Inklusions-Schrittmacher
Neulich beim Kurs für neue Kommunionhelfer. Schon beim ersten Kaffee beobachte ich die Frau mit einem schweren Handicap an der rechten Hand. Sie hantiert umständlich mit ihrer Tasse. Ich bin skeptisch: Damit Kommunion austeilen - wie soll denn das gehen?
Seit 1993 ist der 3. Dezember der Internationale Tag der Menschen mit Behinderungen. Viele Haupt- und Ehrenamtliche engagieren sich für ein selbstverständliches Miteinander von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit und ohne Behinderung in der Gesellschaft. Auch im kirchlichen Kontext gibt es zahllose Gruppen, Initiativen und Einrichtungen, die mit großem persönlichem Einsatz richtig gute Arbeit machen.
Und doch haben wir noch viel Luft nach oben, wenn es um Inklusion und Teilhabe in der Kirche geht. Unsere Um- und Neubauten, ob Kirchen, Pfarrheime oder Bildungshäuser, könnten Maßstäbe für inklusives Bauen setzen. Die Kirche als Bauherrin müsste Barrierefreiheit zu einem Grundprinzip ihrer Architektur machen und etwa die bestmöglichen Leitsysteme für Blinde und Sehbehinderte haben.
In der Katechese mit Kindern und Jugendlichen wird viel zu viel aufgeschrieben, zu viel ausgeschnitten und kognitiv gelernt. Das grenzt Drittklässler mit Schreibschwächen und Jugendliche aus bildungsfernen Milieus häufig aus. Unsere Gottesdienste könnten gastlicher für alle sein - barrierefrei zugänglich mit mehr erreichbaren Plätzen für Rollatoren und Rollstühle, mit einem Gebärdendolmetscher wo nötig und einer Predigt in leichter Sprache. Kirche müsste Inklusions-Schrittmacher sein.
Warum? Ganz einfach: um dem Inklusionsexperten Jesus von Nazareth zu folgen. Für ihn waren die Blinden, Tauben und Lahmen die wichtigsten Adressaten der Botschaft vom guten Leben und vom Gottesreich. Er ging ohne Berührungsängste auf sie zu und holte sie von den Rändern in die Mitte. Und das ohne jede Bevormundung: "Was willst du? Was soll ich dir tun?"
Übrigens: Die nette Dame mit der Behinderung an ihrer rechten Hand sagte bei der Vorstellungsrunde gut gelaunt: "Kommunion austeilen kann ich ja gar nicht, da müsste ich zu viel Akrobatik machen. Ich bin bald in unserer Gemeinde für die eucharistischen Andachten zuständig. Die Monstranz auf den Altar stellen und mit den Leuten beten, das geht auch mit einer Hand." Inklusion mit Charisma. Wie schön, denke ich - und schäme mich ein bisschen für meine anfängliche Skepsis.
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