"Meilenstein" für wiederverheiratete Geschiedene
Das Hirtenwort der deutschen Bischöfe zu Ehe und Familie stößt auf positive Resonanz. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) sieht darin eine Unterstützung des Schreibens "Amoris laetitia" von Papst Franziskus. Besonders begrüßt ZdK-Präsident Thomas Sternberg den "einheitlichen Willen unserer Bischöfe", der Gewissensentscheidung Wiederverheirateter beim Sakramentenempfang eine zentrale Bedeutung zu geben. In diesem Prozess bräuchten die Gläubigen eine intensive seelsorgliche Begleitung und die Rückendeckung der Bischöfe. "Darauf haben viele katholische Frauen und Männer lange und unermüdlich gewartet und dafür gebetet", sagte Sternberg.
"Haltung der offenen Arme"
Voll des Lobes sind auch die katholischen Frauenverbände. Der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) nennt die Aussagen der Bischöfe zu Wiederverheirateten einen "Meilenstein für die Neuausrichtung der Ehe-und Familienpastoral". Sie machten jenen Mut, die nach einer gescheiterten Ehe ihren Platz in der Kirche neu finden wollten, findet Präsidentin Maria Flachsbarth. Der KDFB fordert die Seelsorger auf, wiederverheirateten Geschiedenen den Weg zum Empfang des Beicht- und Bußsakraments zu ebnen.
Bei der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) wird das Bischofswort ähnlich aufgenommen. Deren Bundesvorsitzende Maria Theresia Opladen hält es für die "betroffenen Frauen und Männer wichtig, dass es keine pauschalen Urteile oder Verallgemeinerungen mehr geben soll, sondern eine sorgfältige Gewissensprüfung im Vordergrund steht." Den Bischöfen attestiert der Verband einen "realitätsnahen und neuen Blick auf die vielfältigen Lebenssituationen von Familien und Ehepaaren." In der seelsorglichen Begleitung auf dem Weg zur Gewissensentscheidung sollen nach Ansicht der kfd neben Priestern auch die pastoralen Mitarbeiter in der kirchlichen Ehe- und Familienberatung einbezogen werden.
Was sind Sakramente? Ein Beitrag der Serie "Katholisch für Anfänger".
Ähnlich sieht das der Familienbund der Katholiken. Präsident Stefan Becker begrüßt "die Haltung, die das Wort der Bischöfe prägt: eine Haltung der offenen Arme und des genauen Zuhörens". Die deutschen Bischöfe erfüllten damit, was Familien sich lange erhofft hätten. Starre und rigorose Regeln würden der Lebenswirklichkeit der Menschen dagegen nicht gerecht. "Es freut uns, dass die Bischöfe dies noch einmal ausdrücklich anerkennen." Auch das Vorhaben, mehr für die Ehevorbereitung- und begleitung zu tun, findet die Zustimmung des Familienbunds, der ebenfalls fordert, die bestehenden Angebote auszubauen.
Auch einige Bischöfe äußerten sich noch einmal zu ihrem Schreiben. Wie von den Verbänden gefordert, will der Trierer Bischof Stephan Ackermann die Ehe- und Familienpastoral in seinem Bistum ausbauen. Dabei könne auf die bestehenden Angebote aufgebaut und an die Diskussionen der gerade beendeten Bistumssynode angeknüpft werden, sagte Ackermann. Es brauche etwa Fortbildungen für Priester und Seelsorger, die in der Ehe- und Familienpastoral wirkten. "Wir Bischöfe haben uns intensiv mit Amoris laetitia befasst und wollen das Schreiben nun in das Leben unserer Diözesen hinein übersetzen und konkretisieren". Der Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen erfordere ein hohes Maß an Verantwortlichkeit. Am Ende dieses Weges könne die Entscheidung stehen, die Sakramente der Versöhnung und der Eucharistie zu empfangen.
Das betont auch der Berliner Erzbischof Heiner Koch. "Wir schreiben, dass es in begründeten Einzelfällen nach einem längeren Prozess eine Gewissensentscheidung der Gläubigen geben kann, die Sakramente zu empfangen, die es zu respektieren gilt", erklärt der Familienbischof in einem Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur. Die Bischöfe wollten "Amoris leatitia" mit ihrem Hirtenwort nichts hinzufügen, sondern es im Geist des Papstes auslegen. Ein weiterer wichtiger Aspekt des Bischofsworts ist auch für ihn der Ausbau der Ehevorbereitung und –begleitung. In der Gesellschaft seien im Vergleich zu früheren Jahrzehnten viele Stützen weggebrochen: "Deshalb wollen wir Paare und Familien begleiten - durch Höhen und Tiefen", so Koch.
Als Familienseelsorgerin im Erzbistum Berlin wird Ute Eberl das Bischofswort zu "Amoris laetitia" in ihrem Bistum umsetzen. Sie berichtet, warum es nicht schon früher veröffentlicht wurde und was ihr daran gefällt.
Holger Dörnemann von der Hauptabteilung Seelsorge des Erzbistums Köln bezeichnete gegenüber domradio.de das Bischofsschreiben als eine "Kehrtwende" im Umgang mit Wiederverheirateten. "Was vormals nicht möglich war, wird jetzt als möglich erachtet." Nun stünden die Seelsorger vor der anspruchsvollen Aufgabe, "in der konkreten Situation das Beste zu finden".
Familie als Lernort des Glaubens
Rund neun Monate nach der Veröffentlichung des Papstschreibens "Amoris laetitia" hatten die deutschen Bischöfe am Mittwoch ein gemeinsames Wort zur Familienpastoral veröffentlicht. Darin kommen sie zu dem Ergebnis, dass wiederverheiratete Geschiedene Beichte und Eucharistie unter bestimmten Voraussetzungen empfangen dürfen. Das siebenseitige Wort gliedert sich in vier Kapitel. Neben der Frage nach dem Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen geht es um die Themen Ehevorbereitung, Ehebegleitung und die Stärkung der Familie als Lernort des Glaubens. (gho)
6. Februar 2017: Ergänzt um Stellungnahme der kfd vom 2. Februar.
Lange hat es gedauert, bis die deutschen Bischöfe sich auf eine gemeinsame Position zu Amoris Laetitia verständigt haben. Das Ergebnis stellt die Weichen für Pastoral und Dogmatik im Sinne des Papstes.