Suche
Mut zur Veränderung und Grüße aus Las Vegas

Münchner Kunstschau über die Zukunft leerstehender Kirchen

Dieser Inhalt ist nur erlaubt, wenn Sie Cookies vom Typ "readspeaker" zulassen.

Ein Restaurant in einem Kirchengebaeude
München - Was tun mit nicht mehr genutzten Kirchenräumen? Dieser Frage geht eine Ausstellung in München nach. Gezeigt werden kreative Vorschläge für Gotteshäuser im süddeutschen Raum, die Hoffnung machen.

Die Zahl der Mitglieder von beiden großen Kirchen schrumpft zusehends. Man muss kein Hellseher sein, um zu erkennen, dass damit auch Gotteshäuser immer weniger gebraucht werden. Was also tun, um sie nicht dem Verfall preiszugeben? Kirchenräume stellen für jeden Ort und die Gesellschaft wertvolle öffentliche Räume dar, die identitätsstiftend sind – sie sind ein unglaublicher bauhistorischer und kultureller Schatz, dessen Pflege und Bewahrung zunehmend schwierig wird.

Oft werden Kirchengebäude nur als (Bau-)Last empfunden und man betrachtet sie retrospektiv, als historische Monumente einer vergangenen Zeit. Dabei sind sie die Schlüsselräume für die Zukunft der Kirche(n). Denn einen spezielleren Ort für die Präsenz Gottes gibt es für das Christentum nicht. Kirchengebäude sollen den Menschen die Begegnung mit dem Heiligen und Göttlichen ermöglichen. Wenn sie aber nicht mehr regelmäßig für Gottesdienste genutzt werden, gilt es darüber nachzudenken, wie sie mit neuem Leben gefüllt werden könnten.

Nichts soll verloren gehen

An diesem Punkt setzt die aktuelle Schau "Kirche Raum Gegenwart" im DG-Kunstraum in München an. Bis 16. März beschäftigt sich die Ausstellung mit der Transformation von Gotteshäusern in Süddeutschland. Sie zeigen "aufgeschlossene" Kirchenräume, die liturgische Orte bleiben und sich gleichzeitig für neue Nutzungen öffnen – etwa Konzerte und Ausstellungen, Lesungen und Diskussionen. Auch ein schlichtes Kirchengebäude hat schließlich durch seine Architektur und Ausstattung sowie seine reichhaltige Symbolik immer noch viel zu erzählen. Hauptziel ist deshalb, dass nichts endgültig verloren geht, sondern nur eine neue Form annimmt.

Aus Anlass der Ausstellung hat die Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst (DG) vier Entwürfe beauftragt. Sie wurden für die betreffenden Kirchengemeinden von jeweils einem Team aus Künstlern, Architekten und Ansprechpartnern der Gemeinden entwickelt.

Bauarbeiten in der Kirche des ehemaligen Klosters der Schwestern der Heiligen Katharina von Siena in Amsterdam.
Was kann man mit nichtgenutzten Kirchräumen tun? Damit befasst sich die Schau "Kirche Raum Gegenwart".

Insgesamt sind in der Schau 14 besonders gelungene, auch bereits realisierte Projekte mit Wandfahnen, Fotos, Texten und Kirchenmodellen zu sehen. Sie führen die ganze Bandbreite und den Variantenreichtum an Entwicklungsmöglichkeiten von Kirchenräumen vor Augen: von der architektonischen Neuaufteilung über neue Raumkonzepte bis zur vollständigen Umnutzung von Raum und Bausubstanz. Die Beispiele stammen aus den Gebieten der evangelischen Landeskirchen in Bayern und Baden-Württemberg, aus allen bayerischen (Erz-)Bistümern sowie aus den (Erz-)Diözesen Freiburg und Rottenburg-Stuttgart.

Ein Paradebeispiel ist die evangelische Laetare-Gemeinde in der Münchner Satellitenstadt Neuperlach, die 1970 gegründet wurde. Heute sind 60 Prozent der dort lebenden Menschen ohne Religionszugehörigkeit, nur knapp 7 Prozent evangelisch. Neben der seelsorglichen Arbeit stemmt ein kleines Team zusätzlich ein attraktives Angebot mit Kirchencafe, Outdoorkino, Tanz, Altenkreis, Grillabenden, Posaunenchor und Gesang. Nur: Es wissen einfach noch zu wenige Neuperlacherinnen und Neuperlacher davon.

"Welcome to Fabulous Laetare Neuperlach"

Das liegt auch an der zurückhaltenden, dunklen Architektur. Und da von jeher ein Kirchturm fehlte, ist die Gemeinde im öffentlichen Raum kaum sichtbar. Das soll sich nun aber ändern. So schlugen die Architekten vor, einen modernen Kirchturm zu errichten: eine 25 Meter hohe Stahlkonstruktion mit farbigen LEDs in Orange und Hellblau. An ihm sollen christliche Symbole für kirchliche Angebote werben und andere Logos für rein weltliche Inhalte wie Kino, Musik und Kaffee.

Eine großformatige Leuchtschrifttafel im Las-Vegas-Stil begrüßt alle Besucher: "Welcome to Fabulous Laetare Neuperlach". Als Abschluss ganz oben am Turm wird ein großer leuchtender Stern empfohlen, der weithin sichtbar auf das Kirchenareal verweist. So macht der neue Kirchturm auf humorvolle und populäre Weise die bisher eher im Verborgenen wirkende Gemeinde in Neuperlach erkenntlich.

kna-katholisch-swarm-node2 (0.013s)