Liturgiewissenschaftler Stuflesser fordert Umdenken bei Taufpastoral
Der Liturgiewissenschaftler Martin Stuflesser fordert ein Umdenken bei der Taufpastoral. In einem Beitrag für das aktuelle Themenheft der Zeitschrift "Herder-Korrespondenz" spricht sich der Würzburger Theologe dafür aus, die Taufe stärker am ursprünglichen Modell des Erwachsenenkatechumenats auszurichten. Dazu müsse die bisherige Praxis stärker an eine tatsächliche Glaubenseinführung gebunden werden: "Solange die Säuglingstaufe bei uns den pastoralen Regelfall darstellt, erscheint es unabdingbar, das Bewusstsein um die eigene Taufe durch regelmäßige Tauferinnerungen zu stärken."
Eine derartige Tauferinnerung habe am ehesten einen Sitz im Leben in der Mitfeier der Taufe anderer. "Die positiven, freilich noch anfanghaften Erfahrungen mit dem Erwachsenenkatechumenat in Deutschland zeigen, dass die Mitfeier der Taufe anderer umso mehr zur Anfrage an das eigene Taufbewusstsein wird, je mehr sich Gemeinden für ihre Taufkandidaten verantwortlich fühlen – sei es als Paten oder in der Katechese", so Stuflesser weiter.
"Die idealtypische Rolle der Eltern, die die Weitergabe des Glaubens in einer Art nachgeholtem Katechumenat zu verantworten haben", wirke vielfach überfordernd, stellt der Theologe fest. Eine oft noch volkskirchlich sozialisierte Generation an Großeltern stehe einer Generation der "Enkel ohne Gott" ratlos gegenüber: "Wie funktioniert überhaupt noch so etwas wie 'Weitergabe des Glaubens'?" Außerdem werde bisher die Eingliederung von Kindern im Schulalter in die Kirche "stiefmütterlich" behandelt, obwohl sie in der Pastoral zunehmend wichtig werde.
Mehrere Zugänge zur Taufe
Grundsätzlich sieht Stuflesser drei Zugänge zur christlichen Glaubensgemeinschaft als theologisch sinnvoll und angemessen an: "erstens die Erwachseneninitiation mit Katechumenat; zweitens die Aufnahme des Kindes oder Säuglings in einen katechumenalen Prozess innerhalb eines Gottesdienstes, der zugleich einen Segensritus am Lebensbeginn darstellt, wobei die eigentliche Taufe mit zeitlichem Abstand nach einer Einübung in eine christliche Existenz erfolgt; drittens die bislang gängige Praxis der Säuglingstaufe, im Falle, dass die Eltern in die christliche Gemeinde integriert sind und eine entsprechende Erziehung oder Begleitung des Kindes im Sinne eines 'Katechumenates nach der Taufe' sicherstellen können."
Bereits jetzt sieht das im deutschen Sprachgebiet verwendete Rituale für die Kindertaufe in der 2007 erschienenen zweiten Auflage einen Ritus für eine "Feier der Kindertaufe in zwei Stufen" vor. Dieser Ritus besteht aus einer nach der Geburt stattfindenden "Feier der Eröffnung der Taufe", bei der der Täufling gesegnet wird, und der eigentlichen Taufe in zeitlichem Abstand. Stuflesser betont, dass "der zweigeteilte Ritus nicht als Taufaufschub oder gar Strafaktion misszuverstehen ist, sondern als sinnvolle Begleitung der Eltern auf deren Glaubensweg". Damit stelle die Form im Grunde ein Elternkatechumenat dar.