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Der Osnabrücker Bischof fordert eine Quote für Führungspositionen

Mehr Frauen an die Macht

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Der Bischof von Osnabrück, Franz-Josef Bode.
Bonn - Von manchen Frauen wird die katholische Kirche als Männerclub empfunden. Das Gefühl, nicht erwünscht zu sein, ist stark - und leider oft berechtigt" - es ist keine Frau, die diese Worte wählt, sie stammen vom Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode. Er ist Leiter der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und damit auch für Frauenfragen zuständig. In einem Interview mit der "Zeit"-Beilage "Christ & Welt" analysiert er jetzt offen die Lage von Frauen in der Kirche.

Besonders, wenn es um Führungspositionen geht, hat die katholische Kirche Nachholbedarf. Für Arbeitsstellen, für die die Priesterweihenicht Voraussetzung ist, hat sie sich bereits konkrete Ziele gesetzt, wie Bischof Bode in dem Interview erklärt: "Wir haben uns intern eine Quote von 30 Prozent verordnet". Nähere sich die Kirche dem Ziel an, können sie nur profitieren: "Wir hätten zum Beispiel anders auf das ganze Thema Missbrauch reagiert, wenn es mehr Frauen in den entscheidenden Gremien gegeben hätte", analysiert Bode. Es ist für ihn jedoch klar, dass es keine Priesterinnen in der katholischen Kirche geben kann. Das gehe aus der kirchlichen Lehre hervor und das habe auch Papst Franziskus bestätigt.

Wir haben uns intern eine Quote von 30 Prozent verordnet

Bischof Franz-Josef Bode

SekretärIN der Deutschen Bischofskonferenz?

Aber Bode kann sich zum Beispiel grundsätzlich vorstellen, dass aus dem "Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz" künftig eine "Sekretärin" wird. "Warum soll alle Leitung in der Kirche an das Priesteramt geknüpft sein? Wenn es da mehr Entkopplung gäbe, dann könnten Frauen auch ohne Weihe schon jetzt mehr Verantwortung übernehmen", erklärt Bode.

Eine Frau steht im roten Pullover vor einem grauen Hintergrund und ruft in ein Megafon.
Frau mit Megafon. (Symbolbild)

Diesen Punkt beanstanden auch Frauen, die in der Kirche arbeiten: "Lange bevor wir darüber reden, ob Frauen die Priesterweihe bekommen, sollten wir erst mal darüber sprechen, wie viele Stellen in den Bistümern von Priestern besetzt sind, obwohl diese Aufgabe auch Laien übernehmen können", erklärt die Bundestagsabgeordnete Claudia Lücking-Michel (CDU), die von 2004 bis 2013 Generalsekretärin des Cusanuswerks war, kürzlich gegenüber katholisch.de. Und Gertrud Rapp, die die Rechtsabteilung der Diözese Freiburg leitet, kritisiert: "Die Gemeinden suchen händeringend nach Pfarrern und bei uns im Haus werden diese mit Aufgaben betraut, die auch andere leisten können".

Aus ihrer Erfahrung wissen die Beiden, dass es gar nicht so einfach ist, sich als Frau in der Kirche durchzusetzen: Auf die Frage, wie sie Arbeitssitzungen erlebe, antwortet Gertrud Rapp: "Es ist furchtbar! Wenn ein Mann etwas sagt, hat das viel mehr Gewicht. Ich trage etwas vor und keiner sagt was. Dann sagt ein Mann genau das gleiche mit anderen Worten und plötzlich heißt es: Ahh!". Und Claudia Lücking-Michel erklärt: "Wenn man die einzige Frau in der Runde ist, kommt man mit seinem Kommunikationsstil und Verhalten einfach nicht vor."

Angst vor Machtverlust

Dass die Männer in der Kirche im Umgang mit dem anderen Geschlecht noch einiges zu lernen haben, bemerkt auch Bischof Bode selbstkritisch im Interview mit "Christ __amp__ Welt". Und er nimmt die anderen Bischöfe nicht aus. Vor einem Jahr habe es bei der Vollversammlung der Bischöfe einen Studientag zur Rolle der Frau gegeben. Alle eingeladenen Rednerinnen hätten aber hinter den Bischöfen gesessen: "Das zeugt nicht gerade von einem sensiblen Umgang". Und noch ein weiteres Beispiel fällt dem Oberhirten der Diözese Osnabrück ein: "Noch immer erlebe ich, dass mir in Pfarreien nur der Priester vorgestellt wird, die Pastoralreferentin aber nicht".

Innerhalb der Bischofskonferenz gebe es für seine Arbeit als Frauenbischof zwar einerseits Unterstützung. "Aber ich merke natürlich auch, dass einige Mitbrüder dieses Thema nicht gern angehen", sagt Bode. Das sei auch mit der Furcht vor Machtverlust zu erklären: "Diese Angst gibt es oft, wenn es um das Verhältnis zwischen Priestern und Laien überhaupt geht", hat er beobachtet. Wie überall, so gebe es auch im Klerus die "Versuchung, sich mit schwachen Leuten zu umgeben, um sich selbst stark zu fühlen".

"Will mir Unbefangenheit gegenüber Frauen behalten"

Für zölibatär lebende Männer ist es nicht unbedingt leicht, mit Frauen selbstverständlich umzugehen

Bischof Franz-Josef Bode

Gleichzeitig wirbt er jedoch um Verständnis: "Für zölibatär lebende Männer ist es nicht unbedingt leicht, mit Frauen selbstverständlich umzugehen", gibt Bode, der mit vier älteren Schwestern aufgewachsen ist, zu und ergänzt: "Mir ist es wichtig, eine gewisse Unbefangenheit gegenüber Frauen zu behalten". So sei er bis heute Mitglied in einem Familienkreis, dem natürlich Ehepaare angehörten.

Beide Geschlechter dürften nicht gegeneinander ausspielt werden, sondern es müsse eine Kirche mit Frauen und Männern geben. "Mir ist auch klar: Wenn die Frauen heute ihre Arbeit in der Kirche niederlegten, dann würde die Kirche zusammenbrechen", resümiert Bode. Das zeige sich auch in der Schrift: Da waren Maria und Johannes zusammen unter Jesu Kreuz. Um am Tag der Auferstehung seien es die Frauen, die vor dem Grab Jesu ausgeharrt hätten.

Von Gabriele Höfling

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