Miteinander statt Spaltung
Oft seien es nicht theologische Gründe, die das Miteinander der Kirchen erschwerten, sondern "konfessionelle Gefühligkeiten". Thissen sprach als Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz vor der Synode, die noch bis Mittwoch tagt.
Die katholische Kirche habe viel von Martin Luther (1483-1546) gelernt, so der Erzbischof weiter. Auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) seien manche Anliegen des Reformators gewürdigt und aufgegriffen worden, etwa die Verpflichtung auf das Wort Gottes, die Freiheit der Glaubenszustimmung und das Gewissen als unüberbietbare Instanz. Papst Benedikt XVI. habe bei seinem Besuch im September 2011 in Erfurt betont, wie sehr Luther existenziell auf Christus ausgerichtet gewesen sei.
Versöhnungsprozess ist geplant
Mit dem Begriff "Jubiläum" für das Gedenken an 500 Jahre Reformation tue er sich schwer, weil das Jahr 1517 wesentlich mit der Spaltung der beiden Kirchen zusammenhinge, so Thissen. Umso wichtiger sei es für die Kirchen mit Blick auf das Jahr 2017, "das, was uns verbindet, weiter zu entwickeln".
Vor rund 120 Kirchenparlamentariern wies Thissen darauf hin, dass die katholischen Bischöfe und die EKD einen Versöhnungsprozess hinsichtlich des "Unversöhnlichen zwischen uns seit 1517" planen. Konkret könne es um Buße und Umkehr gehen. "Dabei könnte deutlich werden, dass wir uns weniger gegenseitig vorzuwerfen haben, sondern dass wir uns vielmehr gegenseitig um Vergebung zu bitten haben", erläuterte der Erzbischof. Thissen begrüßte, dass der Lutherische Weltbund und der Päpstliche Einheitsrat einen gemeinsamen Text zur Bedeutung der Reformation formulieren wollten. (luk)