Katholische Frauen: Missbrauch betrifft auch kirchliche Organisationen
Mit einer Selbstverpflichtung will die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) die Prävention zur Vermeidung von spirituellem und sexuellem Missbrauch an erwachsenen Frauen stärken. Das hat der Verband am Samstag auf seiner Bundesversammlung in Mainz einstimmig beschlossen. Außerdem will die kfd das Bewusstsein dafür stärken, "dass spiritueller und sexueller Missbrauch nicht nur Betroffene sowie die Kirche als Ganzes betrifft, sondern ebenso kirchliche Organisationen – und damit auch die kfd und ihre Mitglieder".
Bisher sei das Thema Missbrauch in der katholischen Kirche vorrangig mit Blick auf sexuellen Missbrauch von Minderjährigen und besonders schutzbedürftigen Personen wahrgenommen worden, so der Verband weiter. Doch mit der Zeit werde "immer offensichtlicher, dass auch Erwachsene zu den Betroffenen zählen. Insbesondere Frauen sind nicht nur in gesellschaftlichen Kontexten, sondern auch in der Kirche Opfer von sexualisierter Gewalt."
Studien belegten zudem einen engen Zusammenhang von spirituellem und sexuellem Missbrauch von Frauen, ergänzte die Bundesvorsitzende Mechthild Heil: "Lange Zeit wurde dies nicht öffentlich gemacht, aber jetzt weitet sich der Blick langsam. Es besteht großer Handlungsbedarf, auch für uns als katholischer Frauenverband."
Auch Mitwisser hätten Missbrauch zu verantworten
Neben den Täterinnen und Tätern hätten auch diejenigen den Missbrauchsskandal zu verantworten, die als Mitwisser oder aufgrund falscher Parteilichkeit untätig geblieben seien, so Heil weiter: "Betroffene brauchen Menschen, die hinsehen, hinhören und an ihrer Seite stehen. Dazu gehört für uns auch, uns bewusst zu machen, dass auch Lai*innen in die menschenverachtenden Strukturen verstrickt sind. Wir müssen alles dafür tun, dass das in Zukunft nicht mehr passiert."
Ab Montag will die kfd zudem mit einer Aktionswoche für mehr Gleichberechtigung in Kirche und Gesellschaft demonstrieren. Unter dem Motto "Frauen, ist Euch das genug?" wolle man in vielen Veranstaltungen bundesweit zeigen, wie weit die Gesellschaft noch von einer Gleichberechtigung von Frauen und Männern entfernt sei.
"Wir sind als kfd-Frauen in der katholischen Kirche leidgeprüft: gleiche Rechte für Frauen und Männer existieren nicht", kritisierte Heil: "Und auch in der Gesellschaft merken wir tagtäglich, dass Frauen und Männer unterschiedlich behandelt werden." Das habe auch eine Umfrage des Instituts Allensbach im Auftrag der kfd ergeben, in der 73 Prozent der Befragten gesagt hätten, dass in Sachen Gleichberechtigung noch einiges getan werden müsse. (cph/KNA)