Kölner Priestergruppe fragt nach Frauenweihe und Wort-Gottes-Feiern
Eine Priestergruppe im Erzbistum Köln hat deutliche Kritik am Zustand der Kirche in Deutschland geübt. "Die real existierende Kirche in Deutschland bietet zurzeit wenig Anlass, Hoffnung zu schöpfen, zumindest in den veröffentlichten Meldungen", heißt es in einem Offenen Brief von neun Priestern aus dem Weihejahrgang 1967, der katholisch.de vorliegt. Die Geistlichen fragen in dem Schreiben unter anderem nach der Frauenweihe und Wort-Gottes-Feiern mit Kommunionausteilung.
"Wir vermissen nach wie vor eine konsequente Teilhabe aller Mitglieder unserer Kirche an den Aufgaben und Diensten, die sich für unsere Glaubensgemeinschaft ergeben", heißt es in dem Brief. Es fehle immer noch die angemessene Wertschätzung für die vielfältigen Talente in allen Bereichen des kirchlichen Lebens. "Das gilt vor allem und in vollem Umfang für Frauen."
Zur Zeit Jesu seien Männer und Frauen seine Zuhörer gewesen und seien ihm nachgefolgt. "Warum sollten Frauen nicht in gleichem Maße wie Männer authentisch das Wort Gottes verkünden und auslegen? Warum dürfen sie immer noch nicht Weiheämter übernehmen?" In diesem Zusammenhang konstatieren die Priester weiterhin ein "starkes Hierarchiegefälle".
"Kreative Möglichkeiten des Internets" zu wenig genutzt
Weiterhin merken die Unterzeichner an, dass durch fehlende Priester kleinere Gemeinden "häufig" auf die Eucharistiefeier sonntags verzichten müssten. Dabei könnten Getaufte und Gefirmte in Wort-Gottes-Feiern mit Kommunionempfang den Vorsitz übernehmen. "Warum sollten solche Männer und Frauen nicht auch damit beauftragt werden, der sonntäglichen Messfeier vorzustehen?"
Die Priester werfen der Kirche vor, Initiativen und Projekte zur Glaubenserfahrung nicht konsequenter gefördert und "kreative Möglichkeiten des Internets" zu wenig genutzt zu haben. Dem Rückzug der Kirche aus dem öffentlichen Leben müsse durch engagierte Christen umgekehrt werden.
"Anstatt sich in endlosen Strukturdebatten zu erschöpfen, gilt es heute vor allem, sich beherzt auf den Weg Jesu zu machen." Die Autoren irritiert, dass zwischen dem weltweiten synodalen Prozess, dem Synodalen Weg in Deutschland und dem Pastoralen Zukunftsweg im Erzbistum Köln "eine erkennbare Vernetzung und eine konstruktive Abstimmung" fehle. Die Priester des Weihejahrgangs 1967 hatten bereits 2017 in einem Offenen Brief die Frauenweihe, die Lockerung des Zölibats und die Möglichkeit der konfessionsübergreifenden Teilnahme an Eucharistie und Abendmahl gefordert. (cph)