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Emeritierter Kurienkardinal über Kommunion-Streit und Kreuz-Debatte

Kasper sieht "Schritt" zur Eucharistiegemeinschaft

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Weingarten - Kardinal Walter Kasper versteht die Angst einiger deutscher Bischöfe in der Kommunion-Debatte nicht. Konfessionsverschiedene Ehepaare seien "kein gefährlicher Bazillus", sondern eine "Frischzelle".

Der emeritierte Kurienkardinal Walter Kasper sieht den Kommunionempfang für nichtkatholische Ehepartner als Schritt zu einer "allgemeinen Eucharistiegemeinschaft" an. Diese sei zwar noch nicht möglich, weil "noch nicht alle theologischen Probleme beseitigt" seien, sagte Kasper am Donnerstagabend im oberschwäbischen Weingarten. "Doch die Teilnahme einzelner evangelischer Christen in konfessionsverbindenden Ehen, die den katholischen Eucharistieglauben teilen, kann ein Schritt in diese Richtung sein", sagte der Kardinal laut Predigtmanuskript.

Solche konfessionsverschiedenen Eheleute nähmen "die Einheit der Kirche gewissermaßen vorweg", betonte Kasper und fügte hinzu: "Sie sind kein gefährlicher Bazillus, vor dem man sich in Acht nehmen muss; sie sind eine Frischzelle im Leib Christi der Kirche!"

Kasper: "Schritt" sei theologisch möglich

Dieser "Schritt" - so Kasper - sei auf der Grundlage des Zweiten Vatikanischen Konzils und der ausdrücklichen Lehre von Papst Johannes Paul II. theologisch möglich. "Wenn zwei Menschen durch die eine Taufe und durch das gemeinsame Sakrament der Ehe verbunden sind, wenn sie diese Verbundenheit zusammen mit ihren Kindern wirklich leben, wenn sie das katholische Verständnis der Eucharistie teilen und deshalb ein inneres Verlangen haben die Kommunion zu teilen, dann wird sie bei uns kaum ein Seelsorger zurückweisen", sagte Kasper.

Es habe ihn "traurig gemacht, dass es darüber zu keinem Einvernehmen in der Bischofskonferenz gekommen ist". Er bezog sich auf die vor knapp drei Monaten von der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz beschlossene Handreichung. In ihr wurden Bedingungen formuliert, unter denen nicht-katholische Ehepartner in Einzelfällen zum Kommunionempfang zugelassen werden können. Sieben deutsche Bischöfe hatten daraufhin in einem Brief die zuständigen vatikanischen Stellen um Klärung geben, ob eine so weitreichende Entscheidung in die Zuständigkeit einer einzelnen Bischofskonferenz fallen könne. Am 3. Mai wies der Vatikan den Konflikt an die deutschen Bischöfe zurück.

Handkommunion
Konfessionsverschiedene Ehepaare seien "kein gefährlicher Bazillus, vor dem man sich in Acht nehmen muss", sagt der emeritierte Kurienkardinal Walter Kasper.

Kasper warnte außerdem vor einer "Verdrängung" des Kreuzes aus der Öffentlichkeit: "Das Kreuz ist nicht nur ein Schmuckstück oder nur ein Kultursymbol. Es ist das Ursymbol unseres christlichen Glaubens."  Man dürfe es weder aus dem öffentlichen noch aus dem privaten Leben verdrängen, betonte Kasper laut Predigtmanuskript. Man dürfe das Kreuz aber auch nicht "für politische oder andere Zwecke instrumentalisieren". "Heilige Zeichen muss man heilig halten", sagte der Kardinal und fügte hinzu: "Wir wissen, dass auch Christen das Kreuz mehrfach zum Kriegs- und nicht zum Friedenszeichen gemacht haben." Wer sich unter das Kreuz stelle, müsse Friedensstifter sein.

"Abgrund der Gottlosigkeit" in moderner Gesellschaft

Generell beklagte Kasper einen "Abgrund der Gottlosigkeit" in der modernen Gesellschaft. Es sei "kein Wunder, dass die Angst umgeht". Die Welt sei "aus den Fugen geraten. Sie hat ihr Gleichgewicht verloren", sagte Kasper. Wenn man aber Gott aufgebe, "dann warten alte und neue Götzen, alte und neue Dämonen schon an der nächsten Ecke", so Kasper. Der Kardinal betonte, er habe vor dem Islam keine Angst. "Aber ich habe Angst wegen den vielen müden, feigen und lauen Christen und der zunehmenden Minderheit der überzeugten und praktizierenden Christen in unserer Gesellschaft."

Kardinal Kasper äußerte sich in einer Festpredigt zum sogenannten Blutfreitag in der Basilika Weingarten.  Die Tradition des Blutritts reicht ins elfte Jahrhundert zurück, als das Kloster Weingarten Teile einer Heilig-Blut-Reliquie aus dem italienischen Mantua erhielt. Der Blutritt gilt als eine der größten Reiterprozessionen Europas. Gemeinsam reiten die angekündigten 2.500 Teilnehmer dann mit Frack und Zylinder durch die festlich geschmückten Straßen der Stadt im Kreis Ravensburg und die angrenzenden Felder. Die Stadt rechnet mit rund 30.000 Besuchern. (bod/KNA)

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