Marx: Bei Eucharistieempfang auf den Weg Jesu einlassen
Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hat jeden einzelnen Gläubigen dazu aufgerufen, sich beim Eucharistieempfang auf den Weg Jesu einzulassen. Jeder solle glauben, "dass Christus gegenwärtig ist, sonst bleibt das Sakrament unfruchtbar", sagte er am Dienstagabend im Münchner Liebfrauendom. Doch Marx fragte auch: "Wer nicht bereit ist, dem Weg Jesu zu folgen, sich als Bruder und Schwester Jesu an seine Seite zu stellen, wie kann der fruchtbar die Eucharistie empfangen?"
Auch solche Fragen gelte es in die Diskussion einzubeziehen, erklärte der Kardinal. In Kategorien sei die Erlaubnis zum Kommunionempfang nicht so einfach festzuhalten. "Die wahre Kirche, ja, das ist bezogen auf den Glauben, aber der Glaube allein ist es nicht. Für Jesus gilt auch das Leben und für Jesus gilt die Gemeinschaft des Gebetes", betonte der Kardinal. Diese drei Punkte gehörten zusammen, wenn es darum gehe, die wahre Kirche zu finden. "Und da laden wir alle ein mitzugehen - das ist unser Auftrag als Kirche."
Wer ist mein Bruder? Wer meine Schwester?
Auf dem Weg in die Zukunft der Kirche komme es darauf an, auf Jesus Christus und seine Handlungen zu schauen, betonte der Erzbischof. Jesus habe das Volk Gottes revolutioniert, er habe es aus allen Ständen und Klassen gesammelt. Die Kirche könne nicht mehr nationalistisch sein, nur auf eine Kultur bezogen. "Da gelten keine Beziehungen, da gilt nicht Geld und Hautfarbe, da gilt, ob jemand hört und das Wort Gottes umsetzt, ob jemand lebt im Geist des Evangeliums. Der ist für mich Bruder und Schwester."
Anlass der Predigt war der Gedenkgottesdienst zum 42. Todestag von Kardinal Julius Döpfner (1913-1976). Döpfner sei "ein solcher Mann der Aufmerksamkeit für den neuen Anfang" gewesen, "aber im Bewusstsein des großen Weges der Kirche", erinnerte der Kardinal. Das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965), bei dem er mitgewirkt habe, habe "eine Tür geöffnet aus der großen geistlichen Tradition in die Zukunft der Kirche". Heute befinde sich die Kirche weltweit "in einer großen Suchbewegung" und laufe immer wieder Gefahr, "sich einzumauern, sich abzuschließen". "Aber nicht eine Kirche, die sich abschließt, gewinnt die Zukunft, sondern eine Kirche, die fest in der Tradition steht und dann die Türe aufmacht, um alle einzuladen, diesen Schatz zu entdecken." (bod/KNA)