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Oberhirten Fürst und Meier feiern Gedenkgottesdienst

Kirche und Politik erinnern an NS-Gegner Bischof Sproll

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Joannes Baptista Sproll, Bischof von Rottenburg-Stuttgart von 1926–1949
Ursberg - Er galt als entschiedenster Nazi-Gegner im deutschen Episkopat: Mit einem Gedenkgottesdienst haben nun die Bischöfe Bertram Meier und Gebhard Fürst an den früheren Rottenburger Oberhirten Joannes Baptista Sproll erinnert.

Mit einem Gedenkgottesdienst in Kloster Ursberg ist am Freitag an den von den Nationalsozialisten verfolgten Rottenburger Bischof Joannes Baptista Sproll (1870-1949) erinnert worden. Der Augsburger Bischof Bertram Meier und sein Rottenburger Amtskollege Gebhard Fürst feierten eine Messe, an der auch der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und die bayerische Staatsministerin Melanie Huml (CSU) teilnahmen.

Kretschmann würdigte Sproll als Vorbild politischen Engagements von Christen. Auch heute brauche es solche Menschen, die für Demokratie und Menschenwürde einstünden, "selbst wenn sie dadurch Hass und Anfeindungen ausgesetzt sind". Das Grundgesetz sei "christlich imprägniert", der Beitrag der Kirchen für gesellschaftlichen Zusammenhalt unverzichtbar.

Sproll warnte schon vor 1933 vor dem "braunen Ungeist"

Huml sagte, Bischof Sproll habe es gewagt, "nein zu sagen in einer Zeit, in der ein Ja viel einfacher war". Mit seinem Bekenntnis zur Unvereinbarkeit von Nationalsozialismus und Christentum habe er "entschieden und klar" den freiheitlichen Charakter des Evangeliums bezeugt.

Der Augsburger Bischof erinnerte daran, dass Sproll als einziger deutscher Bischof in der NS-Zeit aus seiner Diözese vertrieben worden sei. Seine Bedeutung für die Gegenwart fasste Meier in die Worte: "Er möchte weniger verehrt und dafür eifriger nachgeahmt werden", im Einsatz für Frieden und Versöhnung zwischen Christen, Andersgläubigen und Religionslosen, für die Integration von Geflüchteten.

Sproll gilt als entschiedenster Nazi-Gegner im deutschen Episkopat. Schon vor 1933 warnte er öffentlich vor dem "braunen Ungeist". 1938 kam es zum Eklat, als Sproll demonstrativ die Reichstagswahlen boykottierte. Am 24. August 1938 musste der "Volksfeind" sein Bistum verlassen. Das von der Ursberger St.-Josefskongregation betreute bayerisch-schwäbische Heilbad Krumbad war die letzte Station seines siebenjährigen Exils.

Gedenktafel erinnert an Sproll und Jesuitenpater Mayer

1941 widersetzte er sich dem politisch motivierten Drängen des Vatikan auf einen Amtsverzicht. Am 14. Juni 1945, dem 18. Jahrestag seiner Amtseinführung als Bischof, wurde Sproll, gesundheitlich schwer gezeichnet, bei seiner Rückkehr in den Rottenburger Dom von tausenden Menschen empfangen.

In Krumbad erinnert künftig eine von den Bischöfen gesegnete Gedenktafel des Unterallgäuer Künstlers und Theologen Franz Höchstötter an Sproll und den Münchner Jesuitenpater Rupert Mayer (1876-1945), der ebenfalls dem NS-Regime entgegentrat und auch mit dem Heilbad eng verbunden war. "Mutig im Glauben" lautet die Inschrift. Für Sproll läuft seit 2011 ein Seligsprechungsverfahren. Pater Mayer wurde 1987 von Papst Johannes Paul II. im Münchner Olympiastadion seliggesprochen. (KNA)

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