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Erzbischof Koch schreibt Brief an Gemeinden

Missbrauch: Erzbistum Berlin will Pfarreien bei Aufarbeitung helfen

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Berlin - Die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen ist gerade in den betroffenen Pfarrgemeinden oftmals mit besonderen Herausforderungen verbunden. Das Erzbistum Berlin bietet den Pfarreien deshalb nun konkrete Hilfe bei der Aufarbeitung der Taten an.

Das Erzbistum Berlin will Pfarrgemeinden, in denen es zu Fällen sexualisierter Gewalt gekommen ist, bei der Aufarbeitung der Taten unterstützen. In einem Schreiben an alle Pfarrgemeinden in der Erzdiözese bot Erzbischof Heiner Koch am Donnerstag unter anderem an, persönlich in die Pfarreien und Gemeinden zu kommen, "um gemeinsam mit Fachleuten aus Intervention, Aufarbeitung und Prävention mit Ihnen und interessierten Gemeindemitgliedern ins Gespräch zu kommen". Es solle ein geschützter Raum für offenen Austausch angeboten werden, um sich den Emotionen und Fragen zu stellen, Schuld oder Pflichtverletzungen von Verantwortlichen und daraus resultierende Konsequenzen zu benennen und möglichen weiteren Betroffenen Hilfe anzubieten und Ansprechpersonen zu nennen.

Als Grund für das Angebot verwies Koch auf die im Juni erfolgte Veröffentlichung von Teil C des Gutachtens zu sexuellem Missbrauch an Minderjährigen durch Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich des Erzbistums Berlin seit 1946. Gerade dort, wo Täter im Gutachten mit Klarnamen genannt oder identifiziert worden seien, beobachteten oder befürchteten die Pfarrgemeinden möglicherweise Dynamiken, die die Seelsorge und die Arbeit in der Gemeinde belasteten. "In jedem Fall stehen Sie vor der Frage: Wie gehen wir als Gemeinde mit diesem (neuen) Wissen um? Mit dieser Frage wollen wir Sie nicht allein lassen. Ich ermutige Sie ausdrücklich, sich dieser Frage zu stellen", betonte Koch in dem Schreiben.

Koch: "Fürmöglichhalten" von Missbrauch ist kein Generalverdacht

"Wir wollen Sie dabei unterstützen, Raum und Möglichkeiten für offene und einfühlsame Gespräche anzubieten und sich auf einen Prozess der Reflexion und Aufarbeitung einzulassen", so der Erzbischof weiter. Dabei müsse das Leid der betroffenen Kinder und Jugendlichen im Vordergrund stehen. Die Aufarbeitung solle dazu beitragen, den Betroffenen Gerechtigkeit zu verschaffen und Kinder, Jugendliche sowie erwachsene Schutzbefohlene bestmöglich vor sexualisierter Gewalt zu schützen – heute und in Zukunft. Da das Thema sexualisierte Gewalt häufig eine eigene Dynamik entwickle und eine Belastung für Teilnehmende bedeuten könne, sollten entsprechende Gespräche von externen Ansprechpersonen traumatherapeutisch begleitet werden. Koch bot zudem seine Unterstützung an, wenn eine Pfarrei oder eine Gemeinde einen eigenständigen und extern begleiteten Aufarbeitungsprozess beginnen wolle. Als Ansprechpartnerin nannte der Erzbischof die Interventionsbeauftragte des Erzbistums, Birte Schneider.

In seinem Schreiben bezeichnete es Koch als Lehre aus der bisherigen Aufarbeitung des Missbrauchsskandals, dass nur dort, wo Menschen sexualisierte Gewalt nicht von vornherein ausschlössen und Missbrauch für möglich hielten, betroffene Kinder und Jugendliche eine Chance hätten, dass ihre Hilferufe, ihre Signale und oft verschämten Mitteilungen auf offene Ohren stießen. "Dieses 'Fürmöglichhalten' wird oft als Generalverdacht bezeichnet und daher zurückgewiesen. Ich teile diese Einschätzung nicht", so der Erzbischof. Das verlorene Vertrauen in die Kirche, ihre Institutionen und Personen schmerze ihn, es sei angesichts der traurigen Realität aber berechtigt und nicht zu ändern: "Das verlorene Vertrauen zu beklagen hilft uns nicht, wenn es darum geht, Anvertraute zu schützen und zu stärken und nachhaltige Hilfe zu bieten." Vertrauen könne die Kirche nur durch Transparenz im eigenen Handeln und klare Regeln für sensible Nah- und Abhängigkeitssituationen erreichen, wie sie in den Institutionellen Schutzkonzepten vorgesehen seien. (stz)

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