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Literat biblischer Sprache

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München - Der Berliner Schriftsteller Ralf Rothmann (61) hat am Freitagabend in München den "Kunst- und Kulturpreis der deutschen Katholiken" erhalten. Die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung wurde dem in Schleswig geborenen und im Ruhrgebiet aufgewachsenen Literaten vom Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und dem Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, überreicht.

An der Feier nahmen mehrere Hundert Gäste aus Kirche, Politik und Medien teil. Kardinal Reinhard Marx sagte, der Literat öffne in seinen Büchern den Blick für die "Würde und Verletzlichkeit, die Sehnsüchte und Beschwernisse des Menschen in seiner Alltäglichkeit". Entscheidend sei, dass etwas gesagt werde, was auf keinen Fall ungesagt bleiben dürfe, so der Bischofskonferenz-Vorsitzende.

Er selbst habe biografische Anknüpfungspunkte in dem Werk Rothmanns gefunden. Auch ZdK-Präsident Alois Glück würdigte den Preisträger: "Ihr Werk stellt uns die Bedingungen des Menschseins in herausragender und eindringlicher Weise vor Augen - Leben, Lieben und Sterben in ihrer Fülle, aber auch in ihrer Härte."

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) sagte, Rothmann sei ein "Künstler, der den Blick weitet und die Sinne schärft für religiöse Erfahrungen - für Erfahrungen, die im ratternden Hamsterrad unseres Alltags und im Lärmen medialer Dauerbeschallung oft keinen Raum mehr finden".

Monika Grütters (CDU) ist Staatsministerin für Kultur und Medien.

Grütters kritisiert Haltung der Kirche zu Frauen

Anrührend habe er etwa die Größe kleiner Leute im Ruhrgebiet gezeichnet. Rothmanns Empathie für diese Menschen sei nicht nur erfahrungsgesättigt. Der Sohn eines Bergmanns habe schon als Maurer, Koch, Krankenpfleger und Drucker gearbeitet. In seinen Texten seien biblische Motive und religiöse Sprachmuster allgegenwärtig. Das zeige, dass Religion eine unerschöpfliche Inspirationsquelle für Künstler sein könne.

Grütters nutzte ihre Laudatio auch, um die Vergabepraxis beim Kultur- und Kunstpreis der deutschen Katholiken zu kritisieren. In den 25 Jahren des Bestehens dieser Auszeichnung sei es nicht gelungen, wenigstens einmal eine Frau als Einzelpreisträgerin zu würdigen. "Das ist - mit Verlaub - beschämend."

Für sie offenbare dies im Verhältnis zu Kunst und Kultur einen Mangel an Wertschätzung für die Leistung von Frauen, fügte Grütters hinzu. Dies sei innerkirchlich nur zu gut bekannt "in Form hartnäckigen Widerstands gegen eine gleichwertige respektvolle Einbeziehung von Frauen, zum Beispiel gegen das so überfällige Diakonat der Frau", meinte die Staatsministerin.

Beseelt von der Sprache der Bibel

Rothmann erzählte in seiner Dankesrede, dass er als Lektor mit den Briefstellen der Apostel seine erste Begegnung mit Literatur erlebt habe. Auch wenn er die Texte nie ganz verstanden habe, habe ihn doch die beseelte Sprache beeindruckt. Das Dichtersein verglich er mit dem Christsein. Beides könne es nicht geben, denn in beiden Fällen sei es ein ständiges "werden wollen".

Der "Kunst- und Kulturpreis der deutschen Katholiken" ist die höchste Auszeichnung der katholischen Kirche in diesem Bereich. Er wird seit 1990 alle zwei bis vier Jahre abwechselnd in den Bereichen Literatur, Architektur, Musik, Film, Bildende Kunst und Theater verliehen. (luk/KNA)

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