Müller: Deutsche Bischöfe sollen Ende des Pflichtzölibats fordern
Der katholische Theologe und Psychotherapeut Wunibald Müller dringt auf weitere Konsequenzen aus der Missbrauchskrise in der Kirche. Die deutschen Bischöfe sollten "in einer Petition beim Papst die Aufhebung des Pflichtzölibats fordern, es wirklich zu ihrer Sache machen", sagte Müller am Mittwoch bei heute.de. Die bisherigen "kleinen Veränderungen" reichten nicht aus: "Wir sind in einer Zeit, die mit der der Reformation vergleichbar, mitunter sogar dramatischer ist." Am (heutigen) Mittwoch befassen sich die Bischöfe bei ihrer Frühjahrsvollversammlung in Lingen auf einem Studientag mit den Folgen des sexuellen Missbrauchs durch Geistliche.
Desweiteren warb der Theologe für die Weihe homosexueller Männer zu Priestern. Die päpstliche Instructio, nach der dies verboten sei, solle zurückgenommen werden, erklärte Müller. Zudem sollten mehr Frauen etwa im geistlichen Rat oder Domkapiteln vorkommen "und irgendwann einmal die Hälfte davon stellen". Zur Stimmung unter den Gläubigen sagte der frühere Leiter des Recollectio-Hauses in Münsterschwarzach: "Die Leute sagen einfach: Wenn ihr die Macht nicht teilt, dann verweigern wir uns euch, dann machen wir vor Ort unser Ding - und dann geht es in diese Richtung weiter."
"Und jetzt müssen die jungen Bischöfe den Kopf hinhalten"
Die unmittelbaren Konsequenzen seien die Bischöfe nach Veröffentlichung der Missbrauchsstudie im vergangenen September angegangen, fügte Müller hinzu: "Opferschutz, Präventionsordnung, Richtlinien". Im weltweiten Vergleich spiele die deutsche Kirche damit eine Vorreiterrolle. Es handle sich jedoch lediglich um die "erste Stufe", und es habe "20 Jahre gedauert, bis die Bischöfe so weit waren zu kapieren: Missbrauchsopfer sollten im Mittelpunkt stehen. Und jetzt müssen die jungen Bischöfe den Kopf hinhalten für das, was die alten Bischöfe verbockt haben." Auf diesen Weg "hätte man sich schon vor zehn oder 15 Jahren" begeben können, kritisierte der Theologe.
Wunibald Müller (68) leitete von 1991 bis 2016 das Recollectio-Haus der Abtei Münsterschwarzach. Zuletzt hatte er den Anti-Missbrauchsgipfel im Vatikan scharf kritisiert. Dieser habe nicht die gewünschte Wende oder gar Umkehr eingeleitet. Im Gegenteil: Die verantwortlichen Bischöfe mit Papst Franziskus an der Spitze zeigten, "dass sie offensichtlich den Ernst der Lage nicht erkannt haben", so Müller. Die Kirche sei auf dem besten Weg, "mit Karacho an die Wand" zu fahren. (tmg/KNA)