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Die Silvesterpredigten von Papst und den deutschen Bischöfen

Mahnungen zu Zuversicht

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Bischöfe und Kardinäle bei der Eröffnung der Bischofssynode 2012 in Rom.
Vatikanstadt/Bonn - Papst Benedikt XVI. und Vertreter der beiden großen Kirchen in Deutschland haben zum Jahreswechsel zu Dankbarkeit und Zuversicht aufgerufen. Zugleich mahnten sie mit Blick auf zahlreiche Herausforderungen in der Gesellschaft mehr sozialen Zusammenhalt an. Beim traditionellen Abendgebet im Petersdom mahnte der Papst die Christen, sich von der Flut bedrückender Nachrichten nicht entmutigen zu lassen.

"Ein Christ ist ein Mensch der Hoffnung, auch und gerade angesichts der Düsternis, die oft in der Welt herrscht", sagte Benedikt XVI. Wer die Welt wirklich verstehen wolle, dürfe sich nicht allein auf Nachrichten stützen, sondern brauche auch Zeit für die Stille, in der Gott spreche.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, nannte den Frieden und die Solidarität in Europa einen Grund zur Dankbarkeit. "Wir dürfen dankbar sein, dass Europa trotz aller Kritik und Schwierigkeiten in der Finanzmarktkrise nicht auseinandergefallen ist", sagte er am Silvesterabend im Freiburger Münster. Auch er rief die Christen auf, sich "von der Last und dem Dunkel des Alltags nicht erdrücken zu lassen".

Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider, appellierte in seiner Neujahrsbotschaft, Gegenwart und Zukunft "getrost und hoffnungsvoll anzunehmen und zu gestalten". Christen könnten sich mit dem "Hier und Heute" des Alltags und der Welt nicht zufriedengeben, heißt es in der bereits am Sonntag in Hannover veröffentlichten Ansprache.

In Berlin warnte Kardinal Rainer Maria Woelki vor einer zunehmenden "Kultur des Todes". Mit Blick auf die Gewalt in der Hauptstadt sagte er am Silvesterabend in der Sankt-Hedwigs-Kathedrale, "Gläubige, Andersgläubige wie Ungläubige" seien gleichermaßen aufgerufen, ihren Beitrag zu einem friedvollen Zusammenleben zu leisten. Nötig sei auch "ein klares und eindeutiges Nein" gegenüber "Euthanasie in ihren verschiedensten Spielarten".

Ähnlich verlangte Kardinal Karl Lehmann in Mainz mehr Einsatz für den Lebensschutz. Ausdrücklich wandte er sich gegen Beihilfe zum Suizid. Wer aus psychischen oder anderen Gründen keinen Sinn mehr im Leben sehe, benötige Hilfe zum Leben und nicht Hilfe zum Sterben, so Lehmann bei der Jahresschlussandacht im Mainzer Dom.

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx kritisierte in seiner Silvesterpredigt eine "Kultur des Misstrauens". Diese stehe zusammen mit Egoismus am Ursprung der Finanz- und Schuldenkrise. Notwendig sei eine "Erneuerung lebensnotwendiger moralischer Selbstverständlichkeiten". Mehr Bemühen um Glaubwürdigkeit forderte er nicht nur von Bankern und Politikern, sondern auch von Medien und Kirchenvertretern.

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner lud für 2013 zur Teilnahme an dem von Papst Benedikt XVI. ausgerufenen "Jahr des Glaubens" ein.

Der Papst wolle, dass die Menschen durch einen erneuerten Glauben "aus der Macht und der Sklaverei der Dinge und Ideologien der Welt befreit werden", sagte Meisner am Montagabend im Kölner Dom. "Wir können uns selbst und unseren Mitmenschen keinen größeren Dienst schenken, als diese Befreiung durch einen erneuerten Glauben anzunehmen und weiterzugeben", so der Kardinal.

Der Hamburger Erzbischof Werner Thissen rief die Christen auf, ihren Glauben im Sinne einer "praktizierter Religionsfreiheit" in die Gesellschaft hineinzutragen. Es gehe nicht nur darum, andere in ihrer Religionsausübung nicht zu behindern. Religionsfreiheit im positiven Sinn bedeute vielmehr, "dem bedürftigen Nächsten in unserer Umgebung und weltweit" zu helfen, betonte der für das Hilfswerk Misereor zuständige Bischof.

Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst sprach sich dafür aus, Ehe und Familie zu stärken. Mit dem vom Bundestag unlängst beschlossenen Betreuungsgeld sei ein materieller Anfang in diese Richtung gemacht, so der katholische Familienbischof. Dieser materielle Anfang müsse nun einen ideellen Bewusstseinswandel nach sich ziehen.

Der evangelische Landesbischof in Bayern, Heinrich Bedford-Strohm, warnte davor, das eigene Lebensglück an materiellen Wohlstand zu binden. Dies sei "nicht der Weg der Freiheit, sondern eine Form von Knechtschaft", sagte Bedford-Strohm in seiner Neujahrspredigt. Innere Freiheit lasse sich vielmehr gewinnen, wenn man sein Geld "für andere fruchtbar" werden lasse. (luk/KNA)

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