Kitsch und Konsum gehören dazu
Ich bin ein Kind der 80er und für mich gehören sowohl Kitsch als auch Konsum zu Weihnachten. Ich brauche das ganze Blingbling. Es ist ein erhebendes Gefühl für mich, Ende November die Weihnachtsdeko aus dem Keller zu holen und großzügig in der Wohnung zu verteilen. Mein Mann leidet dabei stumm. Ich trauere dafür im Januar den Lichterketten nach, die die Straßen um Weihnachten in ein besonderes Licht tauchen, und mich mit eichendorffschem Staunen durch die Welt gehen lassen.
Glitzerkram und Plätzchen
Ich brauche Symbolik und Traditionen, erst dann fühlt es sich richtig an. Zum Geburtstag gehört eine Torte und "Happy Birthday", zu Weihnachten Tannengrün, Glitzerkram und "Driving home for Christmas". Deswegen vergesse ich den eigentlichen Grund noch lange nicht. Im Gegenteil, das ganze Brimborium macht mir deutlich, was für ein besonderes Fest wir da feiern und was für ein Geschenk die Geburt Christi an uns Menschen ist.
Ja, und dann der Konsum. Glühwein und Plätzchen. Ja und? Im September sind es Wein und Zwiebelkuchen. Konsum sollte das ganze Jahr nachhaltig und bewusst sein, das hängt nicht vom Monat ab. Ja, man zahlt für den Glühwein, man zahlt für die Plätzchen. Aber am Ende des Tages ist das, was zählt, nicht die Rechnung, die der Wirt macht, sondern, dass ich mit Freunden zusammen bin und wir die Hände an unseren Tassen wärmen.
Den Menschen Gutes tun
Und wo wir gerade bei Rechnungen sind: klar, die ganzen Geschenke. Alles viel zu teuer, alles lenkt vom Wesentlichen ab. Ist das wirklich so? Worum geht es an Weihnachten? Um Menschen. Gott ist Mensch geworden und hat eine wichtige Botschaft mitgebracht: Liebe Gott und deinen Nächsten.
Das tue ich, wenn ich darüber nachdenke, was ich meiner Familie Gutes tun könnte. Und Gutes tun auch Millionen Menschen, wenn sie an Weihnachten viele Euros spenden. Um sich ein gutes Gewissen zu verschaffen? Mag sein, aber es hilft - oder etwa nicht?
Ich kann Menschen verstehen, die im Advent lieber zur Ruhe kommen möchten. Denen alles zu viel wird, für die der vorweihnachtliche Stress eben nur das ist: Stress und keine Vorfreude. Für diese Menschen gibt es viele Ruhe-Inseln im Trubel: Offene Citykirchen, Adventskalender mit spirituellen Impulsen, das Weihnachtsoratorium.
Klingt nicht schlecht, vielleicht begebe ich mich dieses Jahr auf diesen Nischenmarkt der alternativen Weihnacht. Aber zusätzlich brauche ich Kugeln und Glöckchen, Christmas-Songs und Lebkuchen. Und die Bescherung im Kreise meiner Familie. Ist das nicht auch ein Wert an sich?
Von Janina Mogendorf