freien Rede zu wenig entwickelt, vielleicht auch aus Angst, etwas Falsches zu sagen. Ein bekannter Professor für Predigtlehre hat mal gesagt: "Der Prediger muss wenigstens an einer Stelle seiner Predigt sein Leben riskieren." Das hat sich mir tief eingeprägt. Der Austausch von Allgemeinheiten, die nichts mit dem Leben der Menschen zu haben, ist überflüssig. Die Menschen wollen wissen: Was hilft mir zum guten Leben? Was tröstet mich? Was gibt mir Halt im Leben? Ob Gott schließlich selbst im Wort irrtumsfähiger Menschen die Stimme erhebt, ist das Unverfügbare, das im Gottesdienst passiert - unabhängig davon ob er einer evangelischen oder katholischen Liturgie folgt.

Mir ging es darum, auf den theologischen Unterschied zwischen Gliedschaft und Mitgliedschaft hinzuweisen.

Klaus Eberl

Frage: Sie haben eine gestufte Mitgliedschaft in der Kirche ins Gespräch gebracht. Gibt es bald die Schnuppermitgliedschaft für zwei Monate zur Probe? 

Eberl: Darauf hat sich die Presse ein bisschen gestürzt. So habe ich das aber gar nicht gemeint. Mir ging es darum, auf den theologischen Unterschied zwischen Gliedschaft und Mitgliedschaft hinzuweisen. Wir müssen uns fragen, wie wir mit den Mensch umgehen, die zwar getauft sind, aber nicht mehr Mitglied der Kirche sind. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Menschen, die sich für Kirche interessieren, die aber weder getauft sind, noch Religionsunterricht hatten. Besonders im Osten der Republik. Hier wollen wir Beteiligungsformen finden, die es Menschen ermöglichen, mit der Kirche überhaupt in Kontakt zu treten. Um die rechtliche Frage einer Mitgliedschaft geht es hierbei überhaupt nicht, ebenso wenig um eine Kirchenmitgliedschaft light.

Frage: Die EKD-Synode will einen höheren Frauenanteil in kirchlichen Führungspositionen. Bislang sind nur 21 Prozent der Positionen in der mittleren Führungsebene mit Frauen besetzt, das sind fast katholische Verhältnisse. Die EKD-Synode will das ändern. Warum sind Frauen auch in der evangelischen Kirche immer noch unterrepräsentiert?

Eberl:  Wir achten schon darauf, dass Frauen in Führungspositionen kommen. Eine Frauenquote haben wir jedoch nicht. Die spannendere Frage, die wir hier diskutiert haben, ist allerdings die Frauenordination. Die Synode hat herausgestellt, dass die Frauenordination ein protestantisches Essential ist. Das war sie zwar im Grundsatz auch schon vorher, aber es ist in Bonn nochmal ausdrücklich betont worden. Denn wir müssen hier ja auch bescheiden sein. Die Frauenordination gab es ja auch in der evangelischen Kirche nicht schon immer. Sie ist in den EKD-Gliedkirchen erst nach dem Krieg eingeführt worden, in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Bayern erst 1975 und in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Schaumburg-Lippe zuletzt 1991. Und es dauert eben mindestens zwei Jahrzehnte, bis Frauen in Führungspositionen aufsteigen. In den baltischen Staaten ist die Frauenordination sogar wieder abgeschafft worden. Das bedauern wir sehr.

Linktipp: Wenn Protestanten mit dem Papst zur Krippe pilgern

Auf der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland hatte die Basis das Wort: Und dort gab es Kritik an einem mangelnden Entgegenkommen der Katholiken im Reformationsjahr.

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