Klären, was geschehen ist
Frage: Herr Professor Valentin, die Diskussionsveranstaltung möchte laut Ankündigung eine erste Bilanz der Ereignisse im Bistum Limburg ziehen. Nun ist der Bericht der Prüfkommission der Bischofskonferenz noch nicht fertig und Franz-Peter Tebartz-van Elst ist noch immer Bischof von Limburg. Ist daher eine Bilanz überhaupt schon möglich?
Valentin: Bereits seit mehreren Jahren steht der Limburger Bischof im Sperrfeuer der Medien. In dieser Zeit wuchs aus anderen Gründen auch die Unzufriedenheit mit seiner Amtsführung und der seines Generalvikars im Bistum Limburg. Wir wollen das zusammenstellen, was an Fakten über Amtsführung und Finanzgebaren des Limburger Bischofs bekannt ist, und dabei die Spreu vom Weizen trennen. Wir wollen dabei auch ausdrücklich über Punkte sprechen, die bisher in der Mediendebatte zu kurz gekommen sind und auch nicht Gegenstand der Ermittlungen der Kommission der Deutschen Bischofskonferenz sind.
Frage: Auf dem Podium finden sich keine Personen, die in der Vergangenheit als große Fürsprecher für Bischof Tebartz-van Elst in Erscheinung getreten sind. Wäre eine solche Person unter den Gesprächspartnern vielleicht sinnvoll gewesen?
Valentin: Es gibt auf dem Podium niemanden, der sich gegen die Person des Bischofs von Limburg äußern wird. Das ist auch nicht die Intention der Veranstaltung. Ich weiß nicht, an wen Sie an Fürsprechern denken. Ein deutscher Bischof fällt mir jedenfalls nicht ein. Wir haben durchaus versucht, hier eine deutlichere Profilierung zu erreichen, leider erhielten wir einige Absagen aus dem Bistum. Zum Beispiel ist unser neuer Generalvikar, Wolfang Rösch, den wir sehr gerne dabei gehabt hätten, leider verhindert, ebenso Barbara Wieland aus dem Limburger Diözesansynodalrat und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Menschen, die bisher hier im Bistum kaum jemand kannte, und die jetzt als "Freunde des Bischofs von Limburg" durch die Talk-Shows tingeln, kamen für uns als seriöse Podiumsteilnehmer nicht in Frage.
Frage: Auf die Ankündigung der Veranstaltung bei katholisch.de kamen Reaktionen, dass im Moment eher eine "Auszeit" in der Debatte um das Bistum Limburg angebracht wäre. Wie sehen Sie das?
Valentin: Es gibt im Bistum Limburg ein großes Bedürfnis nach seröser Information und Aussprache. Die Entscheidung von Papst Franziskus, bis zur Vorlage des Kommissionsergebnisses Ende Januar Wolfgang Rösch als Generalvikar einzusetzen, ist salomonisch und hat die Situation enorm beruhigt. Der Generalvikar konnte schon jetzt verlorenes Vertrauen zurückgewinnen und mit der Heilung tiefer Verletzungen durch seinen Vorgänger beginnen. Aber gerade die Häme und die Verwirrung der überbordenden Medienberichterstattung verlangt nach Klärung dessen, was geschehen ist. Zugleich wollen wir fragen: Was heißt die aktuelle Situation für unser Bistum und welche Fragen stellen sich nachhaltig für die Deutsche Katholische Kirche? Das ist die klassische Aufgabe der Katholischen Akademien. Die Veranstaltung wird einen informativen, diagnostischen und beruhigenden Charakter haben, wie wir das zurzeit brauchen.
Das Interview führte Christoph Meurer
Die Diskussionen um die Kosten für das Limburger Bischofshaus und die von Papst Franziskus veranlasste Auszeit für Bischof Franz-Peter Tebart-van Elst haben in den vergangenen Wochen bundesweit die Schlagzeilen beherrscht. Am Dienstag, 12. November, versucht das Aktuelle Forum des Frankfurter Domkreises Kirche und Wissenschaft eine erste Bilanz: Unter dem Titel "Aufräumen nach dem Knall" findet im Haus am Dom (Domplatz 3, Frankfurt) um 18 Uhr eine Podiumsdiskussion über die aktuelle Situation im Bistum statt. Mit dabei sind: Daniel Deckers, Redakteur "Frankfurter Allgemeine Zeitung" Johannes zu Eltz, Frankfurter Stadtdekan Thomas Löhr, Weihbischof von Limburg Thomas Schüller, Kirchenrechtler Universität Münster Stefan Vesper, Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) Moderiert wird die Diskussion von Joachim Valentin, Direktor des Hauses am Dom. Auf katholisch.de können Sie live bei der Diskussionsrunde dabei sein. Wir übertragen die Veranstaltung in unserem Livestream (siehe auch Link unten). Seien Sie dabei! (gho)