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Chinesische Neujahrs-Tradition hilft englischen Christen

Kreative Corona-Kommunion: Stäbchen statt Hand und Zunge

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Rev. Eileen Harrop, Vikarin in der Diözese Durham im Nordosten Englands, teilt die Kommunion mit Essstäbchen aus.
Durham - Die englische Vikarin Eileen Harrop liebt seit ihrer Kindheit in Singapur chinesisches Essen – dass sie als Pfarrerin einmal im Gottesdienst zu Stäbchen greifen würde, hätte sie wohl nicht gedacht. Doch die Pandemie verlangt nach kreativen Lösungen.

Die britischen Christen mussten lange auf Gottesdienste verzichten. Die Maßnahmen der Regierung gegen die Corona-Pandemie haben monatelang verhindert, dass gemeinsam in den Kirchen gefeiert werden konnte. Aber auch jetzt fühlen sich viele noch nicht sicher. Eine anglikanische Pfarrerin der Diözese Durham im Nordosten Englands hat sich daher auf ihre Wurzeln besonnen: Eileen Harrop, Vikarin in St. Mary's in Gainford und St. Andrew's in Winston, stammt aus der chinesischen Volksgruppe in Singapur und geht daher schon aus familiären Gründen virtuos mit Essstäbchen um. In ihrer Jugend hat sie in Singapur die chinesische Küche und chinesisches Kochen lieben gelernt.

Das nutzt sie jetzt in einem überraschenden Zusammenhang: "Viele meiner Gemeindemitglieder hatten Angst davor, die Kommunion zu empfangen, trotz strenger Sicherheitsauflagen", erzählt sie. "Da dachte ich mir: Warum nicht ein langes paar Stäbchen nehmen, und damit echtes Brot statt Hostien in die Hand der Gläubigen fallen lassen?" Auf diese Weise könne sie hygienisch die Kommunion spenden, ohne dass sich ihre Gottesdienstbesucher fürchten müssen.

Chinesisches Neujahrsritual, für den Gottesdienst adaptiert

Die von ihr für die Kommunion verwendeten Stäbchen sind besonders lang: "Normalerweise werden sie für den festlichen Brauch des 'Lo hei' genutzt", erläutert die Vikarin. "Lo hei" bedeutet übersetzt in etwa "Glück hochwerfen" und ist ein mit dem chinesischen Neujahrsfest verbundenes Ritual: Mit langen Stäbchen werfen die Festgäste gemeinsam die Zutaten des Fischgerichts "Yu Sheng" hoch, sagen dabei Glück- und Segenswünsche und bereiten das Gericht so gemeinsam zu. "Wenn man die Lo-Hei-Stäbchen für die Kommunion benutzt, erhalten sie noch eine größere Bedeutung als sonst", so Harrop.

Auch wenn die Spendung der Kommunion mit Stäbchen ungewohnt aussieht: Hygienische Hilfsmittel sind nichts Neues. Hostienzangen – die auch Menschen bedienen können, die sich mit Stäbchen unsicher fühlen – gehören zum Angebot jedes gut sortierten Geschäfts für liturgischen Bedarf. Wenn nicht gerade Pandemien herrschen, werden sie heute vor allem benutzt, damit Gläubige mit ihnen Hostien vor der Messe in ein Gefäß geben können und so nicht mehr gewandelt wird, als benötigt wird. In Zeiten der Pest wurden sie genutzt, um Kranken die Kommunion zu spenden – historische Hostienzangen, auf Latein forcipes, tenacula oder furcheta genannt, sehen eher aus wie lange Pinzetten – oder eben Stäbchen, die mit einem Scharnier verbunden wurden.

Harrop jedenfalls ist mit den von ihr erfundenen liturgischen Geräten zufrieden. Für ihre beiden Gemeinden ist die Premiere erfolgreich verlaufen. Die Gemeindemitglieder fühlen sich sicherer – und die Bilder der ungewöhnlichen Kommunionspendung gehen um die Welt: Zeitungen aus unzähligen Ländern haben Harrops Stäbchen-Kommunion aufgegriffen und Gainford und Winston, die zusammen keine 2.000 Einwohner haben, mit ihrer Pfarrerin weltberühmt gemacht.

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