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Hans-Joachim Höhn über die Argumentation bei kirchlichen Reformen

Immer schon?

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Schachfigur
Bonn - Hans-Joachim Höhn über die Argumentation bei kirchlichen Reformen

"Das war immer schon so!" – Wer dafür eintritt, dass sich nichts ändert, greift nach diesem Satz. Was immer schon war, ist nicht wegzudenken, hat sich bewährt und wird auch in Zukunft gelten. Es gibt folglich keinen Grund, es aufzugeben, zu korrigieren oder durch etwas Neues zu ersetzen. Die Logik des "immer schon" müssen alle Akteure in der Kirche beachten, die etwas verändern wollen. Sonst haben sie keine Chance. Beteiligung von Laien bei Bischofswahlen? Gab’s immer schon! Priester ohne Pflichtzölibat? Gab’s immer schon!

Beim Abschlussgottesdienst des Leipziger Katholikentages sah man Transparente mit der Aufschrift "Frauendiakonat jetzt". Wer eine solche Forderung erhebt, muss wissen: In der Kirche gibt es aber kein "jetzt" ohne das "immer schon". An die Männer in der päpstlichen Historikerkommission zur Erforschung des Diakonats der Frau ergeht daher der Auftrag: Weist nach, dass es immer schon gegeben hat, was jetzt realisiert werden soll! Oft genug hat diese Maxime den gewünschten Erfolg. Man muss in der Kirchengeschichte nur weit genug zurückgehen, um zu entdecken, dass es früher längst gegeben hat, was heute als Reform oder Innovation gefordert wird. Der Ruf nach Veränderung erreicht sein Ziel, wenn er nachweist, dass eine Innovation dafür sorgt, dass alles wieder wie früher wird. Denn früher war - wie Reformgegner zu bedenken geben - alles besser als heute.

"Das war immer schon so!" – Wer alles beim Alten lassen will und wer etwas Neues will, muss diesen Satz verwenden. Es ist reichlich paradox: Wer progressiv sein will, muss sich in der Kirche auf Traditionen berufen. Die eigentlichen Konservativen sind demnach die Innovationstraditionalisten. Sie haben das Pech, dass irgendwann verdrängt, geleugnet oder verabschiedet wurde, was früher einmal galt. Sie haben nun mit Traditionen zu kämpfen, die viel später als Innovationen gestartet wurden. Reformgegner vergessen hingegen oft, dass jede Tradition einmal als Innovation begonnen hat. Und was ist zu tun, wenn die historische Rückfrage nach dem Diakonat der Frau mit einer Fehlanzeige beantwortet wird? Man könnte versuchen, eine neue Tradition zu beginnen. War es nicht immer schon ein Zeichen für das Wirken des Geistes Gottes, dass er etwas gänzlich Neues anstößt?

Hinweis

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