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"Zeit der großen Konvente vorbei"

Kloster Gerleve: Abt setzt auf kleinere Mönchsgemeinschaften

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Benediktinerabtei Gerleve
Münster - Weniger Mönche, mehr Nähe: Andreas Werner sieht Vorteile in kleineren Gemeinschaften. Welchen Veränderungsbedarf der Abt des Benediktinerklosters Gerleve ausmacht.

Der Abt des Benediktinerklosters Gerleve im westlichen Münsterland sieht die Zukunft der Orden in kleineren Gruppen von etwa zwölf Mönchen. Er glaube, "dass die Zeit der großen Konvente vorbei ist – und ich halte das für keine schlechte Entwicklung", sagte Andreas Werner (75) im am Mittwoch veröffentlichten Interview mit dem Internetportal "Kirche und Leben". Kleinere Gruppen seien aus seiner Sicht besser: "Auch mit nur noch 30 Mönchen nehmen wir beispielsweise die Grenzen von Kommunikation deutlich wahr."

Der Abt fragte selbst: "Was ist die Pädagogik Gottes, dass er die Kirche und die Klöster so schrumpfen lässt? Was will er uns damit sagen?" Seine These: Vielleicht gehe es tatsächlich darum, in kleineren Gemeinschaften die größeren Chancen zu sehen. Werner merkte an, womöglich habe man in der Vergangenheit besser das eine oder andere Angebot zur Gründung neuer Klöster annehmen sollen.

Nachwuchssorgen und Reformen

Der Gedanke um den Nachwuchs beschäftige ihn aber "nicht so zentral, wie man vielleicht denken mag", sagte der in Neuss geborene Werner, der das 1899 gegründete Kloster Gerleve seit 2020 leitet. Wichtiger sei ihm, wie sehr die Gemeinschaft mit Jesus Christus lebe. Ihr Vorbild solle andere Menschen nachdenklich machen und sich auf deren Leben auswirken: "Ob das zu einem Eintritt bei uns führt oder dazu, als Frau oder Mann in Beruf und Familie Christus zu folgen – das wäre mir gleich wichtig."

Der Abt wollte im Interview nicht ausschließen, dass sich die Zeit des Klosters Gerleve dem Ende zuneige – er glaube es aber nicht: "Wir sehen etwa in Frankreich, in den Niederlanden, aber auch in den USA und durchaus auch bei uns Menschen wieder intensiver fragen: Was soll das Leben? Was will ich leben? Und wie?", sagte er. Den Mönchen stelle sich allerdings die Frage, ob ihre Liturgie womöglich "zu verkopft" sei und mehr Emotionalität benötige. "Gäste, Mitbrüder und auch ich lieben die Nüchternheit unseres Lebens und unserer Liturgie, aber sie darf nicht zu einer unguten Gewöhnung werden", sagte Werner.

Mehr Präsenz in Sozialen Medien

Im Kloster sei man dankbar für Rückmeldungen, die etwa eine aktuellere und menschlichere Präsenz der Mönche in Sozialen Netzwerken fordern. Bei anstehenden Änderungen gelte es zu unterscheiden, ob es darum gehe, das Wort Gottes authentischer und evangeliumsgemäßer zu leben. "Oder will ich ändern, weil ich mir davon berechnend etwas verspreche – ein Mitgehen mit der Zeit, um womöglich vermeintlich aktueller zu leben?" Werner ergänzte: "Veränderungen, die sich so als notwendig und als Gotteszeichen erweisen, die müssten dann auch entschlossen und mutig angegangen werden."

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