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In Bethlehem bildet ein Orden palästinensische Handwerker aus

Mechatronik an der Wiege Jesu

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Die Geburtskirche in Betlehem steht über der vermuteten Geburtsstätte Jesu Christi. Sie gehört zu den wichtigsten Gebäuden in der 25.000-Einwohner-Stadt.
Bethlehem - Pater Mario Murro ist Ordensmann mit besonderer Mission. Seine kleine Herde in Bethlehem lehrt er Löten, Feilen, Rechnen und Zeichnen. Die Technische Schule seines Ordens in der Geburtsstadt Jesu ist die einzige katholische Schule ihrer Art in ganz Palästina. In den Sparten Mechatronik und Industrieelektronik ist sie die einzige palästinensische Ausbildungsstätte überhaupt.

Die Ursprünge der heute so modernen Einrichtung liegen schon in den 60er Jahren des 18. Jahrhunderts: Damals gründete der italienische Priester Antonio Belloni ein Waisenhaus, das die Salesianer 1891 übernahmen. Aus ihm wurde eine Grundschule, dann eine Mittelschule. Man geht mit der Zeit: "Die Schule entwickelt sich beständig weiter, nach den Bedürfnissen der Menschen vor Ort", erklärt Pater Mario. Aus einer am traditionellen Handwerk wie Schneider oder Schumacher orientierten Lehranstalt wurde eine technische Schule, und auch die passt sich Veränderungen des Marktes an: "Radios und Fernsehgeräte repariert man heute kaum noch - deshalb haben wir diese Sektion zugunsten einer neuen aufgegeben."

Traditionell wird ein Handwerk in Palästina innerhalb von Familienbetrieben vom Vater auf den Sohn weitergereicht. Lehrstätten wie die der Salesianer in Bethlehem sind daher selten. Auch deshalb sagt der aus Italien stammende Pater stolz: "Generationen von Handwerkern sind durch unsere Schule gegangen."

Mädchen nur im Kunsthandwerk

Inzwischen fahren die Salesianer in Bethlehem mehrgleisig: Die eigentliche Technische Schule bietet eine dreijährige Ausbildung in den Bereichen Elektrik, Mechanik, Automechanik/Mechatronik und Industrieelektronik. Daneben gibt es ein Berufstrainingszentrum mit zwölf verschiedenen Jahreskursen für junge Leute "mit guten handwerklichen Begabungen, die Schwierigkeiten in der Schule" haben. Die Schüler kommen aus Bethlehem und umliegenden Orten sowie aus Hebron; knapp ein Viertel von ihnen sind Christen.

Schüler der technischen Schule der Salesianer in Bethlehem.

Mädchen sucht man vergebens - nicht, weil die Salesianer keine Schülerinnen annähmen: "Theoretisch ist die Schule offen für Mädchen", sagt Pater Mario. Aber Frauen als Mechaniker kann sich hier niemand vorstellen. "Es ist schwer, die Mentalität zu verändern." Immerhin: Das 2005 gegründete Kunsthandwerkszentrum, der dritte Zweig der Salesianer in Bethlehem, hat schon heute gemischte Kurse.

Fünf Prozent der jungen Palästinenser, so Pater Mario, wählen den Weg in einen technischen Beruf. "Viele Menschen bevorzugen eine akademische Ausbildung", sagt er, "dabei finden fast alle unsere Schüler eine Anstellung". Das hat mittlerweile auch das palästinensische Arbeitsministerium erkannt: Mit einer aktuellen Kampagne will es den Anteil der Absolventen in technischen Berufen auf bis zu 13 Prozent erhöhen.

Ohne Spenden müsste die Schule schließen

Die Schule, die Schüler ab der zehnten Klasse unterrichtet, ist seit 1969 von den politischen Autoritäten anerkannt. Öffentliche Gelder erhält sie nicht. Durchschnittlich 3.000 Schekel - rund 630 Euro - betragen die Schulgebühren pro Jahr. Viele Schüler können sich den Betrag nicht oder nicht vollständig leisten. Die Schule kämpft mit einem finanziellen Defizit. Nur knapp die Hälfte der laufenden Kosten - 337.000 Euro - werden durch das Schulgeld gedeckt, sagt Pater Mario. "Ohne unsere Gönner aus Deutschland und der Schweiz würden wir nicht überleben."

Schon jetzt stellt die angespannte Finanzlage die Salesianer vor große Herausforderungen. Die Löhne für das Lehrpersonal sind niedrig, nicht immer kann die Schule es sich leisten, eine Krankenversicherung für ihre Angestellten abzuschließen. "Wir müssen weitere Geldmittel einwerben, andernfalls müssen wir irgendwann schließen", sagt der Pater. Bemühungen um eine bessere Auslastung zeigen Erfolge: Waren 2010/11 im technischen Zweig 103 Schüler eingeschrieben, so sind es jetzt 162. Pater Mario ist überzeugt, dass die Schule eine sinnvolle Rolle für die Palästinenser spielt. "Diejenigen, die das wissen, unterstützen uns."

Von Andrea Krogmann (KNA)

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