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Das Bistum Görlitz existiert seit 20 Jahren: Welche Chancen bietet so eine kleine Diözese?

Kleines Vorbild?

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St. Jakobus in Görlitz ist die östlichste Bischofskirche in Deutschland.
Görlitz - Das Jubiläum wurde nicht gefeiert. Keine Festschrift, kein prächtiges Pontifikalamt, keine Festwoche. 20 Jahre ist es her, dass Papst Johannes Paul II. (1978-2005) die Apostolische Administratur Görlitz zum Bistum erhoben hat. Heute leben in Deutschlands kleinstem Bistum rund 28.500 Katholiken verteilt auf mehr als 9.000 Quadratkilometer.

Flächenmäßig ist Deutschlands östlichste Diözese damit so groß wie das Erzbistum Köln und das Bistum Aachen zusammen. Die Zahl der Katholiken ist auf den ersten Blick dagegen erschreckend gering. Die katholischen Christen machen nur rund vier Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Die Katholiken leben jedoch nicht gleichmäßig verteilt über das Bistumsgebiet. In der Diaspora ist das Christentum eher eine Religion der Städte. Über 70 Prozent der Gläubigen wohnen in den 20 Städten in denen die jeweilige Pfarrkirche liegt.

"Ein so kleines Bistum hat einen Vorteil, den es auch schon in der Urkirche gab: Man kennt sich. Das kann eine Chance sein, aber auch eine Herausforderung", sagt Alfred Hoffmann, der Generalvikar des Bistums. Tatsächlich fordert Papst Franziskus, die Bischöfe sollten nah bei den Gläubigen sein. "Seid Hirten mit dem Geruch der Schafe, dass man ihn riecht - Hirten inmitten ihrer Herde", forderte der Pontifex am Gründonnerstag vergangenen Jahres von Priestern und Bischöfen. "Ja", sagt Alfred Hoffmann "da ist was dran".

Mini-Diözese mit schlanken Strukturen

In Görlitz ist – wie in anderen ostdeutschen Diasporadiözesen auch – der Bischof den Gläubigen tatsächlich besonders nah. Fast jede Pfarrei hat Wolfgang Ipolt seit seiner Bischofsweihe 2011 schon bereist. Anrufer, die ein Anliegen haben, werden mitunter einfach zum Bischof durchgestellt. Die Verwaltungsstrukturen in der Mini-Diözese sind schlank. Gerade einmal 25 Mitarbeiter hat das Ordinariat an seinen Standorten in Görlitz und Cottbus. Große Reichtümer werden im Bistum ebenfalls nicht gehortet. Papst Franziskus' Forderung nach einer "armen Kirche" war in Görlitz schon immer erfüllt.

Der Bischof wohnt – wie schon seine Vorgänger – in einem kleinen Einfamilienhaus und kommt häufig mit dem Fahrrad ins Büro geradelt. Der Ordinariatsfuhrpark ist klein. Einen Dienstwagen hat hier statt der Abteilungsleiter nur der Hausmeister. Die Sparsamkeit ist aber auch nötig. 15,8 Millionen Euro umfasst der Jahresetat der Diözese, davon sind allein 11,2 Millionen Personalkosten für Seelsorge und Soziale Dienste.

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Bistumsreform im Osten?

Die Zahl der Priester sinkt auch in der Diaspora. Aber die Zahlen sehen im Vergleich zu vielen west- und süddeutschen Bistümern noch ganz passabel aus. Auf die 28.500 Katholiken kommen 26 Priester in der Gemeindeseelsorge. Die Ruhestandspriester und Geistliche mit Sonderaufgaben sind da noch nicht mitgezählt. Auf Grund der großen Entfernungen von bis zu 60 oder 70 Kilometern zwischen zwei Gottesdienstorten macht sich der Priestermangel aber auch hier bemerkbar.

Angesichts der dünnen Personaldecke fürchten die Gläubigen in vielen ostdeutschen Diözesen, dass es zu einer Bistumsreform kommen könnte. Die lange Sedisvakanz im Bistum Erfurt wird als ein Anzeichen dafür gedeutet. Dem widerspricht Generalvikar Hoffmann. "Man darf nicht nur auf den Osten gucken. Ich halte diese Überlegung für ganz Deutschland für wichtig. Wenn es zu einer Bistumsreform in Deutschland kommen sollte, dann müssten es eigentlich mehr und nicht weniger Bistümer werden", sagt der Stellvertreter des Bischofs im Gespräch mit katholisch.de.

"Ein Bischof muss seine Herde kennen"

"In den großen Diözesen fehlt doch der Kontakt zu den Gläubigen. Ein Bistum mit einer Million Katholiken ist zu groß", so Hoffmann. Die Kirche solle sich "am alten Ideal, dass ein Bischof seine Herde kennt" orientieren. Das könne er nur tun, wenn er auch Zeit für die Herde habe. Bischöfe seien nicht für das Büro und Großevents gedacht. Zwar sei es sicher nicht möglich "einhundert Bischöfe in Deutschland zu installieren", das seelsorgliche Ideal dürfe man trotzdem nicht aus den Augen verlieren.

Die sinkenden Gläubigenzahlen schrecken den Görlitzer Generalvikar nicht. Seit dem Beitritt Polens zur Europäischen Union im Jahr 2004 steigt in den Städten entlang der Grenze die Zahl der Katholiken, besonders in Görlitz. "Ich habe guten Kontakt zu vielen polnischen Christen, die hier leben", sagt Hoffmann. Für viele ist die Sprache noch eine Barriere. Für den Görlitzer Generalvikar nicht mehr. "Ich habe polnisch gelernt. Das hilft mir sehr". Für das Bistum entlang der polnischen Grenze scheint seine Lage zugleich seine Chance zu sein.

Von Markus Kremser

Das Bistum Görlitz in Zahlen

Gründung: 1994Fläche: 9.700 QuadratkilometerKatholiken: 28.500 (= 4 Prozent der Gesamtbevölkerung im Bistum)

Das Bistum Görlitz in Zahlen
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