Kaderschmiede Köln?
Mit der Ernennung von Heiner Koch zum Bischof von Dresden-Meißen Ende der vergangenen Woche stehen demnächst vier Priester aus dem Rheinland an der Spitze eines Bistums. Neben Koch sind dies: Kardinal Rainer Maria Woelki in Berlin, Friedhelm Hofmann in Würzburg und Norbert Trelle in Hildesheim. Und alle sind sie in der Amtszeit des Kölner Kardinals Joachim Meisner zu Amt und Würden gekommen.
Einfluss in Rom
Mit dem sprichwörtlichen kölschen Klüngel hat das allerdings wenig zu tun. Denn die letzte Entscheidung, wer Bischofsstab und Mitra erhält, fällt bekanntermaßen im Vatikan. Dass Meisner als Mitglied der Römischen Bischofskongregation und großer "Zahlmeister" des innerdeutschen Bistumsfinanzausgleichs etwas mehr Einfluss hat als andere, liegt auf der Hand. Ihm wird zudem ein direkter Draht zu Papst Benedikt XVI. nachgesagt.
Aber auch andere Bistümer "exportieren" ihre Führungskräfte. So mutierte in den vergangenen Jahren Deutschlands ältestes Bistum Trier zu einer Art Drehscheibe. Felix Genn, der Bischof von Münster (und zuvor von Essen), stammt aus Trier. Rudolf Voderholzer, der künftige Regensburger Oberhirte, lehrte zuletzt Dogmatik an Triers Theologischer Fakultät. Und Reinhard Marx gelangte von Paderborn über die Moselstadt an die Spitze des Erzbistums München-Freising. Marx' Nachfolger in Trier, Stephan Ackermann, ist ein Eigengewächs und hat vom Alter her ebenfalls die Perspektive, die kirchliche Karriereleiter irgendwann weiter emporzuklimmen.
Die Ernennung Voderholzers erfolgte ungewöhnlich schnell
Die Frage bleibt, ob die Bischofsernennungen der jüngsten Zeit einen Trend widerspiegeln, der wiederum auf den Einfluss von bestimmten Kräften zurückzuführen ist. Voderholzer beispielsweise war schon vor seiner Ernennung auf Wunsch des bisherigen Regensburger Amtsinhabers Gerhard Ludwig Müller für die Herausgabe der Gesammelten Werke von Joseph Ratzinger/Papst Benedikt XVI. verantwortlich. Seine Ernennung erfolgte ungewöhnlich schnell, nachdem Müller als Präfekt der Glaubenskongregation nach Rom berufen worden war, dem zweitwichtigsten Amt im Vatikan.
Interessant wird es allemal: Bis Ende dieses Jahres werden fünf der 27 Bistumsleiter das "bischöfliche Rentenalter" von 75 Jahren überschritten haben. Vielleicht fügen sich in den kommenden Jahren die einzelnen Mosaiksteinchen zu einem stimmigen Bild. Manche Beobachter meinen, dass sich derzeit eine konservativere Strömung im deutschen Episkopat durchsetze. Andere erinnern daran, dass es solche Prognosen auch schon im Pontifikat Johannes Paul II. gegeben habe.
Von Joachim Heinz (KNA)