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Größter Kraneinsatz in der Geschichte des Kölner Doms

In Gottes Hand

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Ein Kran steht am 22.07.2013 in Köln (Nordrhein-Westfalen) vor dem Dom und hängt von dort aus eine Baugerüst ab.
Köln - Es ist ein Riesenspektakel, das den Menschen an diesem Montagmorgen vor dem Kölner Dom geboten wird. Ein gigantischer Hydraulikkran steht auf dem Bahnhofsvorplatz und scheint mit seinem Ausleger die Spitze des Turmes zu berühren. Die Menschen, die aus dem Hauptbahnhof heraustreten, bleiben in Scharen stehen. Zwei Japaner mit Koffern verstummen augenblicklich. Vor Staunen vergessen sie zu fotografieren.

Der Kran wiegt 750 Tonnen, allein 204 Tonnen davon sind Gegengewichte. Er soll an diesem Vormittag eines der Stahlgerüste vom Nordturm der Kathedrale aus einer Höhe von über 100 Metern herunterholen. Oben sind Bauarbeiter zu erkennen. Sie befestigen das Stahlseil des Krans an drei Punkten des Gerüsts. Gleichzeitig lösen sie die Stahlseile, mit denen es seit mehr als zehn Jahren am Turm gehalten wurde.

Die ersten Zentimeter sind die schwierigsten

Dombaumeister Michael Hauck steht unten auf der Domplatte. Er wirkt angespannt. Das Ganze sei ein schwieriges Unterfangen und eine logistische Herausforderung, sagt er in zahlreiche Kameras und Mikrofone. Nervös seien er und seine Leute von der Dombauhütte nicht. "Es herrscht aber eine gespannte Erwartung, denn ganz ungefährlich ist die Sache ja nicht."

Der Kölner Dom vom Rhein aus gesehen.

Derweil hängt die erste Hälfte des Gerüsts mit seinem ganzen Gewicht von 10 Tonnen am Kran. Der Kranführer leistet Millimeterarbeit. Er liegt mehr in seinem Führerstand, als dass er sitzt. Über Monitore, die Kamerabilder von der Spitze des Kranauslegers wiedergeben, koordiniert er seine Handgriffe. Die ersten Zentimeter sind die schwierigsten. Jetzt, noch so nah am Turm mit seinen zahlreichen Fialen und Figuren, darf das Gerüst nicht ins Schwingen geraten.

Langsam zieht er es von der Kathedrale weg, schwenkt es über den schmalen Fußweg und die daneben liegende Straße hin zum Platz vor dem Haupteingang und hält es schließlich nur wenige Zentimeter über dem Boden. Hier kommt ein zweiter, kleinerer Kran zum Einsatz, mit dessen Hilfe das Gerüst in die Horizontale gelegt und auf Rollwagen niedergelassen wird. Später soll es auf dem Roncalliplatz demontiert werden. Nach rund 20 Minuten ist es geschafft. Teil eins des Unterfangens ist um 9.30 Uhr abgeschlossen.

Keine feste Bindung

Hauck entspannt sich etwas. Rund 50.000 Euro kostet die Aktion, erläutert er. Sechs Monate hätte es gedauert, das Gerüst am Turm zu demontieren. "Am Ende haben wir sogar Geld gespart." Und noch einen Gewinn kann er verbuchen: Mit 170 Tonnen Gewicht belastet jedes der vier Beine des Krans den Unterboden. Die Stellen, an denen die Füße auf dem Bahnhofsvorplatz aufgebaut sind, wurden verstärkt und markiert. Falls es in Zukunft irgendwann einmal nötig sei, könne schnell gehandelt werden, so der Dombaumeister.

Nur echt mit "Domsgickel"

Nicht nur der Kölner Dom wurde spektulär saniert. Eine Woche zuvor wurde die Spitze des Mainzer Doms ausgetauscht. Zum Artikel

Inzwischen wird oben wieder gearbeitet. Die Bauarbeiter lösen das zweite Teil des Gerüsts von den Stahlseilen am Turm. Eine feste Verbindung zur Kathedrale hat nie bestanden. Auch die große Plattform, die weiter an der Nordturmspitze zu sehen sein wird, ist nur angelehnt. Seit 2002 hatte das jetzt demontierte Gerüst hier gehangen. Damals war ein rund drei Meter hohes Bauelement aus 100 Metern herabgestürzt. Anschließende Untersuchungen kamen zu dem Ergebnis, dass überall dort oben Messing- und Eisenarmierungen durchgerostet waren. Der Rost hatte zudem tonnenschwere Fialaufbauten um mehrere Millimeter angehoben. Eisen und Messing wurden in den Jahren darauf entfernt und durch nichtrostende Elemente aus Edelstahl ersetzt.

Sorgen hatte sich Hauck nach eigenen Worten nur über das Wetter gemacht. "Diesbezüglich sind wir wirklich in Gottes Hand", so der Dombaumeister. Der liebe Gott scheint an diesem Morgen ein Auge auf Köln zu werfen. Die Sonne strahlt. Wichtig aber vor allem: Es ist fast windstill. Erst für den Nachmittag sind ein paar Windstärken angekündigt. "Am späten Nachmittag wollen wir deshalb fertig sein." Hauck hält Wort. Schon um halb zwölf ist das zweite Teil des Gerüsts sicher am Boden. Der größte Kraneinsatz in der Geschichte des Kölner Doms ist vorbei.

Von Johannes Schönwälder (KNA)

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