Kirchhof: Kind braucht Mutter und Vater
Mit Blick auf die gesellschaftlichen Entwicklungen der Gegenwart sprach Kirchhof von einem "verborgenen Siegeszug des Christentums". Junge Leute fragten zunehmend nach dem Sinn des Lebens sowie nach ihrer Herkunft und Zukunft. Dies könne nicht durch Politik und Gesellschaft, sondern nur im religiösen Bereich beantwortet werden. Der Grundgesetzartikel "Die Würde des Menschen ist unantastbar" beziehe sich auf die Vorstellung des Menschen als Ebenbild Gottes, ergänzte der katholische Wissenschaftler. Er äußerte sich vor mehreren hundert Gästen beim Jahresempfang der Diözese Augsburg.
Als "gute Nachbarschaft" bezeichnete der 72-Jährige das Verhältnis von Staat und Kirchen in Deutschland. Weltanschauungen und Religionen seien der "Humus der Staatlichkeit". Der Staat habe die Aufgabe, die nachwachsenden Generationen in die Kultur und damit auch in die Religion einzuführen. "Wir müssen die Kinder religiös mündig machen, wie wir sie schreibfähig machen", sagte Kirchhof. Er war von 1987 bis 1999 Richter am Bundesverfassungsgericht und hat einen Lehrstuhl für Staatsrecht an der Universität Heidelberg inne. (KNA)