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Mehr Neugier als Abwehrhaltung

Jugendkaplan: Heutige Generation von Kirchenskandalen weiter entfernt

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Betende Hände abgestützt auf einer Kirchbank
Münster - Worauf kommt es heute an, wenn Kirche junge Menschen begleitet? Der Münsteraner Burgkaplan Jan Aleff spricht über Herausforderungen und Chancen.

Jan Aleff will für Jugendliche ansprechbar sein, die unter der Last von Krisen leiden und auf der Suche sind – auch mit Blick auf Versprechen von den politischen Rändern. Die betrachte er mit Sorge, sagte der neue Burgkaplan der Münsteraner Jugendbildungsstätte Burg Gemen im Interview mit dem Portal "kirche-und-leben.de": "Wir müssen unsere Art, Gott anzusprechen, die Bibel zu lesen und Liturgie zu feiern, in der Welt halten. Wir dürfen uns dabei nicht von Rechtsaußen überholen lassen."

Der Priester sieht das Internet heute auch als "Vehikel für den Glauben". Wenn sogenannte Christfluencer dort junge Menschen erreichten, könne das eine Chance sein. "Manche Aussagen gruseln mich allerdings, weil sie platt sind und komplexe Fragen vereinfachen. Da können Menschen im Netz gefangen werden – durch religiöse Heilsversprechen oder missbräuchliche Angebote. Dem müssen wir etwas entgegensetzen", so Aleff.

Ein Warnsignal seien Aussagen, die Glaube und Naturwissenschaft gegeneinander ausspielen. "Manche sagen mir: 'Jan, ich stamme gar nicht vom Affen ab. Ich bin von Gott geschaffen.' Dann müssen wir erklären, dass Mensch und Affe gemeinsame Vorfahren haben und wir zugleich von Gott geschaffen und gewollt sind. Beides zusammenzudenken, gehört zu einem erwachsenen christlichen Glauben", erklärte Aleff. Doch dafür brauche es mehr Zeit und geistige Auseinandersetzung, als es ein 30-Sekunden-Video auf TikTok bieten könne.

Generation weit weg von Kirchenskandalen

"Die heutige Generation ist von den Kirchenskandalen weiter entfernt", ergänzte der Burgkaplan. So erlebe er mehr "exotische Neugier" als grundsätzliche Abwehrhaltung gegenüber der Kirche: "Wenn jemand von Gott erzählt und glaubwürdig sagt: 'Ich glaube das wirklich', hören viele erst einmal interessiert zu."

Der Burgkaplan will neue Wege gehen, etwa mit Wochenenden für junge Menschen zwischen 16 und 28 Jahren, an dem sie ihr Handy abgeben. "Ich möchte ausprobieren, was es mit ihnen macht, wenn sie ohne Ablenkung zusammen sind. Sie sollen sich nicht vereinzeln, sondern miteinander ins Gespräch kommen."

Ein weiterer Plan: Ein Wochenende, das jungen Menschen Entscheidungshilfen bietet. Die Kirche könne "einen Kompass bieten, der aus 2.000 Jahren Kirchengeschichte gewachsen ist". Auch Heilige könnten Vorbilder sein. "Erstaunlicherweise sind sie wieder anschlussfähig, weil wir es gewohnt sind, Menschen auf ein Podest zu stellen. Das passiert auf Instagram bei jedem dritten Post."

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