Insolvenzverwalter will Weltbild erhalten
An der gut einstündigen Unterredung nahmen auf Einladung des Augsburger Oberbürgermeisters Kurt Gribl (CSU) auch der Münchner Generalvikar und Weltbild-Aufsichtsratschef Peter Beer sowie Betriebsräte und Gewerkschafter teil.
Bis Ende März - also innerhalb der Laufzeit des von der Arbeitsagentur gezahlten Insolvenzgeldes für die mehr als 2.000 Augsburger Beschäftigten - will Geiwitz ein Lösung finden. Es hätten sich schon einige Interessenten bei ihm gemeldet. Er habe auch schon mit mehreren möglichen Investoren gesprochen. Details nannte der Krisenmanager nicht, dafür sei es noch zu früh.
Bischöfe haben Hilfen in Millionenhöhe angekündigt
Die Verlagsgruppe Weltbild hatte am vergangenen Freitag Insolvenz beantragt, nachdem sich die kirchlichen Eigentümer (zwölf Bistümer, die Katholische Soldatenseelsorge Berlin und der Verband der Diözesen Deutschlands) nicht auf eine weitere Finanzierung des defizitären Verlages hatten verständigen können. Die Bischöfe haben allerdings Hilfen in zweistelliger Millionenhöhe angekündigt. Gestern hatten die Beschäftigten von Weltbild den Bischöfen vorgeworfen, das Unternehmen "bewusst in die Insolvenz getrieben" zu haben.
Bislang ist Weltbild unter dem eigenen Namen sowie über die Tochter buecher.de im Internethandel aktiv. Zudem betreibt das Unternehmen Hunderte Buchhandlungen zusammen mit der Familie Hugendubel. Die mehr als 3.000 Mitarbeiter aus den Filialen sind bislang nicht direkt von der Insolvenz betroffen.
Staatsregierung stellt Hilfen in Aussicht
Für Geiwitz macht die Aufteilung in herkömmlichen Handel und Onlinegeschäft Sinn. "Wir sind in einem schwierigen Branchenumfeld, wir haben einen übermächtigen Wettbewerber", schränkte er allerdings im Hinblick auf den Internet-Riesen Amazon ein. Die beiden Ministerinnen betonten das große Interesse der Staatsregierung, die Arbeitsplätze zu erhalten. Dafür seien auch Hilfen möglich. "Wir können aber noch nicht abschätzen, welche Maßnahmen sinnvoll sind", sagte Aigner.
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Arbeitnehmervertreter haben nun erstmals Kritik an der Geschäftsführung geäußert. Der Wirtschafts-Sachverständige Klaus Warbruck nannte es am Freitag in Augsburg "fatal", dass Aufsichtsrat und Gesellschafter Anfang Januar vom erhöhten Kapitalbedarf für eine Fortführung des Unternehmens überrascht worden seien. Dies habe sich schon viel früher abgezeichnet. Der Experte aus Buchholz bei Hamburg wurde im vergangenen Sommer vom Weltbild-Betriebsrat hinzugezogen.
Nach Warbrucks Einschätzung ist Weltbild "kein Faß ohne Boden". Der zusätzliche Kapitalbedarf von etwa 70 Millionen Euro hätte auch nicht sofort von den Eigentümern aufgebracht und bezahlt werden müssen. Es sei vielmehr um eine Garantie zur Gegenfinanzierung möglicher Verluste in den nächsten drei Jahren gegangen.
Der deutsche Buchmarkt brauche einen "werteorientierten Multichannel-Buchhändler", erklärte der Sachverständige. Es liege ein Konzept vor, "das gerade für einen christlichen Eigentümer interessant sein müsste". Dabei könne er sich eine Erweiterung des Profils um soziale und ökologische Komponenten vorstellen.
Verdi-Mann kündigt "katholische Wochen" an
Der Betriebratsvorsitzende Peter Fitz nannte es "eine falsche Entscheidung der Gesellschafter, sich radikal von Weltbild trennen zu wollen". Betriebsräte und Gewerkschafter setzen ihre Hoffnung darauf, dass vielleicht ein Teil von ihnen an Bord bleibt, möglicherweise auch in einer Minderheitenposition neben einem neuen Investor.
Verdi-Betriebsrat Timm Boßmann kündigte "katholische Wochen" an. Mit "verschiedenen Aktionsformaten" sollten die Bistümer öffentlich an ihre Verantwortung als Eigentümer von Weltbild erinnert werden. Die Aktionen gingen so lange weiter, "bis Weltbild gerettet ist".
In der Konkurrenz von Weltbild zu Amazon sehen die Arbeitnehmervertreter einen wichtigen Faktor. Der ganze Versandhandel benötige ein Signal, "dass man mit ruppigen Methoden nicht einfach eine ganze Branche aufrollen kann", sagte Warbruck. (stz/meu/KNA/dpa)