Kehraus mit Parallelaktion
Als Bayer blickt man auf den rheinischen Karneval mit einer amüsierten Verwunderung. Bei uns, wo nichts so richtig ernst genommen wird - Schicksalsthema Autobahnmaut! - wirkt die Hartnäckigkeit, mit der am Rhein gefeiert wird etwas zu - nun ja, ernst. Es gibt aber doch eine Grundsolidarität mit den Narren in Nordrhein-Westfalen und anderswo, die sich aus den Tiefenschichten unseres kollektiven Bewusstseins speist, da wo man sich noch daran erinnert, dass auf dem Kölner Kurfürstenstuhl jahrhundertelang Wittelsbacher Prinzen saßen, und dass es einmal ein linksrheinisches Bayern gegeben hat. Die katholischen Landstriche Deutschlands waren so manches Mal vereint, zusammengeschweißt etwa von der Anhänglichkeit ans alte Kaiserreich oder von der Unterdrückung und Verachtung durchs aufstrebende Preußen.
Eine Prise dieser Grundsolidarität täte auch jetzt wieder gut. Die Lutherdekade biegt ja in die Zielgerade aufs Erfüllungsjahr 2017 ein. Noch einmal soll die Reformation als Ziel- und Angelpunkt der deutschen Kulturgeschichte herhalten, was dankbar ermöglicht, andere Schicksalsjahre etwas aus dem Rampenlicht zu drängen. Das sind Deutungsvereinfachungen, für die unsere Berliner Institutionen immer schon anfällig waren, und die sich jetzt noch einmal zuzuspitzen drohen.
Eigentlich müssten die historisch-katholischen Landstriche in einer Parallelaktion die Arme brüderlich verschränken und gegen die drei "sola" plakatieren: Deutschland ist AUCH barock. Deutschland ist AUCH Karneval. Deutschland ist AUCH Herz-Jesu-Sozialismus. Grundkatholisch wäre an dieser Kampagne das Wort AUCH - in diesen Migrantenzeiten ist das mindestens so anschlussfähig wie die Rechtfertigungslehre.
Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.