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Tobias Przytarski über seine neuen Aufgaben als Diözesanadministrator

"Ich wünsche mir eine kurze Amtszeit"

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Berlin - Seit dieser Woche ist Tobias Przytarski Diözesanadministrator von Berlin. Der ehemalige Generalvikar des Erzbistums - das Amt erlischt mit Weggang des Erzbischofs - ist nun verantwortlich für rund 400.000 Katholiken. Im Interview mit katholisch.de spricht er über einen "katholischen Bundeskanzler", wie es mit dem Umbau der St. Hedwigskathedrale weitergeht und wann Berlin einen neuen Erzbischof bekommt.

Frage: Herr Prälat Przytarski, seit Sonntag ist das Erzbistum Berlin ohne Erzbischof. Haben Sie sich schon daran gewöhnt?

Przytarski: So schade wie es ist, dass Kardinal Woelki überhaupt gegangen ist, so hatten wir von seiner Ernennung im Juli bis zur Amtseinführung am vergangenen Samstag genügend Zeit uns vorzubereiten. Was wir tun konnten haben wir auch getan, damit dieser Übergang in die Sedisvakanz gut funktioniert. Aber an ein Bistum ohne Bischof will ich mich nicht gewöhnen.

Frage: Wie lange wird es dauern, bis Berlin wieder einen Erzbischof hat?

Przytarski: Ich wünsche mir eine kurze Amtszeit als Diözesanadministrator. Ich weiß, dass wir nicht das einzige oder das wichtigste Bistum auf der Welt sind. Aber ich glaube, dass man auch in Rom wahrgenommen hat, dass wir in einer ziemlich schwierigen Phase unseren Erzbischof verloren haben. Deshalb hoffe ich, dass wir im Domkapitel schon bald einen neuen Erzbischof wählen dürfen.

Frage: Inwiefern ist das Erzbistum in einer "schwierigen Phase"?

Przytarski: Schwierig insofern wir nicht mit dem Weggang von Kardinal Woelki gerechnet oder geplant hatten. Nach nur drei Jahren ist manches, was er angestoßen hat, noch relativ am Anfang. Ich nenne nur den Prozess "Wo Glauben Raum gewinnt", ein geistlicher Aufbruch, der die pastorale Neuordnung der ganzen Diözese bedeutet. Das ist nie allein Kardinal Woelkis Projekt gewesen, aber er war das Gesicht. Insofern ist es schade, dass er gegangen ist. Vielleicht ist es aber auch eine Chance. Durch die Vakanz kommt in den Blick, dass schon jetzt viele auf diesem Weg unterwegs sind. Wir können erfahren: Kardinal Woelki hat einen richtigen Weg eingeschlagen, aber es ist nicht nur sein Weg, es ist der Weg des Erzbistums!

Frage: Was sind jetzt ihre Aufgaben als Diözesanadministrator?

Przytarski: Der Diözesanadministrator darf die eingeschlagenen Wege nicht verlassen. Er muss dafür sorgen, dass es weitergeht, dass nichts stoppt oder gar zusammenbricht. Er kann keine Grundsatzentscheidungen treffen. Er darf auch keine grundsätzlichen Veränderungen vornehmen. Das, was in der Amtszeit von Kardinal Woelki angelegt wurde, wird von mir weitergeführt, bis ich es hoffentlich bald einem neuen Erzbischof übergeben kann.

Frage: Die Neugestaltung der St. Hedwigs-Kathedrale ist ein solcher Weg, den Kardinal Woelki eingeschlagen hat. Werden Sie den Weg weitergehen?

Przytarski: Der Wettbewerb ist abgeschlossen, der Siegerentwurf liegt vor. Aber eine Entscheidung zum Baubeginn wurde nicht gefällt. Als Diözesanadministrator werde ich alles für eine Entscheidung durch den neuen Erzbischof vorbereiten. Dazu gehören auch Vorbereitungen von Anträgen bei Behörden, Gestaltung von Vertragsentwürfen und anderes.

Frage: In den vergangenen Wochen war zu lesen, der neue Berliner Erzbischof müsste so etwas werden wie ein "katholischer Bundeskanzler". Was halten Sie davon?

Przytarski: Das ist Unsinn. So ist die Kirche nicht aufgebaut. Es ist aber richtig, dass viele Entwicklungen in Berlin beginnen, die später auch an anderen Orten eine Rolle spielen. Berlin, das bedeutet auch die größte Zusammenballung von Politik, Wissenschaft, Kultur und Medien. In diesen Bereichen muss Kirche sich auch zu Wort melden. Hier muss es Begegnungen auf Augenhöhe geben. Darum ist es wichtig, dass in Berlin wieder ein guter Mann auf dem Stuhl des Erzbischofs sitzt, der das eben auch kann.

Frage: Mit Blick auf das politische Berlin wird immer öfter auch ein Umzug der Deutschen Bischofskonferenz von Bonn nach Berlin diskutiert.

Przytarski: Mit Blick auf Politik, aber auch Wissenschaft, Kultur und Medien ist eine starke Präsenz der katholischen Kirche in Berlin ganz sicher wichtig. Aber das Erzbistum Berlin allein ist eine Diaspora-Diözese mit begrenzten Ressourcen und Möglichkeiten. Insofern hoffen wir auf Unterstützung von Seiten der Deutschen Bischofskonferenz. Es ist ja ein sehr ermutigendes Anzeichen, dass jetzt eine Arbeitsgruppe gegründet worden ist, die sich Gedanken darüber macht und Projekte entwickelt, wie die katholische Kirche besser in der deutschen Hauptstadt vertreten sein kann. Da sind wir auf einem guten Weg.

Frage: Noch mal zur Frage vom Anfang: Rechnen Sie eher zu Weihnachten oder zu Ostern mit einem neuen Erzbischof?

Przytarski: Wenn wir schon zu Weihnachten einen neuen Erzbischof hätten, wäre das besser als erst zu Ostern. Aber das dürfte utopisch sein. Das Berliner Domkapitel jedenfalls wird sich beeilen und seine Vorschläge schon sehr bald nach Rom schicken. Wir wollen uns nicht vorwerfen lassen, wir hätten das in Berlin vertrödelt. Und dann hoffen wir, dass Rom auch bald mit einer Dreierliste antwortet.

Das Interview führte Markus Kremser

Stichwort: Erzbistum Berlin

Das Erzbistum Berlin umfasst das Land Berlin, den größten Teil Brandenburgs sowie Vorpommern und einen kleinen Teil Sachsen-Anhalts. In seinen derzeit 105 Kirchengemeinden leben über 400.000 Katholiken, davon rund 325.000 in Berlin. Während die Zahl der Katholiken im Raum der Bundeshauptstadt wächst, geht sie in den ländlichen Gebieten zurück. In seiner jetzigen Form wurde das Erzbistum 1994 errichtet. An seiner Spitze stand seit 2011 Erzbischof Rainer Maria Woelki, den Papst Benedikt XVI. 2012 zum Kardinal erhob und der seit September 2014 Erzbischof von Köln ist. Die historischen Wurzeln der Erzdiözese reichen bis ins 10. Jahrhundert. Die alten Bistümer Brandenburg, Havelberg, Kammin und Lebus gingen während der Reformation unter; erst im 18. Jahrhundert gab es wieder eine nennenswerte katholische Minderheit in der Region. Seit 1821 bestand eine "Fürstbischöfliche Delegatur für Brandenburg und Pommern" im Erzbistum Breslau. 1930 erhob Papst Pius XI. die dazu gehörenden Gebiete zum selbstständigen Bistum. Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel der Teil östlich der Oder einschließlich der Hafenstadt Stettin an Polen und kam 1972 zu neu gegründeten polnischen Diözesen. Das Bistum Berlin wurde im selben Jahr unmittelbar dem Heiligen Stuhl unterstellt. Während der Teilung Deutschlands war es bis zum Ende der DDR eine der wenigen innerdeutschen "Klammern"; der Bischof war Mitglied der Deutschen Bischofskonferenz und der damaligen Berliner Bischofskonferenz. Zu der nach der Vereinigung Deutschlands errichteten Kirchenprovinz Berlin gehören die Bistümer Dresden-Meißen und Görlitz. (som/KNA)

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